Familien-Unternehmer
Promi-Geburtstag vom 17. März: August Oetker

August Oetker war der vierte Chef in der Unternehmensgeschichte des Pudding- und Backpulver-Anbieters aus Bielefeld. Jetzt feiert er einen runden Geburtstag. Laut den Regeln muss er damit einen wichtigen Posten aufgeben.

Sonntag, 17.03.2019, 00:01 Uhr
August Oetker feiert seinen 75. Geburtstag.
August Oetker feiert seinen 75. Geburtstag. Foto: Oliver Krato

Bielefeld (dpa) - Manchmal ist er einfach nicht erreichbar. Was vor Jahren noch undenkbar war, passiert jetzt immer mal wieder. So berichten es zumindest Mitarbeiter. Vor seinem 75. Geburtstag am 17. März ist August Oetker zwar weiter regelmäßig an seinem Schreibtisch in der Unternehmenszentrale in Bielefeld.

Dort kümmert er sich dann die Stiftungen oder die Rudolf-Oetker-Halle. Aber August Oetker, er war vierter Oetker-Chef seit 1891, kann auch abtauchen und unterwegs sein. Fern ab von Bielefeld.

Nach seinem Geburtstag wird er dazu etwas mehr Zeit haben. Denn nach den Statuten muss er mit Vollendung des 75. Lebensjahres zum Monatsende den Vorsitz des mächtigen Beirats - und damit die wichtige Schaltstelle des Konzerns - aufgeben.

Nach Angaben des Sprechers wird noch im März gewählt. Zu Namen macht Dr. Oetker generell keine Angaben. «Der neue Vorsitzende wird durch eine Wahl bestimmt, nicht durch die Nennung in den Medien», heißt es dazu knapp aus der Zentrale.

Was wird August Oetker mit der gewonnen Zeit machen? Der Sprecher verweist auf Oetkers dicke Büchersammlung. Und wie ist seine Bilanz, wenn er nun den Vorsitz im Beirat abgibt? Der vorletzte Familienmanager an der Spitze beim Pudding-, Backpulver- und Pizza-Anbieter konnte sich in den vergangenen Jahren in einem Punkt durchsetzen: Mit Albert Christmann führt erstmals ein familienfremder Manager das Unternehmen. Er löste 2016 seinen Bruder Richard ab. Augusts Credo war stets, dass an der Spitze nicht unbedingt ein Oetker stehen müsse. «Es sollen die Besten das Unternehmen führen», hatte er der dpa zu seinem 70. Geburtstag gesagt.

Beim Verkauf der Container-Reederei Hamburg-Süd aber blutete 2017 dem gelernten Schifffahrtskaufmann das Herz. August Oetker hatte diesen Bereich in seiner Zeit an der Spitze zur größten Sparte gemacht. Daher bricht dem Konzern in der Bilanz 2018 die Hälfte des Umsatzes von 11,6 Milliarden Euro weg. Mit dem Verkaufserlös von 3,7 Milliarden Euro allerdings konnte Dr. Oetker im Lebensmittelbereich auf Einkaufstour gehen. August Oetker, internes Kürzel «AO», hatte beim Streit um die Strategie schon vor Jahren eingestanden, dass die «Alten» nicht immer Recht haben müssten.

Um die Strategie und das Personal gibt es seit Jahren Auseinandersetzungen bei Dr. Oetker, die auch über die Medien gespielt werden. Und obwohl sich bei Oetkers die Halbgeschwister zoffen, ist es ein Streit der Generationen. Denn: Der Stammbaum in der Familie Oetker ist kompliziert.

Rudolf-August (1916-2007) baut das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Er heiratet dreimal. Aus den Ehen gehen acht Geschwister hervor. Die Älteste ist die 1940 geborene Rosely Schweizer aus erster Ehe. Aus zweiter Ehe stammen August (1944), Bergit Gräfin Douglas (1947), Christian (1948) und Richard (1951). Aus der dritten Ehe stammen Alfred (1967), Carl-Ferdinand (1972) und Julia (1979).

Zwischen den Halbgeschwistern August und Julia liegen 35 Jahre. Dass es da zu Meinungsverschiedenheiten unter den Gesellschaftern kommt, ist kaum zu vermeiden. Zuletzt legte die jüngste Generation Klage ein beim Landgericht Bielefeld. Es gibt Streit um die Nachfolge von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr im Beirat. Kaum war die Klage beim Konzern eingegangen, ruhte sie auch wieder. «August Oetker ist wichtig, dass alle miteinander reden und nach Lösungen suchen. Auch innerhalb der Familie», sagt der Konzernsprecher. Jetzt streben alle eine außergerichtliche Einigung an - vorerst.

August Oetker, der Ökomanager des Jahres 1995, war Nachhaltigkeit immer schon wichtig. Und ein fairer Umgang mit den Mitarbeitern. Das amerikanische «Hire and fire - Einstellen und Feuern» gab es unter ihm nicht. Zuletzt gab es für ihn bei einer Managertagung lang anhaltenden Beifall, bei den Mitarbeitern genießt er hohes Ansehen. Und Neuerungen verschließt er sich nicht. Der digitale Wandel sei auch für Dr. Oetker wichtig. «Aber der Mensch muss die Technik beherrschen - nicht umgekehrt», sagt der zweitälteste Oetker und Oldtimer-Sammler.

August Oetker, der den Konzern von 1981 bis 2009 lenkte, zog es als kleiner Junge zu den Gärtnern, die das Anwesen der Familie am Bielefelder Stadtrand zum Schlaraffenland machten. «Da gab es alles. Apfelbäume, Kirschbäume und Birnbäume, Kartoffeln, Gemüse, Pflaumen», erinnert sich August Oetker vor seinem 70. Geburtstag vor fünf Jahren lebhaft. Später wollte er als Kind lieber Kapitän sein. Dazu kam es nicht. Die dicken Pötte führte er nur als Manager. Jetzt tritt er ab von der Brücke und gibt das Steuerrad im Beirat ab. Seinen Schreibtisch aber will er behalten.

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