Heinrich Artmann (FWG)
„Führungsstark aufstellen“

Im „Kandidatencheck“ bei der „Ahlener Elefantenrunde 2020“ in der Stadthalle: Heinrich Artmann (FWG).

Mittwoch, 09.09.2020, 09:36 Uhr
Als „Hymne“ hatte sich Heinrich Artmann den Titelsong der „Ghostbusters“-Filme ausgesucht. Er selbst bekannte, keine „Geister“ aus dem Rathaus verjagen zu wollen.
Als „Hymne“ hatte sich Heinrich Artmann den Titelsong der „Ghostbusters“-Filme ausgesucht. Er selbst bekannte, keine „Geister“ aus dem Rathaus verjagen zu wollen.

Schon längst gilt er als „heimlicher Bürgermeister von Dolberg“. Dass Heinrich Artmann, Vorsitzender der Freien Wählergemeinschaft (FWG) seit ihrer Gründung 2009, nun oberster Chef von ganz Ahlen werden will, kam hingegen für viele Menschen in der Stadt überraschend.

Moderatorin Maria Kessing reizte es daher besonders, die Motivation der Kandidatur des 60-Jährigen zu erfahren: „Sie haben gesagt, Sie seien es leid mit Dr. Berger. Was genau werfen Sie ihm vor?“ Ohne Umschweife kam der Befragte auf den Weggang von Stadtbaurat Andreas Mentz zu sprechen. „Wir wussten schon lange, dass er geht.“ Dass die Phase der Nachfolgersuche nun schon elf Monate andauere, wertete Artmann als unverantwortlich. „Wir müssen Entscheidungen schneller treffen.“ Darüber hinaus fordere er „schlankere Strukturen in der Verwaltung“.

Also sparen am und im Rathaus? Wie das mit der Forderung nach gleich drei neuen Dezernenten – für Bauen, Kultur und Soziales sowie die Kämmerei – zusammenpasse, wollte Peter Harke wissen. „Natürlich kostet das Geld. Aber ein Führungsproblem kann ich nur lösen, wenn ich mich führungsstark aufstelle“, hielt Artmann darauf fest.

Kleine Gesellschaft fürs Stadtmarketing

Weitere Spareffekte sieht der Dolberger vielmehr in einer Auflösung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) in ihrer bisherigen Struktur und der Einführung von Expertengremien mit Blick von außen. Als Ansporn für seine Haltung nannte er den Bau der „Neuen Mitte“ in Dolberg und die Entwicklung des Kerkmann-Platzes. „Da kann eine WFG wenig tun. Für Stadtmarketing können wir ja eine kleine Gesellschaft haben“, sagte er.

Für den Neubau der Stadthalle wünscht sich Artmann nach wie vor eine Beteiligung des Kreises. „Wir müssen mehr Selbstbewusstsein haben.“

Er sei kein Verwaltungsjurist, aber habe Erfahrungen bei der Führung eines großen Betriebs. „Ich habe 150 Leute als Geschäftsführer unter mir gehabt“, beschrieb er.

Was die aktuelle Verwaltung angeht, kritisierte Artmann weiterhin das Fehlen von Protokollen der Baubesprechungen zum neuen Baubetriebshof und die Verteuerung des Projektsteuerers. Der CDU-Forderung nach einer Befreiung von der Hundesteuer beim ersten Vierbeiner erteilte der Bürgermeisterkandidat eine klare Absage. Diese Steuer „vom alten Fritz“ habe eine steuernde Funktion, um die Zahl der Tiere im Griff zu behalten. Darüber hinaus spüle sie der Stadt sichere Einnahmen in die Kasse, die wiederum viele wichtige Einrichtungen mitfinanzierten – zum Beispiel die Bäder. „Wollen wir auf diese Freiheiten verzichten?“

Eigenheiten der Quartiere respektieren

Den Vorwurf, doch einen zu starken Fokus auf die Ortsteile – vornehmlich auf Dolberg – zu legen, wollte der FWG-Mann nur in Teilen bestätigen. „Natürlich gehören wir alle zu Ahlen“, sagte er. Aber die Eigenheiten aller Quartiere gelte es zu respektieren.

Hin und wieder sorgte Heinrich Artmann auch für ungewollte Heiterkeit im Saal. Zum Beispiel, als er bei einer Fotoschau die Hansastraße mit der Nordstraße verwechselte. Bei Patzern blieb der FWG-Chef ganz entspannt und gab bei Peter Harkes Frage, wann er zuletzt eine Veranstaltung in der Stadthalle besucht habe, ganz unverblümt zu, eher ein „Kulturbanause“ zu sein. Bei „Storno“ allerdings habe er im Vorjahr im Publikum gesessen – seiner Frau zuliebe.

Heinrich Artmann, der seine politische Heimat einst in der CDU hatte, sollte Maria Kessing schließlich beantworten, ob er nicht im Grunde seines Herzens noch immer ein „Schwarzer“ sei. „Dass ich kein Roter bin, daraus habe ich nie einen Hehl gemacht. Eher ein Blauer!“

Bei der Frage nach einer „Vision für Ahlen im Jahr 2030“ hatte Artmann auch für die Gesamtveranstaltung – nach gut drei Stunden – das letzte Wort: „Ich hoffe, dass alle Leute ihr Auskommen haben, dabei vernünftig wohnen können, ein friedliches und harmonisches Miteinander da ist und wir in einer sauberen und sicheren Umwelt leben.“

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