Wetter beeinträchtigt Honigernte
Wenig süßes Gold

Greven -

Die Imker sind in diesem Jahr nicht gut zufrieden: Der Honigertrag ist zum Teil nicht halb so hoch wie sonst.

Mittwoch, 09.08.2017, 17:00 Uhr
Blüten allein reichen nicht: Damit Nektar, Grundstoff des Honigs, gebildet wird, muss das Wetter stimmen.
Blüten allein reichen nicht: Damit Nektar, Grundstoff des Honigs, gebildet wird, muss das Wetter stimmen. Foto: Wilfried Gerharz

Überall stehen die Gärten in Blüte – und trotzdem gibt es in diesem Jahr ausgesprochen wenig Honig. „Es war ein ausgesprochen schlechtes Jahr“, sagt Marlies Hinsch, Vorsitzende des Grevener Imkervereins. Mancher Imker hat nicht einmal die Hälfte des Durchschnittsertrags von 25 bis 30 Kilogramm Honig pro Volk geerntet. Von April bis Juni, wenn die Bienen im Münsterland hauptsächlich an Obstbäumen, im Raps und an der Linde sammeln, hat das Wetter einfach nicht gepasst. „Wer mit seinen Bienen gewandert ist, hat zum Teil ganz gute Erträge“, weiß Hinsch, dass in anderen Landesteilen die Bedingungen für die Bienen deutlich besser waren als rund um Greven. „Aber für Standimker war es ein ausgesprochen schlechtes Jahr.“

Schuld daran ist vor allem das kalte Frühjahr, das nicht nur die Obstblüte beeinträchtigt hat. „Auch der Ansatz der Blüten bei der Linde war dadurch deutlich geringer als im Vorjahr“, erläutert Dr. Werner von der Ohe, Leiter des Bieneninstituts Celle. „Das war auch für den Laien zu merken, denn in Städten mit großen Lindenalleen fehlte der sonst übliche typische Lindenblütenduft.“ Und auch der Honigtau – das ist der Siebröhrensaft, den Bäume absondern, wenn sie von Läusen angestochen werden und den Bienen gerne einsammeln – floss im Sommer 2017 viel weniger üppig als sonst. „Wir hatten zwar im Mai eine fantastische Entwicklung der Lauspopulationen“, sagt von der Ohe. „Aber die Starkregen im Juli haben sie weitgehend wieder abgewaschen.“ In Greven allerdings scheint gerade dieser dunkle Honigtauhonig noch den meisten Ertrag gebracht zu haben. „Hellen Honig haben wir kaum“, sagt beispielsweise Bruno Hülsmann, Zweiter Vorsitzender des Grevener Imkervereins, der diesen dunklen Waldhonig wegen seiner Würzigkeit besonders schätzt. Er hat davon zwar nicht üppig, aber doch „mittelprächtig“ geerntet. „Es war wohl sehr unterschiedlich, wo man seine Bienen stehen hatte“, weiß der Imker von der Friedrich-Ebert-Straße. Auch jene Imker, die in die Rapsblüte wandern, berichten von ganz unterschiedlichen Erträgen. Auf eher feuchten Standorten war die Honigernte zufriedenstellend, während auf den trockenen Sandböden rund um Greven wenig zu holen war. Hinzu kommt, dass es für die Bienen zur Rapsblüte oft noch zu kalt war – sie verlassen ihre Beute erst ab etwa zwölf Grad.

Für die Imker besonders ärgerlich: Schon 2016 fiel die Ernte eher bescheiden aus. Ein Trend, vielleicht bedingt durch den Klimawandel? Da wehrt von der Ohe ab und verweist auf sehr gute Honigjahre 2011 und 2014. „Der Ertrag kann schon im nächsten Jahr ganz anders ausfallen.“ Denn den Bienen insgesamt gehe es derzeit nicht schlecht, man habe die Varroamilbe, einen Parasiten, einigermaßen im Griff. „Das heißt aber nicht, dass weniger Sorgfalt geboten wäre“, erinnert der Bienenexperte die Imker daran, dass sich die Lage ohne deren Wissen und Können sehr schnell ändern kann.

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