Azubi bei der Volksbank
Vom Trecker in die Bank

Greven -

Mit seinem Anzug sieht er etwas älter aus als 19: Lucas Schmiemann, der sich bei der Volksbank zum Bankkaufmann ausbilden lässt. An den Dresscode jedoch hatte er sich rasch gewöhnt.

Montag, 04.09.2017, 18:48 Uhr aktualisiert: 04.09.2017, 18:50 Uhr
Lucas Schmiemann an seinem Arbeitsplatz in der Hauptstelle der Volksbank Greven.
Lucas Schmiemann an seinem Arbeitsplatz in der Hauptstelle der Volksbank Greven. Foto: Otis Benning

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ Der freundliche Berater in der Volksbank Greven steht lächelnd am Schalter. Was man nicht sofort merkt: Er ist Auszubildender in der dritten Woche. Frisch aus Neuseeland zurück, wohin er nach dem Abitur ging, um zu reisen und zu arbeiten.

Lucas Schmiemann sieht in seinem gebügelten Anzug älter aus als 19 Jahre. „An den ersten Tagen fühlte es sich komisch an“, sagt er. Jetzt traut er sich schon, bequem zu sitzen. „Falten entstehen so oder so.“

Er ist einer von elf Azubis in der Volksbank Greven mit Niederlassungen in Altenberge und Nordwalde. „Wir wollen, dass die Azubis auch möglichst aus unserem Geschäftsbereich kommen“, sagt dazu Vorstandsmitglied Andreas Hartmann.

Das gelte für alle 120 Mitarbeiter. Regional vernetzt will man sein. Bodenständiger als andere Großbanken. Die Strategie geht auf, die Bank wächst und das zieht Bewerber an.

Im Schnitt sind es 40 bis 50 pro Jahr. „Früher hatten wir manchmal aber auch dreistellige Zahlen“, so Hartmann.

Die Verwandten von Lucas Schmiemann wunderten sich über seine Entscheidung für die zweieinhalbjährige Ausbildung. „Mein Onkel hat sich gefragt, ob mir das wohl gefällt.“

Die Frage ist berechtigt. In seiner Freizeit fährt er Trecker. Als Schüler hat er Praktika in einer Werkstatt und im Büro gemacht. Gearbeitet hat er außerdem als Produktionshelfer, in einer Sicherheitsfirma und als Kellner. Also warum Bankkaufmann?

„Der Papierkram meiner Mutter hat mich früh interessiert“, sagt Lucas Schmiemann. Immer wollte er wissen, was dies und jenes bedeute. Seit er fünf Jahre alt ist, erzählt er, sei er außerdem schon Genosse. „Nicht im politischen Sinne“, erklärt sein Chef – sondern bei der Volksbank.

Die Volksbank Greven ist eine Genossenschaftsbank. Alle Mitarbeiter sind auch Mitglieder. In demokratisch gewählten Versammlungen werden wichtige Entscheidungen gefällt. Um einen Einblick zu bekommen, nehmen die Azubis des zweiten Ausbildungsjahres auch an der nicht-öffentlichen jährlich stattfindenden Vertreterversammlung teil.

Die Aufgaben des Azubis beschränken sich nicht nur auf Beratungsgespräche – die sie natürlich unter Aufsicht führen. „Man lernt viel durchs Zusehen“, sagt der Azubi.

Schmiemann kann schon Unterschriften kontrollieren auf Überweisungen kontrollieren und hilft beim Abschluss der Tagesbuchung von Umbuchungen und Auszahlungen. Sicherheit spielt sowieso eine große Rolle. Er hat noch einige Schulungen auf dem Plan.

Die Anforderungen für die Ausbildung: Man muss mindestens einen Realschulabschluss, Spaß an wirtschaftlichen Themen sowie BWL/VWL Kenntnisse haben. Servicequalitäten und gute Menschenkenntnisse werden ebenso vorausgesetzt. Dafür gibt es eine Begrüßungsveranstaltung und man bekommt einen Paten zur Seite gestellt.

Geld gibt es auch: im ersten Jahr 970 Euro pro Monat, im zweiten 1020 Euro und im dritten 1080 Euro. „In der Regel werden Azubis auch übernommen“, sagt Andreas Hartmann.

Die Ausbildung biete eine gute Grundlage für weitere Aufgaben innerhalb der Bank. Viele Azubis seien auch nach einem anschließenden Studium zurückgekommen oder arbeiteten als Werkstudenten.

Einen Haken gibt es jedoch. Auch als Bankkaufmann muss man noch zur Berufsschule. Zehn Wochen sind das pro Ausbildungsjahr. Die gute Nachricht: Die Berufsschule fängt erst am 1. Dezember an.

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