Horst Hölzel feiert 90. Geburtstag
Musiker mit Leib und Seele

Reckenfeld -

„Die kleine Kneipe in unserer Straße . . .“ – mit diesem und anderen Liedern gratulierte der Männerchor Liedertafel seinem langjährigen Mitglied Horst Hölzel zum 90. Geburtstag. Eben eine solche „kleine Kneipe“, nämlich die „Bagatelle“ in Reckenfeld, führte der Jubilar gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Uschi „genau 20 Jahre und einen Tag“, wie er erzählt. Grund genug für seine Tochter, die Feier für den Vater eben dort auszurichten.

Sonntag, 03.09.2017, 13:32 Uhr
Von Sangesbruder Franz Josef Holthaus bekam der Jubilar eine mit Notenschlüsseln verzierte Torte.
Von Sangesbruder Franz Josef Holthaus bekam der Jubilar eine mit Notenschlüsseln verzierte Torte. Foto: Rosi Bechtel

Zahlreiche Gratulanten kamen, um die besten Geburtstagswünsche zu übermitteln, neben der stellvertretenden Bürgermeisterin Ruth Zurheide auch der Männerchor. In dessen Namen überreichte Franz Josef Holthaus eine Marzipantorte, verziert mit Notenschlüssel. „Du warst immer ein Musiker mit Leib und Seele, singst seit 66 Jahren im MCL“. Dann erzählt Holthaus von ihrer ersten Begegnung in der Bagatelle. Wie er dem Wirt den Tipp gab, seine Frikadellen durchzuschneiden und eine Scheibe Wurst dazwischen zu legen. Dann wäre da auch Fleisch drin. „Lokalverweis! Aber ich wurde zurückgerufen“, so Holt-haus, der nur Spaß gemacht hatte.

Schöne Erinnerungen wurden ausgetauscht, aber auch Erinnerungen an die schweren Kriegsjahre wurden während des Geburtstagsempfangs nicht ausgeklammert. Mit 17 geriet Horst Hölzel in Kriegsgefangenschaft in Donez (Ukraine). „Der 18. Geburtstag war sein schönster Geburtstag“, erfuhren die Gäste. Einen Tag vorher wurde er nämlich in die Schreibstube geholt und bekam ein paar Rubel für seine Arbeit. „Da konnte ich mir am nächsten Morgen Brot, Butter, Eier und Wurst kaufen, etwas, das man als Gefangener nicht bekam.“

Etwas später hatte er sogar noch viel größeres Glück. Er reparierte das Dach des Lagers und sah, wie sich unten viele Kameraden anstellten und er gesellte sich dazu. „Was ich vorher nicht wusste: Die Leute, die sich hier aufstellen mussten, standen zu Entlassungsuntersuchungen an. Die Ärztin, das ist die, die im Buch „Der Arzt von Stalingrad“ erwähnt wird, hat mich dann entlassen.“ Der in Pelkum/Hamm geborene und in Reckenfeld aufgewachsene Horst Hölzel kam am 17. November 1944 nach Hause zurück.

Und heute? „Ich bin für mein Alter zufrieden, auch wenn ich jetzt nicht mehr mit dem Rad wie bis vor kurzem fahren kann, sondern mit dem elektrischen Rollstuhl durch den Ort fahre“.

Neben der Tochter gratulierten vier Enkel, vier Urenkel – und in einigen Monaten werden Drillingsurenkel erwartet.

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