Tarifstreit
Bauarbeiter legen Kreisverkehr lahm

Den Ort ihrer Demonstration hatten sich die Bauarbeiter mit Bedacht ausgewählt: Der Völkerball-Kreisverkehr ist in der Grevener Innenstadt zentraler Verkehrsknotenpunkt. „Ohne uns steht der Laden still“, lautete die Botschaft der von der IG Bau organisierten Kundgebung, die am Samstagmorgen eben dort eine knappe halbe Stunde lang den Kreisverkehr blockierte. Die Folge war ein kurzzeitiges Verkehrschaos und weite Rückstaus auf den Straßen in Grevens Zentrum.

Montag, 16.05.2016, 13:57 Uhr aktualisiert: 16.05.2016, 14:03 Uhr
30 Minten war der Kreisverkehr in Greven gesperrt.
30 Minten war der Kreisverkehr in Greven gesperrt. Foto: Wn

„Wir protestieren damit gegen das Minimalangebot der Arbeitgeber in der laufenden

Tarifrunde“, erklärte Gewerkschaftssekretär Dirk Meier den Hintergrund dieses „Flashmobs“, an dem sich Bauarbeiter aus dem gesamten Bezirk Münster/Rheine beteiligten. Drei Verhandlungsrunden der Arbeitnehmervertreter mit der Bauindustrie waren zuletzt Ende April ergebnislos zu Ende gegangen. Die Vertreter der Arbeitgeberverbände hatten dort Lohnsteigerungen von 1,3 Prozent im Westen sowie 2 Prozent im Osten fürs erste Jahr und 1,8 sowie 2,5 Prozent fürs zweite Jahr angeboten. Als „inakzeptabel“ bewertete die IG Bau dieses Angebot.

Zentrale Forderung der Bauarbeiter ist ein deutlich höheres Lohn-Plus von 5,9 Prozent bei einjähriger Laufzeit und eine bundesweite Angleichung der Löhne in Ost und West. Diese Einkommenssteigerung sei angesichts eines vorherrschenden „Baubooms“ mehr als gerechtfertigt, betonte IG-Bau-Mann Meier bei der Demonstration in Greven. „Wir leben angesichts stark nachgefragten Wohnraums in den Städten in echten Betongold-Zeiten.“ Außerdem profitiere die Branche vom Bau neuer Straßen und Flüchtlingsunterkünfte. „Eine faire Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer ist da mehr als legitim“, so seine Einschätzung.

Neben Lohnsteigerungen setzen sich die Gewerkschaftsvertreter darüber hinaus für bessere Ausbildungsbedingungen ein. Azubis sollen 100 Euro mehr pro Monat

bekommen. Außerdem sollen die Arbeitgeber Lehrmittel und Fahrtkosten erstatten. „Das ist dringend nötig, um die Branche für junge Fachkräfte attraktiv zu halten“, blickt Meier kritisch auf fehlenden Nachwuchs auf dem Bau.

Grund dafür sind unter anderem schwierige Arbeitsbedingungen mit Kurzarbeit oder saisonaler Arbeitslosigkeit im Winter. Abhilfe schaffen könnten nach Wunsch der IG Bau Heiligabend und Silvester als freie und bezahlte Arbeitstage. „Bei weit entfernten Baustellen soll der Chef zudem die Unterkunft stellen“, erklärt Dirk Meier eine weitere Forderung in der aktuellen Tarifverhandlung, die am Pfingstdienstag fortgesetzt wird.

Ob diese vierte Gesprächsrunde zu einem Tarifabschluss führt, bleibt indes offen. „Unerfüllbar“ hatte Frank Dupré, Verhandlungsführer der Bau-Unternehmen, die Gewerkschaftsforderungen im Vorfeld bezeichnet und auf nur geringe Umsatzsteigerungen und Billiglohnkonkurrenz verwiesen. Weitere Protestaktionen oder gar Streiks scheinen deshalb nicht ausgeschlossen.

Gewerkschaftsmann Dirk Meier blickt darauf gelassen. „Wir haben heute gezeigt, dass wir Druck machen können“, bilanzierte er die Demo in Greven. Im Rücken weiß Meier sich allein im Kreis Steinfurt gut 5.000 Bau-Beschäftigte und Azubis. Im gesamten Münsterland arbeiten nach Zahlen der IG Bau mehr als 17.000 Menschen im Baugewerbe.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4007532?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker