Franz-Josef Althoff über sein Engagement und den Parteiwechsel
Vom SPD- zum FDP-Mann

Ochtrup -

Franz-Josef Althoff ist ein echtes Urgestein der Ochtruper Lokalpolitik. Zuerst als SPD- und später als FDP-Mann legte der heute 90-Jährige so manchen Grundstein für spätere Generationen. Dabei beschäftigte sich der inzwischen pensionierte Gymnasiallehrer nicht nur mit der Schulpolitik.

Donnerstag, 17.09.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 20:32 Uhr
Franz-Josef Althoff hat sich viele Jahre in der Kommunalpolitik engagiert, zunächst als SPD-Mitglied, dann in den Reihen der FDP.
Franz-Josef Althoff hat sich viele Jahre in der Kommunalpolitik engagiert, zunächst als SPD-Mitglied, dann in den Reihen der FDP. Foto: Anne Spill

Er ist ein echtes Urgestein der Kommunalpolitik: Franz-Josef Althoff hat viele Jahre in Rat und Ausschüssen der Töpferstadt gewirkt. Dabei sorgte der heute 90-Jährige für die ein oder andere Premiere – und legte so manchen Grundstein für spätere Generationen.

Geboren in Langenhorst und aufgewachsen in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, machte Althoff im Jahr 1950 das Abitur am Gymnasium Arnoldinum in Burgsteinfurt. Der vielseitig interessierte junge Mann entschied sich, ein Lehramtsstudium aufzunehmen und schrieb sich an der Universität Münster für die Fächer Germanistik, Geschichte und Philosophie ein.

Lehrer in Ochtrup

Seine Referendarszeit verbrachte er schließlich in Hagen und Essen. Dort lernte Althoff auch seine spätere Frau kennen, die ebenfalls als Lehrerin arbeitete. Als eine Stelle in St. Arnold frei wurde, nutzte er die Gelegenheit, wieder näher an die Heimat heranzurücken. „Und dann bot man 1969 in Ochtrup etwas an“, erinnert sich der 90-Jährige. Am Gymnasium wirkte er als Oberstufenkoordinator und wurde zum Studiendirektor befördert.

Ein wichtiger Part im Unterricht von Althoff war immer auch die politische Bildung. „Ich habe zu meinen Schülern aber gesagt: Wenn ihr meine Parteilichkeit heraushört, dann legt ruhig los!“ Es sei ihm immer wichtig gewesen, sich an der Schule möglichst neutral zu geben, unterstreicht der Pensionär.

Privat hatte er längst das Parteibuch der SPD in der Tasche. „Ich hatte mich nach 1959 intensiv mit dem Godesberger Programm beschäftigt“, erläutert Althoff. Überzeugt hatte ihn vor allem die Tatsache, dass die Sozialdemokraten sich darin den Kirchen annäherten. „Dieses soziale Moment, das hat mir am Herzen gelegen.“

Austritt aus der Partei

Als Vertreter der SPD kandidierte Althoff, dessen Vater und Großvater übrigens schon Bürgermeister von Langenhorst waren, auch für den Ochtruper Stadtrat – mit Erfolg. Doch dann geschah etwas, das ihn zum Austritt aus der Partei bewegte.

Als 1980 Papst Johannes Paul II. nach Deutschland reiste, „lästerten die Jusos über seinen Besuch“, erinnert sich Althoff. Damit konnte der Kommunalpolitiker nun gar nicht leben, „denn ich habe mich immer für die Kirche stark gemacht“. Er forderte eine öffentliche Entschuldigung der Jusos. Als die ausblieb, gab Althoff sein Parteibuch schweren Herzens ab. Den Ratssitz gab er an seinen Bruder weiter. Sein Mandat zu behalten, kam für ihn nicht in Frage: „Denn man hatte mich ja als SPD-Mann gewählt.“

Doch dass Althoff weiterhin politisch interessiert war, wusste man im Ort. „Ein alter Freund meiner Mutter sprach mich dann an, ein FDP-Mann aus Welbergen“, berichtet der 90-Jährige. „Die suchten noch Leute.“ Er entschied sich, den Weg fortan mit den Liberalen zu gehen. „Denn die Leidenschaft war ja da.“

Neue politische Heimat

Bei der nächsten Wahl fehlten der FDP noch einige Stimmen, „aber im zweiten Anlauf sind wir mit zwei Mann in den Rat gekommen“, erinnert sich Althoff. Die Liberalen mussten sich jedoch der CDU anschließen, weil sie zu zweit keine Fraktion bilden konnten. „Und die brauchten uns auch.“

Von 1989 bis 1994 wirkte Althoff dann als Vorsitzender der ersten FDP-Fraktion im Rat. Von 1994 bis 1998 war er außerdem stellvertretender Bürgermeister von Ochtrup und Mitglied in vielen Ausschüssen. „Das war sehr aufregend und anstrengend“, blickt der Pensionär zurück.

Neben der Schulpolitik beschäftigten ihn vor allem die städtischen Finanzen. Eine sparsame Haushaltsführung war sein Ziel. Das Zahlenwerk studierte Althoff immer sehr genau. „Ich war der Erste, der eine lange Etatrede gehalten hat“, berichtet er heute. „Da waren die anderen ziemlich erstaunt, denn vorher war es üblich, nur kurze Bemerkungen abzugeben. Aber ich hatte mir viel Mühe damit gegeben, den Plan zu studieren.“

Heute verfolgt Althoff das politische Geschen nur noch am Rande. Doch seine Einschätzung ist bei den Liberalen trotzdem noch gefragt. Kein Wunder: Ist der 90-Jährige eben ein echtes Urgestein.

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