„VHS-Wahlstudio“ Teil 2
Kritik am Radverkehrskonzept

Ahlen -

Klimaschutz und Integration waren neben dem „Bürgercampus“ und der Belebung der Innenstadt weitere Themen beim „VHS-Wahlstudio“ am Dienstagabend in der Stadthalle.

Donnerstag, 03.09.2020, 21:00 Uhr
Auch Statements und Fragen aus dem Publikum sammelte VHS-Leiterin Nadine Köttendorf ein.
Auch Statements und Fragen aus dem Publikum sammelte VHS-Leiterin Nadine Köttendorf ein. Foto: Ulrich Gösmann

Das von Bürgermeister Dr. Alexander Berger in seinem Wahlprogramm abgegebene Versprechen, Ahlen bis 2030 zu einer klimaneutralen Stadt machen zu wollen, hält Petra Pähler-Paul (Grüne) für ein „Lippenbekenntnis“ und Matthias Bußmann (BMA) für „Augenwischerei“. Mehr als skeptisch äußerte sich auch SPD-Vorsitzender Sebastian Richter: „2030 – das ist nicht ambitioniert, das ist unmöglich.“ FWG-Chef Heinrich Artmann stellte fest, eine Kommune habe auf den Klimawandel nur geringe Einflussmöglichkeiten und forderte Änderungen bei Gesetzen, die den Ausbau erneuerbarer Energien wie der Photovoltaik im privaten Bereich eher behinderten als forcierten. Für „nicht zielführend“ hält Artmann, dass das „Tanken“ an den E-Ladesäulen der Ahlener Stadtwerke seit Jahresbeginn nicht mehr kostenlos sei.

Es gibt Stellen in Ahlen, da möchte ich nicht mit dem Fahrrad fahren.

Sebastian Richter

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, auch die ausgewiesenen Auto- und Oldtimerfans Bußmann und Fellmann, darin, dass Elektromobilität und ÖPNV mehr gefördert werden müssten. Hinsichtlich des Ahlener Radverkehrskonzepts, im Prinzip von allen begrüßt, hagelte es Kritik an der Umsetzung, die nicht nur Petra Päh­ler-Paul in Teilen „halbherzig“ findet. Sie fühle sich mit dem Fahrrad auf der Straße nicht sicher. Auch Sebastian Richter gab zu: „Es gibt Stellen in Ahlen, da möchte ich nicht mit dem Fahrrad fahren.“ Als eklatantestes Beispiel für Fehlplanung führte Matthias Bußmann die Moltkestraße an.

Ahlen ist ei­ne multikulturelle, aber auch eine geteilte Stadt.

Nadine Köttendorf

Den vierten und letzten großen Themenblock leitete Nadine Köttendorf mit der Feststellung ein: „Ahlen ist ei­ne multikulturelle, aber auch eine geteilte Stadt.“ Wie es um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund bestellt ist, beurteilten die Kandidaten unterschiedlich. Reiner Jenkel sagte: „Ich bin gar nicht unzufrieden.“ Petra Pähler-Paul hingegen hat „das Gefühl, dass wir schon mal weiter waren“. Sie beobachte einen zunehmenden „Rückzug in eigene Kulturen und Wohnzusammenhänge“. Noch weiter ging Matthias Bußmann: Er halte die Integrationspolitik für „gescheitert“. Die verschiedenen Nationalitäten lebten nicht miteinander, sondern bestenfalls nebeneinander her. Rita Pöppinghaus-Voss erklärte, ihr fehle „manchmal die Bereitschaft, sich integrieren zu lassen“. Wer 30 Jahre hier lebe, sollte die deutsche Sprache beherrschen.

Einigkeit beim Thema Kulturdezernent

Die allgemein als wünschenswert erachtete Öffnung von Vereinen, Bildungs- und Kultureinrichtungen für Migranten könnte eine Aufgabe für einen neuen Sozial- und Kulturdezernenten sein. Dass diese seit Jahren vakante Stelle bei der Stadt Ahlen nach der Wahl wieder besetzt werden sollte, darin herrschte am Dienstagabend die größte Übereinstimmung. Petra Pähler-Paul kündigte an, die Grünen würden „spätestens in der zweiten Ratssitzung“ einen Antrag stellen. FWG-Chef Heinrich Artmann könnte sich auch einen dritten Beigeordneten vorstellen angesichts der finanziellen Herausforderungen, vor denen Ahlen in den nächsten Jahren stehe. Erst einmal wären alle Parteien aber schon froh, endlich ei­nen Nachfolger für Stadtbaurat Andreas Mentz zu finden.

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