Evgeni Finkelstein begeisterte als Meister der Gitarre
Ein Hauch von Versailles

Greven -

Für die Liebhaber feinster Saitenkunst war es wohl ein Glücksfall, dass Evgeni Finkelstein am Sonntag in der Christuskirche spielte. er erwies sichals meister der Gitarre.

Montag, 22.05.2017, 18:32 Uhr aktualisiert: 22.05.2017, 18:40 Uhr
Evgeni Finkelstein wird von der Fachpresse oftmals als „Horowitz der Gitarre“ bezeichnet. Wohl nicht zu Unrecht. Denn er zeigte sich als Meister seines Instrumentes.
Evgeni Finkelstein wird von der Fachpresse oftmals als „Horowitz der Gitarre“ bezeichnet. Wohl nicht zu Unrecht. Denn er zeigte sich als Meister seines Instrumentes. Foto: Axel Engels

Für die Liebhaber feinster Saitenkunst war es wohl ein Glücksfall, dass Evgeni Finkelstein an einem Gitarrenfestival von Prof. Evers in Münster teilgenommen hat. So konnte er am Sonntag für ein Konzert in der evangelischen Kirche in Greven gewonnen werden, wo er ja schon vor einiger Zeit seine kultivierte Spielweise zeigen konnte.

An der Moskauer Musikakademie lehrt er als Professor für klassische Gitarre, international ist er als Virtuose sehr gefragt, und in Meisterkursen gibt er jungen Talenten wichtige Impulse. In der intimen Atmosphäre der evangelischen Kirche spielte er im ersten Konzertteil ausschließlich eigene Transkriptionen von barocken Werken für Laute oder Viola da gamba. Diese hatte er mit Akribie und Feinsinn für die Gitarre gesetzt, konnte dabei den stilistischen Spagat zwischen historischer Aufführungspraxis und modernem Klangempfinden meistern.

Evgeni Finkelstein wird von der Fachpresse oftmals als „Horowitz der Gitarre“ bezeichnet. Für diesen sympathischen Saitenkünstler gibt es offenbar keine spieltechnischen Einschränkungen. Aber seine Virtuosität stellte er immer in den Dienst der Musik, sie ist für ihn nur Mittel zur exquisiten Gestaltung. Dies zeigte sich sofort bei dem „Andante und Allegro“ von Carl Friedrich Abel, der als Komponist und Gambensolist eine herausragende Stellung im Barock hatte.

Mit Feingefühl und sehr differenzierter Dynamik konnte er beim Andante die Melodie über den filigranen Begleitfiguren erklingen lassen und beim „Allegro“ ließ er seiner Spielfreudigkeit freien Lauf. Mit Esprit und Leidenschaft interpretierte er die tänzerisch angelegte „Sonate Nr. 8 für Laute“ von Antoine Forqueray, verbreitete sich bei solch brillantem Spiel gleichsam der Glanz von Versailles zu Zeiten Ludwigs XIV. in der sonnendurchfluteten Kirche.

Er verlieh jedem einzelnen Satz ein klangfarbenreiches Gewand. Galant spielte er die „La Voice Humanaise“ des ebenfalls in Versaille am Hofe tätigen Marin Marais und bei dessen bekannten „La Revense“ genoss man die Grazie und lyrische Melodieführung. Evgeni Finkelstein verfügt über eine Stilsicherheit, die den von ihm für Gitarre transkribierten barocken Werken eine große Authentizität verliehen.

Den zweiten Teil des Programms hatte Evgeny Finkelstein ganz der Musik seiner Heimat gewidmet. Mit eigenen Arrangements russischer Volksweisen bot er einen tiefen Einblick in diese von Melancholie bestimmte Welt. Auf klangmalerische Weise erklangen „The Road“ von Ivan Liahow und „Mountains“ von Vladimir Morkov. Auch als Komponist präsentierte sich Evgeni Finkelstein dem Grevener Publikum. Sein „Black Raven“ war sicherlich einer der musikalischen Höhepunkte dieses Konzertes. Solch kunstvolles und kultiviertes Musizieren vermag nur ein Gitarrist, der sich nicht als reiner Virtuose beweisen muss. Evgeni Finkelstein zeigte sich als Meister seines Instrumentes, der das Publikum mit seinem Spiel inspirierte.

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