Gespräch mit dem stellvertretenden Schulleiter des Gymnasiums
„Immer noch eine gute Entscheidung“

Der 40-jährige Andreas Henke ist seit August 2016 mit den Aufgaben des stellvertretenden Leiters des Gymnasium betraut, doch erst seit kurzem auch offiziell „Vize“: Die Probezeit ist seit dem 1. Mai rum. Mit Redakteur Oliver Hengst sprach er darüber, wie er die Schule aufgestellt sieht.

Sonntag, 28.05.2017, 10:00 Uhr
An der neuen Aufgabe reizt Andreas Henke der Mix aus Unterricht und Verwaltungstätigkeit. Die Kooperation mit der Stadt als Schulträger nimmt er als sehr konstruktiv wahr.  
An der neuen Aufgabe reizt Andreas Henke der Mix aus Unterricht und Verwaltungstätigkeit. Die Kooperation mit der Stadt als Schulträger nimmt er als sehr konstruktiv wahr.   Foto: oh

Haben Sie lange überlegt oder eher spontan entschieden, sich um den Schulleitungs-Posten zu bemühen?

Andreas Henke: Ich selbst hätte früher nicht gedacht, dass ich mit 40 Jahren mal hier sitze und ein Interview als stellvertretender Schulleiter gebe. Herr Schafstedde hat mich als erster damit konfrontiert, mal darüber nachzudenken, im Bereich Schulleitung zu arbeiten. Auch Dr. Krobisch hat dann irgendwann signalisiert, dass das etwas wäre, was ich tun könnte, um meine Stärken zu zeigen. Seit etwa 2013 habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt. Natürlich habe ich auch mit der Familie besprochen, ob ich hier an der Schule in anderer Rolle mit anderen Aufgaben arbeiten möchte und ob ich mir das zutraue. Und als ich all das für mich mit Ja beantwortet habe, bin ich ins Bewerbungsverfahren gegangen.

Sicher ist die Aufgabe mit Mehrarbeit verbunden . . .

Henke: Ich hatte nie ein Problem damit, viel zu arbeiten und mich auch außerunterrichtlich einzubringen. Aber es hat natürlich eine andere Verbindlichkeit, wenn der Schulträger einlädt oder der Schulausschuss oder die Grevener Schulleiterrunde stattfindet. Es gibt Termine, die sind gesetzt. Für mich ist das toll, weil ich mich dafür interessiere, und es gibt auch Termine, zu denen ich hingehen darf. Beispiel: Gala zum 40-Jährigen der Musikschule. Das ist toll, ich mache selbst auch Musik. Das sind schöne Termine, aber man muss es wollen und sich darauf einlassen.

Haben Sie nun weniger Zeit für Unterricht?

Henke: Jein. Das ist das Potenzial der Stelle des stellvertretenden Schulleiters: Sie hat verschiedene Bausteine. Ich bekomme viel mit, was Grevener Schulpolitik angeht, bespreche etwa mit dem Schulträger Baufragen. Aber auch der Unterricht gehört dazu. Ich werde im nächsten Jahr Klassenlehrer im fünften Jahrgang. Das wollte ich unbedingt, weil ich gerade die Arbeit mit Kindern und Eltern in der Erprobungsstufe unheimlich wertvoll finde. Ich habe einen Leistungskurs in Englisch und einen bilingualen Grundkurs in Bio. Die Balance aus Unterricht, Verwaltung und anderen Terminen gefällt mir gut. Die liegt mir. Die Entscheidung, das zu machen, ist immer noch eine gute Entscheidung gewesen.

Stellvertretender Schulleiter zu sein ist vermutlich mehr als Unterschriften zu leisten, wenn der Chef mal nicht da ist. Was genau gehört zu Ihren Aufgaben?

Henke: Wir haben eine gute Geschäftsverteilung. Ich bin zuständig für den Haushalt, das Gebäude, Übermittagsangebote, Café und Mensa, Gebäudesicherheit, Gesunde Schule, den Kontakt zum Förderkreis und ganz viele Schnittstellenaufgaben im Bereich Personal. Und nicht zuletzt: Medienentwicklung, digitale Medien im Unterricht.

Was versuchen Sie, Schülern – abseits der Lerninhalte – zu vermitteln?

Henke: Ich möchte das vermitteln,was wir uns auch als Schule als Leitbild erarbeitet haben: dass es eine Gemeinschaft gibt, eine Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Menschen, dass man ein gemeinsames Ziel hat und einen gemeinsamen Weg geht und dass man sich dabei an bestimmte Regeln und Vereinbarungen halten muss.

Ist es schwerer geworden, die Aufmerksamkeit der Schüler zu bekommen, die heute schneller ablenkbar sind?

Henke: Aufmerksamkeit nicht, aber die Konzentration, also die Bereitschaft, sich länger auf etwas einzulassen.

Weil Schüler darin nicht mehr geübt sind?

Henke: Oder vielleicht nicht mehr bereit, weil sie heute schneller Dinge finden. Ich habe neulich in einer Oberstufenklausur gelesen: Eigentlich bräuchten wir keine Bücher mehr lesen, weil wir ja das Internet haben. Das ist schade. Der Bildungsauftrag des Gymnasiums ist ja eine vertiefte Allgemeinbildung. Wenn man kurz recherchiert, bekommt man schnell die Antwort – ohne sie allerdings wirklich verstanden zu haben.

Früher waren Schüler aufmüpfig und rebellisch, heute eher angepasst und brav. Stimmen Sie zu?

Henke: Was ich selber noch erlebt habe – diese Rebellion, das Unangepasste, durch Musik oder ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, dass man anderer Meinung ist – das erlebe ich jetzt als Lehrer weniger. Ich glaube, dass diese Rebellion heute eher in digitalen Medien stattfindet. Man postet einen Kommentar, der verschwindet dann aber in der digitalen Wabe. Als es das noch nicht gab, musste man sich anders ausdrücken. Es gibt heute schon eine größere Homogenität unter Schülern. Wie sie in die Schule kommen, wie sich verhalten, was sie für Wünsche haben: Es gibt nicht mehr eine so große Bandbreite von Schülertypen, die man sonst in einer Klasse findet, die das Ganze auch bereichern. Salopp gesagt: Punk und Popper, die sich gegenüber stehen, gibt es heute nicht mehr. Es ist vielleicht eine angepasstere Schülerschaft. Sie haben heute aber auch weniger Zeit, um ihre Leistungen zu bringen.

Da sind wir beim Thema G8. Sind Sie dafür, dass die Schüler wieder mehr Zeit bekommen?

Henke: Ich persönlich ja, weil ich einfach die Erfahrung gemacht habe in einem G9-Bio- und einem G9-Englisch-Kurs der Jahrgangsstufe 13, wo Schüler tiefgründiger und verknüpfter arbeiten und denken. Es ist einfach ein Unterschied, ob man mit 17 oder 18 oder 19 die Hochschulreife erlangt. Wenn ich als stellvertretender Schulleiter gefragt werde: Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass G8 gut funktionieren kann. Eine Menge unserer Schülerinnen und Schüler machen auch im G8-Modus ein richtig gutes Abitur. Hier an der Schule können wir Freiräume gut nutzen, um auf G8 zu reagieren, etwa mit dem Stammgruppenmodell in der Einführungsphase. Nun, nach der Wahl, wird es spannend, zu sehen, was wir entscheiden dürfen.

Welchen Status nimmt das Gymnasium in der Grevener Schullandschaft ein?

Henke: Für mich ist wahrnehmbar, dass der Schulträger wohl ein G8-Gymnasium und eine G9-Gesamtschule möchte. Ich bin gespannt, was geschieht, wenn – mal angenommen – eine Augustinianum-Schulkonferenz einen G9-Beschluss fassen sollte. Ich glaube, das stütze ich aber nur auf meine Erfahrung als Lehrer, dass G9 das richtige Bildungssystem ist. Ich glaube, dass wir als Schule diese Entscheidung gut – und auch mit einiger Erleichterung – umsetzen würden.

Wie zufrieden sind Sie mit der Ausstattung, die die Stadt als Schulträger bereit stellt?

Henke: Ich finde, dass diese Schule mit einer guten Ausstattung, einer guten Perspektive und einem guten Weg vorangehen kann, um zeitgemäß zu unterrichten. Ich nenne mal die Baumaßnahmen, die laufenden (und notwendigen) Sanierungen. Ich bin zufrieden, weil ich auch weiß, wie andere Schulen arbeiten und kämpfen müssen. Aber: Es sind auch einige weitere Schritte notwendig, gerade in der Digitalisierung, wo wir noch lange nicht da sind, dass wir zeitgemäß unterrichten können. Beispiel: Die Kunst- und Musikräume im Dachgeschoss haben noch keinen kabelgebundenen Internetzugang. Im Selbstlernzentrum haben wir W-Lan installiert. Ein großer Wunsch ist es, dieses W-Lan weiter auszurollen. Die Hardware ist vorhanden. Es wäre ein leichtes. Doch das ist nur mit sehr kleinschrittigen Absprachen möglich. Aber die Gespräche mit dem Schulträger sind immer konstruktiv. Und letztlich haben wir alle das selbe Ziel vor Augen.

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