ZDF-Intendant
Promi-Geburtstag vom 8. März 2020: Thomas Bellut

Er hatte Angebote von der Konkurrenz, er blieb aber stets einem Sender treu: Thomas Bellut kennt das ZDF in- und auswendig. Worüber sich der Intendant ärgern kann, warum der «Bergdoktor» ihn stolz macht und warum er kein «Feierbiest» ist.

Sonntag, 08.03.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 08.03.2020, 05:02 Uhr
ZDF-Intendant Thomas Bellut wird 65.
ZDF-Intendant Thomas Bellut wird 65. Foto: Andreas Arnold

Mainz (dpa) - Hinter dem «Bergdoktor» und der «heute-show» steht ein und derselbe Mann. Seit Jahrzehnten ist er für das ZDF tätig und stieg bis zur mächtigsten Position in dem öffentlich-rechtlichen Sender in Mainz auf.

Auf den Start der Familienserie «Der Bergdoktor» in seiner Zeit als Programmdirektor ist Intendant Thomas Bellut stolz. «Wir brauchten für den Donnerstagabend irgendwas, was unbedingt funktioniert. Dann habe ich eine Produzentin gefragt: Warum machen wir nicht Berge und Arzt zusammen? So schlicht ist manchmal Programmplanung», sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als sechs Millionen TV-Zuschauer schalten die Abendserie in der Regel ein.

Die Nachrichtensatire «heute-show» stammt auch aus Belluts Programmdirektoren-Zeit. Die Einschaltquoten geben dem Intendanten Rückenwind - das ZDF ist seit Jahren der meistgesehene Sender in Deutschland.

Bellut, der heute 65 Jahre alt wird, prägt das Zweite Deutsche Fernsehen mit rund 3500 festen Mitarbeitern schon lange. Er verkörpert den Sender quasi. Seit mehr als 35 Jahren arbeitet er dort. Obwohl er nach eigenen Angaben auch die Option hatte, zur ARD-Konkurrenz zu wechseln: «Ich hatte Angebote. Aber ich bin froh, dass ich beim ZDF geblieben bin», sagt Bellut. «Das ZDF hat einfach den Vorteil, eine selbst handelnde Einheit zu sein. Hier kann man viel bewegen - vor allem national.» Trotzdem sei er zweimal kurz davor gewesen, zu wechseln. «Es hätte mich schon einmal gereizt, in einem anderen System zurechtzukommen. Aber so anders ist die ARD dann doch nicht.»

Nach seinem journalistischen Start bei den «Westfälischen Nachrichten» absolvierte Bellut ein Volontariat beim ZDF. Er war in den 1980er Jahren dann unter anderem Korrespondent im Landesstudio Berlin. Ab den 1990er Jahren lag sein Fokus auf der Innenpolitik. Er war für Sondersendungen und Parteitagsberichterstattung zuständig. Bellut moderierte Wahlsendungen ebenso wie das «Politbarometer» und wurde so vielen Zuschauern bekannt.

Er studierte ab Mitte der 1970er Jahre Politikwissenschaften, Geschichte und Publizistik in Münster und promovierte auch. Journalist wollte er relativ früh werden: «Schon bei der Bundeswehr dachte ich, das könnte der Weg sein», sagt der Intendant. «Ich stamme aus einem kleinen Dorf in Norddeutschland und wollte unbedingt weg in die weite Welt. Und der Journalismus schien mir das ideale Mittel zu sein.» Bellut wechselte mit den Jahren ins ZDF-Management. «Ich habe hier drei Berufe gehabt: Journalist, Programmdirektor und jetzt Intendant.»

Intendant ist er seit März 2012. Er wurde zwischendurch einmal wiedergewählt. In der Funktion vertritt Bellut das ZDF nach außen und ist für die Geschäfte der Fernsehanstalt und für das Programm verantwortlich.

Wie geht es weiter? Sein Vertrag laufe bis zum 15. März 2022, sagt Bellut. «Und den möchte ich auch erfüllen, weil es mir unheimlich Spaß macht.» Auf die Frage, ob er sich noch einmal als Intendant zur Wahl stellen werde, betont Bellut: «Ich werde mich im nächsten Jahr dazu äußern, wie ich mich verhalten werde.» Er habe sich noch nicht entschieden.

Wann kommt Ärger auf, wenn er ZDF schaut? «Schlamperei kann ich in keiner Form leiden. Und fehlenden Einsatz.» Von Berufskollegen und Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, bekommt der ruhig auftretende Mann Anerkennung. Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow sagt auf dpa-Anfrage: «Thomas Bellut bleibt auch unter Druck ruhig, abgeklärt und immer diplomatisch.» Der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, hebt «professionelle Klugheit, seine Aufrichtigkeit und Gradlinigkeit» hervor. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erwähnt dies: «Er war Wegbereiter für viele innovative Kooperationen wie beispielsweise das Onlineangebot «funk» für junge Menschen.» Sie schätze seinen «Innovationsgeist».

Der in Osnabrück geborene und auf dem Land bei Vechta aufgewachsene Bellut steuerte das ZDF immer wieder durch schwieriges Fahrwasser. Da ist etwa der Spardruck der vergangenen Jahre, der einen Abbau von Hunderten Stellen nach sich zog. Bellut zeigte sich als Reformer und Sanierer, der Dinge anpackte. Ein Beispiel: Für das Show-Flaggschiff «Wetten, dass..?» war mit sinkenden Quoten Ende 2014 Schluss.

Das jüngere Publikum sieht Bellut als eine zentrale Aufgabe an. Bei seiner Wiederwahl als Intendant betonte er, man könne sich nie sicher sein, die «Akzeptanz von Generation zu Generation übertragen» zu bekommen. Akzente setzte er auch, indem er verstärkt ins Digitale investierte.

Von seinem Job erholt sich Bellut mit Sport und er pflegt sein Privatleben, wie er erzählt: «Ich bin keiner, der ständig auf Partys rumläuft. Das ist nicht mein Ding.» Seinen 65. Geburtstag will er mit seiner Ehefrau und im kleinen Kreis mit Freunden in Mainz verbringen: «Ich bin nicht so ein Feierbiest, was Geburtstage angeht. Ich freue mich still, dass ich immer noch gut unterwegs bin.»

Eine erfolgreiche Serie im ZDF ist seit Jahren die Trödelshow «Bares für Rares», bei der Leute den Wert ihrer Einrichtungsgegenständen oder ihrer Schmuckstücke schätzen lassen. Hat Bellut auch mal was schätzen lassen? «Ich habe das tatsächlich einmal gemacht», sagt er. Es ging um ein Bild. «Das Ergebnis war enttäuschend. Nur 300 Euro für einen französischen Expressionisten, den vorher noch keiner bemerkt hatte.»

Wenn er die Herausforderungen für das ZDF in den vergangenen Jahrzehnten vergleicht, sagt der Intendant: «So viel hat sich nicht geändert. Es gibt Gruppen, die das öffentlich-rechtliche System so nicht wollen. Die Diskussion etwa mit der AfD erschreckt mich nicht. Es gab Ähnliches in der Vergangenheit immer wieder.» Jetzt könne man sich über das Netz besser organisieren, aber es habe sich im Prinzip nichts geändert.

Bellut betont rückblickend auch: «Die härtesten Debatten habe ich erlebt, als ich Intendant wurde und der Beitrag für jeden Haushalt eingeführt wurde. Da war richtig was los.» Der Rundfunkbeitrag, der für ARD, ZDF und Deutschlandradio pro Wohnung oder Betriebsstätte fällig ist, löste im Jahr 2013 die frühere Form der Finanzierung nach der Zahl und Art der Geräte ab.

Vom ZDF-Hochhaus am Rande der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt aus kann man weit in die Landschaft blicken. In der Innenstadt ist das ZDF auch präsent: Fußgänger-Ampeln etwa zeigen Mainzelmännchen. Bellut fühlt sich als Mainzer: «Mittlerweile schon. Ich bin ja ein gebürtiger Norddeutscher aber lebe jetzt meine längste Lebensphase in Mainz.»

Bellut zeigt sich mit dem jetzigen Stand des ZDF zufrieden. «Wir sind breit aufgestellt, mit hoher Qualität und sehr solide unterwegs. Aber ich bin niemand, der den Ball zu hoch spielt, denn es kann auch schnell wieder schwieriger werden.»

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