Ein Schuljahr in den USA
Tennis, Trump und Team-Spirit

Greven -

Katie Becker ist ein Jahr lang in die Lebenswelt der US-Amerikaner eingetaucht, als Gastschülerin in einer Familie. Besonders spannend: Sie hat dort die Trumpwahl erlebt.

Samstag, 22.07.2017, 13:00 Uhr
Auszeichnungen erinnern Katie Becker daran, dass sie in der High-School unter anderem zum Tennis-Auswahlteam gehörte. Die Medaille im Vordergrund gab es für die Teilnahme an einem Halbmarathon, der an der berühmten Indy-500-Strecke ausgetragen wurde.  
Auszeichnungen erinnern Katie Becker daran, dass sie in der High-School unter anderem zum Tennis-Auswahlteam gehörte. Die Medaille im Vordergrund gab es für die Teilnahme an einem Halbmarathon, der an der berühmten Indy-500-Strecke ausgetragen wurde.   Foto: Oliver Hengst

Mit einer Infoveranstaltung im Augustinianum fing alles an – am Ende kam ein einjähriger USA-Aufenthalt dabei heraus. Von diesem ist Katie Becker kurz vor den Sommerferien zurückgekehrt. Voller Eindrücke, sichtlich zufrieden und auch ein bisschen stolz, das Jahr in der Ferne gemeistert zu haben.

Zwei Jahre lang hatte sie, inzwischen 17, auf diesen Traum vom Auslandsaufenthalt hingearbeitet, hat sich vorbereitet, gearbeitet, Geld gespart, Infos zusammengetragen. Dass es letztlich die USA wurden, war kein Zufall. „Es sollte schon etwas weiter weg sein, und es sollte ein englischsprachiges Land sein“, beschreibt sie ihre Anforderungen. Denn sie wollte ihre Englischkenntnisse verbessern („Ich traute mich nicht, aufzuzeigen“) und zugleich etwas fürs eigene Selbstvertrauen tun.

Mit 16 ging es also ab in die USA, über die Organisation YFU (Youth For Under­standing) wurde sie Gasteltern in Richmond (Indiana) zugewiesen, eine Stadt etwa so groß wie Greven. Nicht Katie suchte sich die Gastlern aus, sondern die Gasteltern sie – eine richtige Bewerbung inklusive. Die junge Grevenerin hatte Glück, kam in eine sehr nette Familie. Auch mit den „Gastschwestern“ im Alter von zwei, vier und sieben Jahren kam sie prima aus.

Was ihr an der Schule, die sie während ihres Aufenthaltes besuchte, besonders gefiel, waren die Sportangebote. Katie Becker schaffte es dort ins Tennis-Auswahlteam. Ein Aufnäher für die Jacke und eine Plakette erinnern sie daran. „Während der Tennis-Saison habe ich sehr viele Freunde gefunden.“ Die Bedeutung des Sports für das Schulleben sei an vielen Stellen spürbar gewesen, berichtet die Grevenerin. Teil eines Schul-Teams zu sein habe den Team-Spirit gefördert, der letztlich die ganze Schule zusammengeschweißt habe.

Zum Teil deutlich anders als am Gymnasium Greven ist der Stundenplan der örtlichen High-School, der auch sehr praxisorientierte Angebote umfasst: Kinder erziehen, Autos reparieren, Kochen, Patienten versorgen – all das und mehr kann man an einer US-amerikanischen Schule lernen.

Natürlich hat die Schülerin auch einen intensiven Eindruck von der Trump-Wahl bekommen. „Ich habe den Wahlkampf hautnah miterlebt.“ Mit ihren Gasteltern habe sie das politische Geschehen intensiv erörtert. Lehrer hätten vor der Wahl mit „Vote!“-Ansteckern am Revers Werbung für die Wahl gemacht – natürlich ohne einen konkreten Kandidaten zu empfehlen. Zwei Probeabstimmungen in Katies Klasse lieferten ein knappes Ergebnis. Mal waren Clinton und Trump nahezu gleichauf, ein anderes Mal Trump leicht vorn.

Zum Amerika-Bild: Dass in den USA alles ein bisschen größer ausfällt, sei kein Klischee, sondern entspreche der Wahrheit. Selbst in kleineren Städte gebe es eine Mall (ein großes Einkaufszentrum), dort wird die Milch nicht in Liter-Gebinden, sondern in Gallonen verkauft (rund vier Liter). Ähnliches gilt für Cornflakes und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Und auch die Schokolade, die Katie Becker zum Kosten mit in die Redaktion brachte, ist vor allem eins: viel, viel süßer als Europäer es gewohnt sind (Trotzdem lecker, Danke fürs Mitbringen!).

Andere Länder, andere Sitten: Vor allem mit der amerikanischen Art, Weihnachten zu feiern, musste sich die Deutsche erst einmal arrangieren. „Ich habe mein Bestes gegeben, um ihnen auch ein bisschen unsere Traditionen zu zeigen.“ Kekse backen und Adventskalender gestalten – damit versuchte Katie Becker, den „Amis“ deutsche Weihnachten nahe zu bringen.

Apropos typisch deutsch: Was Katie Becker während ihres Aufenthaltes nicht ganz abstreifen konnte, ist die deutsche Mentalität. Sie sagt: „Womit ich gar nicht klargekommen bin, sind so Sachen wie Unpünktlichkeit oder die Unverbindlichkeit von Absprachen, die man trifft.“

Kontakt zur Familie in der Heimat hielt sie per Whats­App und Co – allerdings sehr dosiert. Nur ab und zu meldete sie sich daheim, ganz bewusst, um sich auf Richmond zu konzentrieren, auf eigenen Beinen zu stehen und nicht zu viel über Zuhause nachdenken zu müssen.

Schnell, viel zu schnell war das Jahr vorbei. Irgendwann hieß es: Koffer packen. „Ich bin schon ziemlich traurig gewesen.“ Vor allem von den Gastschwestern, die ihr fast zu echten Schwestern wurden, habe sie sich nur schwer trennen können. „Ich hoffe, dass ich sie im nächsten Jahr wieder besuchen kann.“

Bereut hat sie den Schritt nicht, auch wenn sie ein deutsches Schul-Jahr „verloren“ hat und nach dem Sommer am Gymnasium Augustinianum eine Klasse tiefer neu einsteigt. „Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Klar, die rund 10 000 Euro Kosten seien kein Pappenstiel. „Aber es gibt auch Stipendien. Wenn man das will, schafft man das auch.“

Das USA-Jahr ist für Katie Becker noch nicht das Ende der Fahnenstange. Ein neuerlicher Besuch steht oben auf der To-Do-Liste, eventuell auch mehr, vielleicht auch noch ein Aufenthalt in einem anderen Land. „Wenn Du einmal mit so etwas angefangen hast, willst Du nicht mehr damit aufhören“, sagt die Schülerin schmunzelnd.

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