Isar-Indianer
Promi-Geburtstag vom 9. Juli: Willy Michl

Der Urbayer, der irgendwann die Lederhose gegen Indianerkluft tauschte und immer noch gern zur Gitarre greift: Willy Michl. Jetzt wird der Liedermacher 70 Jahre alt.

Donnerstag, 09.07.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 05:02 Uhr
Liedermacher Willy Michl wird 70.
Liedermacher Willy Michl wird 70. Foto: Sven Hoppe

München (dpa) - Fuchspelz, Federschmuck, lange schwarze Haare: Der Isarindianer und Blues-Barde Willy Michl fällt auf, wo immer er mit seinen Mokassins oder barfuß auftaucht. In diesen Zeiten ist er auf Abstand unterwegs - um gesund zu bleiben. «Ich will alt werden.»

An diesem Donnerstag (9.7.) erreicht der Liedermacher, der mit seinem Gitarrensound und seinem «Isarflimmern» weiter die Fans begeistert, eine erste kleine Etappe: Er wird 70 Jahre alt. Oder, wie er es ausdrückt: Er ist in seinem 71. Sommer. Jahre zählt er in Sommern und Wintern, Monate in Monden.

Der «Ureinwohner» aus München trägt als Zeichen seiner Weltanschauung und seiner Verbundenheit mit den indigenen Völkern der Erde seit Jahrzehnten Indianertracht - und weckte damit schon in manchem Kind Begehrlichkeiten zu einem Ganzjahresfasching. Manche mögen sein Auftreten befremdlich finden. Als vermeintlich Fremder angegangen werde er aber kaum, sagt er. «Ich werde im Internet manchmal angefeindet, aber wenn die Menschen mir begegnen, sehr selten. Ich habe erstens gelernt, die Emotionen auszuhalten, die entstehen, wenn jemand wie ich gesehen wird. Und darüber hinaus: Ich liebe die Menschen - und das kommt dann zurück.»

Ganz problemlos lief es allerdings nicht immer. Manches Mal sollen strenge Beamte einen Blick in seinen Medizinbeutel geworfen haben - obwohl er doch praktisch nie Drogen nahm, den letzten von ohnehin sehr wenigen Joints 1972 rauchte und seit langem auch keinen Alkohol mehr trinkt. Einmal wurde ihm just auf der Knorrhütte im Zugspitzgebiet, die er zuvor mit seiner ersten Frau Eva selbst bewirtschaftet hatte, der Zutritt verwehrt - weil er in Indianertracht kam, eine Adlerfeder am Hut trug und einen großen Hund dabei hatte.

Die Adlerfedern sind ebenso echt wie der Fuchspelz samt Kopf und Schnauze um seine Schultern. Ob echtes Fell noch zeitgemäß ist? Für den Isar-Indianer keine Frage: Füchse würden ganzjährig bejagt. «Ich vertrete die Auffassung, dass man, wenn so ein Tier erlegt ist, sein Fell nicht vernichten kann. Das ist für meine Begriffe Unrecht.» Und schließlich habe er in seinem 71. Sommer schon mal Probleme mit der Halswirbelsäule. «Der Fuchs ist mein Bruder. Er erwärmt meinen Hals.»

Als einer der ersten hatte Willy Michl in den 1970er Jahren, beeinflusst unter anderem von Jazzgrößen wie Louis Armstrong und Benny Goodman und damals noch in Lederhose und Alplerhut, moderne Rhythmen mit Texten in Mundart unterlegt. Er kreierte den bairischen Blues, das Album «Ois is Blues» hat Kultcharakter. In einem seiner bekanntesten Songs, dem «Bobfahrerlied» vertonte er auch seine eigenen sportlichen Ambitionen. Alpenrock wurde zur Marke, vertreten auch durch Namen wie Wolfgang Ambros, Konstantin Wecker oder die Spider Murphy Gang.

Willy Michl, der als wiederkehrende Themen Freiheit, Liebe, Frieden und Respekt vor der Natur besingt, hatte versucht, den Kriegsdienst zu verweigern, sein Begehren wurde abgelehnt - er verdingte sich dann als Zeitsoldat bei den Gebirgsjägern. «Ich bin kein Freund der Armee», sagt er. Aber er habe dort gute Freunde gehabt. Und mit der Verpflichtung - sechs Monate länger als der Wehrdienst - habe es einfach besseres Essen gegeben.

Seit 28 Jahren ist Willy Michl mit seiner Frau Cora (57) verheiratet. Die Verbindung zur Natur und zu den Tieren eine beide, sagt sie. Den Geburtstag feiern sie zusammen. Am Abend gibt Willy Michl sein Geburtstagskonzert, nicht im Lustspielhaus wie geplant, sondern vor dem Deutschen Museum, draußen und mit Abstand. Für den Live- und Bühnenkünstler bedeutet die Corona-Pandemie eine herbe Einschränkung. «Der Schock der Pandemie hat mich in meiner Seele erfasst. Da muss man sich wieder finden.» Auch sein geplantes Album verzögert sich. Aber er versichert seinen Fans: «Das wird es geben.»

Das Alter sieht er gelassen. «Ob ich jetzt 68 bin oder 70 oder 73 oder 72: Ich kann gehen. Ich kann Gitarre spielen. Singen. Ich hab' ein schönes Weib, mit dem ich lebe. Und wir machen uns gegenseitig glücklich.»

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