Reckenfelder Köpfe: Ingrid und Nina Wierzbitza
Ehrenamtlich aus Überzeugung

Reckenfeld -

Dass Mutter und Tochter die selben Hobbys haben, ist nicht gerade alltäglich. Bei Ingrid und Nina Wierzbitza ist das jedoch der Fall: sei es die gemeinsame Liebe zur Freilichtbühne, zum Schützenverein Eintracht, zum 1. FC Köln oder zum Kölner Karneval.

Montag, 24.07.2017, 18:04 Uhr aktualisiert: 25.07.2017, 14:19 Uhr
Ingrid und Nina Wierzbitza pflegen die selben Hobbys. Neben der Freilichtbühne Reckenfeld sind das der Schützenverein Eintracht, der 1. FC Köln und der Kölner Karneval.  
Ingrid und Nina Wierzbitza pflegen die selben Hobbys. Neben der Freilichtbühne Reckenfeld sind das der Schützenverein Eintracht, der 1. FC Köln und der Kölner Karneval.   Foto: ros

Mutter und Tochter sind Vielen durch ihren Einsatz am Freilichtbühnenkiosk bekannt. Den leitete Ingrid 20 Jahre. Schon vorher half sie dem Ehepaar Elsner am Kiosk. 1968 begann sie als 16-Jährige mit dem Theaterspiel, setzte nur einige Jahre aus familiären Gründen aus. Eigentlich sollte sie bei einer Probe nur mal den Text lesen. „Doch dann überredete mich Lothar Fabian und plötzlich stand ich auf der Bühne“.

Viele Jahre lang spielte sie im Sommer und Wintertheater mit. „Aber ich hatte immer ein Riesenlampenfieber und einmal bin ich vor einer Premiere stiften gegangen. Lothar Fabian hat mich dann bei Stückenschneider am Haus eingefangen. Inzwischen spiele ich nicht mehr, weil auch das Textlernen schwerer fällt“, erzählt die 64-Jährige. 14 Tage vor den Premieren wurde sie stets richtig krank. Doch nicht aus Angst vor dem eigenen Versagen, „sondern ich hatte Angst wegen meiner Mitspieler, die ich aus dem Text bringen könnte“.

Lampenfieber – das hat auch Tochter Nina, die seit 1982 auf der Bühne steht, aktuell bei „Tratsch im Treppen-haus“. „Meine erste Sprechrolle war die der Müllertochter und da rettete ich meine Mutter. Die war nämlich der Esel, der zum Schlachter gebracht werden sollte.“

Für sie selbst war ihre beeindruckendste Rolle die einer Prostituierten bei „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Ohne Text – und trotzdem fragte später ein Zuschauer „Wo habt ihr die denn her?“ „Das habe ich als Kompliment empfunden, weil man als Schauspieler in seiner Rolle wahrgenommen wurde.

Und sie hat Mut zur Hässlichkeit und empfindet es als Riesenherausforderung, solo zu singen. Beruflich zog es sie zwischendurch nach Hamburg und nach Frankfurt. In Frankfurt besuchte sie die Akademie der Arbeit , eine Einrichtung des DGB, um sich gewerkschaftspolitisch weiter zu bilden. Trotzdem spielte sie beim „Sommernachtstraum“ mit, die Proben wurden auf das Wochenende verlegt.

Ohne Theater kann die Sozialversicherungsangestellte bei der DRV Münster nicht. „Im Sommer kann ich bei meinen Spielmannszug nicht pfeifen, weil ich auf der Bühne stehen will.“ Zum Schützenverein Eintracht kam sie genau wie ihre Mutter: „Na ja, wenn man dort schon im Kinderwagen hin geschoben wird . . .“, lachen beide. Nina ist dort zweite Vorsitzende.

Doch zurück zum Freilichtbühnenkiosk. Die Leitung gab Mutter Ingrid im vergangenen Jahr an die 41-jährige Tochter ab, sie hilft aber weiterhin mit. Es ist wie ein kleines Geschäft mit allen Aufgaben, die dazu gehören, wie Einkaufen, Abrechnen und mehr. Das 14-köpfige Team arbeitet ehrenamtlich. Und das meist im Anschluss an einen ganz normalen Arbeitstag. „Wir haben manchmal das Gefühl, dass einige Leute nicht wahrnehmen, dass wir dort, genau wie alle anderen ehrenamtlich tätig sind.“ Doch das ist im Grunde schon der einzige Wermutstropfen bei dem aufwendigen Einsatz für die Freilichtbühne.

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