Premiere auf der Freilichtbühne
Die Tratsch-Orgie

Reckenfeld -

Mit einem furiosen „Tratsch im Treppenhaus“ hat die Freilichtbühne Reckenfeld ihre Sommer-Saison eröffnet. Hinreißend in dem Ohnsorg-Klassiker: Nina Wierbitza.

Sonntag, 28.05.2017, 12:33 Uhr aktualisiert: 29.05.2017, 12:20 Uhr
Die notorische Tratschtante Meta Boldt  alias Nina Wierbitza und die Witwe Knoop (Miriam Albermann) hecheln gerne die Bewohner des Mietshauses durch, dessen Treppenhaus dem Stück als Kulisse dient.
Die notorische Tratschtante Meta Boldt  alias Nina Wierbitza und die Witwe Knoop (Miriam Albermann) hecheln gerne die Bewohner des Mietshauses durch, dessen Treppenhaus dem Stück als Kulisse dient. Foto: Jannis Beckermann

Manchmal will man an diesem Abend fast um eine Stopptaste bitten. Einmal anhalten und durchschnaufen. So schnell, so wendig wimmelt die Protagonistin im blumig-blauen Küchendress durch die laue Sommernacht an der Waldbühne. Aber Gnade? Nein, die kennt die notorische Tratsch-Tante (furios: Nina Wierbitza) nicht. Lästernd, Intrigen spinnend, quasselt sich die burschikose Dame durch ihr Mietshaus – und ganz nebenbei in die Herzen der Reckenfelder Zuschauer.

Am Ende ist zwar alles umsonst. Denn Lügen haben in einer Komödie immer kurze Beine. Vorher jedoch ist er ein Fest für Volkstheater-Fans, dieser Ohnsorg-Klassiker vom „Tratsch im Treppenhaus“, der am Samstag auf der Freilichtbühne Premiere gefeiert hat.

Und was für eine: Das trotz DFB-Pokalfinale angetretene Erstlingspublikum jedenfalls war schon nach wenigen Szenen hin und weg von dem leichtgängigen Schwank. Als Fernseh-Version mit der legendären Heidi Kabel genoss es einst bundesdeutschen Kultstatus. Leicht entstaubt inszenieren nun Christoph Volkert und Thomas Schmidt (Assistenz: Mariele Albermann) eine 2017er-Adaption. Wobei das Setting Original bleibt. Miefige 60er Jahre, Wirtschaftswunderzeit. Da jubilieren die Figuren über den Luxus eines Farbfernsehers. Und die Sittenmoral ist auch nicht ganz die von heute.

Unterhaltsam und zum Bersten komisch ist das Stück trotzdem. Selbst oder gerade für den modernen Theatergänger. Heraus sticht – als Figur wie unter den Schauspielern – eben jene Tratsch-Tante Meta Boldt alias Nina Wierbitza, die nach bester Güte an Türen lauscht, fremde Briefe liest und en passant sogar eine Kündigung für einen gewissen Herrn Vennemeyer in die Finger bekommt. Und natürlich ein Schmunzeln und Raunen dafür erntet.

Dieses eingestreute Lokalkolorit bleibt allerdings nur Nebenkriegsschauplatz. Denn das Mietshaus in Aufruhr bietet selbst genug Stoff, um den Bühnenabend zu füllen. Missverständnisse und falsche Fährten allenthalben sorgen für ein kunterbuntes Durcheinander. Da sind der biedere Finanzbeamte a.D. (Martin Weide), sein Neffe (Kevin Cichy) und der gestresste Hauswart (Markus Ohrmann), die allesamt Quasselliese Boldt mehr oder weniger auf den Leim gehen. Gegenüber steht derweil die fesche Untermieterin (Franzi Elsner), die auf der Flucht vorm arroganten Herrn Papa (Stefan Erdmann) bei dessen Putzfrau (Miriam Albermann) unterschlüpft und dank Frauenpower den Spuk rasch durchschaut.

Nebenbei macht sie sich über die Männer des Hauses lustig, die einer um den anderen per Einladung zu den Kaninchen-Züchtern „Rüstige Rammler e.V.“ um ihre Liebesgunst werben. „Männer sind eben wie Mixer“, schlussfolgern die Damen amüsiert. „Wenn man sie anmacht, drehen sie durch.“

Schönste Sentenzen solcher Art finden sich gleich mehrfach in dem Stück, das vor Witz und Ironie nur so sprudelt. Die mehr als zwei Stunden (plus Pause) vergehen da wie im Fluge. Am Ende liegen sich die Charaktere dann ja auch tatsächlich in den Armen und stoßen gemeinsam an. Intrigen? Lästereien? Alles vergessen. Das ist eben das Schöne an der Komödie mit Happy End.

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Die nächsten Aufführungstermine sind am 9. Juni, 19 Uhr, 25. Juni, 16 Uhr, 13. August, 16 Uhr, 7. September, 19 Uhr, 9. September, 19 Uhr.

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