Starrköpfe in der Familie
Wie umgehen mit Verschwörungstheorien?

Verschwörungstheorien gibt es nicht nur in dubiosen Internetforen. Auch in der Familien-Gruppe in Whatsapp oder im Freundeskreis taucht mitunter fragwürdiges Gedankengut auf. Wie geht man damit um?

Mittwoch, 13.05.2020, 12:37 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 12:42 Uhr
Häh, was schreibt die denn da? Wenn Verwandte auf Whatsapp Verschwörungstheorien verbreiten, sollte man das direkte Gespräch suchen.
Häh, was schreibt die denn da? Wenn Verwandte auf Whatsapp Verschwörungstheorien verbreiten, sollte man das direkte Gespräch suchen. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa/tmn) - In der Corona-Krise kursieren etliche Verschwörungstheorien. Und mitunter kann es passieren, dass sogar Angehörige oder Freunde krude Theorien in gemeinsamen Whatsapp-Gruppen verbreiten. Was ist der richtige Umgang mit so einer Situation?

Bei aller Empörung empfiehlt sich zunächst ein freundlicher Ton: «Sobald der Ton ruppig wird, ist eigentlich alles verloren», sagt Sebastian Herrmann, der ein Buch zum Thema geschrieben hat. Teilt eine nahestehende Person ein fragwürdiges Video in einer Whatsapp-Gruppe, sollte man dieses nicht in der Gruppe kommentieren, sondern das direkte Gespräch suchen.

In der Gruppe sei allenfalls der Hinweis erlaubt, dass Beiträge zu solch komplexen Zusammenhängen bitte nicht in einer Whatsapp-Gruppe zu verbreiten seien. Wenn eine direkte Nachricht nicht möglich ist, sollte man sich einfach aus der Debatte heraushalten.

Sinnvoll ist es auch, eine Gemeinsamkeit mit dem Gegenüber zu finden und sich auf diese Weise dem Thema anzunähern. Beispielsweise könne man das Gespräch mit der Bemerkung eröffnen, dass man sich auch über das Thema Gedanken mache und gerne darüber sprechen will. Im nächsten Schritt könne man sagen, an welchem Punkt man nicht der gleichen Meinung ist und dies dann erklären.

Hilfreich sei etwa ein Lob zu Beginn des Gesprächs. «Es darf natürlich nicht gelogen sein», sagt Herrmann. Man könne zum Beispiel betonen, welche Argumente man gut fand, bevor man erklärt, mit welchen Punkten man nicht einverstanden ist.

Grundsätzlich sei das persönliche Gespräch immer dem geschriebenen Wort vorzuziehen: «Eine Stimme stellt emotionale Nähe her, man bekommt Zwischentöne mit», so Herrmann. Gerade bei Diskussionen per E-Mail sei das Streitpotenzial deshalb besonders hoch.

«Je mehr Vertrauen zwischen zwei Menschen herrscht, desto mehr kann man eine Haltung zu etwas ändern», sagt Herrmann. Es seien nicht Fakten, die unsere Meinungen ändern, sondern Freundschaften.

Doch nicht jeder ist zugänglich für solche gut gemeinten Annäherungen: «Mit den Betonköpfen braucht man nicht zu diskutieren», sagt Herrmann auch mit Blick auf Ideologen, die ihre Ansichten einem großen Publikum im Internet darbieten. Das Schweigen über eine wahnwitzige Idee sei das Beste, was man machen könne. Denn davor fürchteten diese Leute sich am meisten.

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