Neues Programm der Polizei
Wie tickt ein Einbrecher?

Greven -

Seit kurzem gibt es ein neues Programm der Polizei, das Einbrüchen vorbeugen soll. Im Mittelpunkt der Besuch bei Verbrechensopfern und ihren Nachbarn. Unsere Zeitung hat zwei Beamte begleitet.

Sonntag, 10.09.2017, 10:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2017, 19:29 Uhr
Wie geht´ dem Einbruchopfer?  Hermann Pöpping von der Wache Emsdetten-Greven und Ralf Bornhausen, Hauptkommissar beim Kommissariat Vorbeugung und Opferschutz, schauen bei Ludger Mussenbrock vorbei (von links).. Bei ihm ist eingebrochen worden.
Wie geht´ dem Einbruchopfer?  Hermann Pöpping von der Wache Emsdetten-Greven und Ralf Bornhausen, Hauptkommissar beim Kommissariat Vorbeugung und Opferschutz, schauen bei Ludger Mussenbrock vorbei (von links).. Bei ihm ist eingebrochen worden. Foto: Monika Gerharz

Die großen Sonnenblumen vor dem Haus sind eigentlich eine Augenweide. „Aber aus Polizeisicht sieht das anders aus. Sie verdecken den Eingang“, sagt Ralf Bornhausen. Das erleichtert Einbrechern das Handwerk.

Der Kriminalhauptkommissar vom Kommissariat Vorbeugung und Opferschutz klingelt mit seinem Kollegen, Polizeihauptkommissar Hermann Pöpping von der Wache Emsdetten-Greven, bei Ludger Mussenbrock an der Rheinstraße. „Hier gab es Ende August einen Einbruchsversuch“, berichtet er. „Jetzt bieten wir dem Besitzer Tipps an, wie er sein Haus sicherer machen könnte.“

„Nachsorge“ nennen die Polizisten die Aktion, und der Einsatz gehört zu einem neuen Präventionsprogramm. Seine wichtigsten Pfeiler: Die Polizisten erkundigen sich, ob ein Verbrechensopfer möglicherweise psychologische Unterstützung braucht. Sie hören sich in der Nachbarschaft um, ob jemand etwas Verdächtiges bemerkt hat. Und sie geben Tipps, wie man Einbrüchen vorbeugen kann, oft mit einfachen Mitteln. „Sehen Sie, da steht eine Mülltonne unterm gekippten Fenster“, weisen die Polizisten auf ein Nachbarhaus. Ein Klingeln an der Tür – niemand daheim. „Tagsüber ist die Stelle gut einsehbar“, sagen die beiden Polizisten. „Aber wenn es früh dunkel wird, sieht es anders aus.“ Die Polizisten empfehlen den Bürgen, ihr Haus mit den Augen eines Einbrechers zu betrachten. Dann entdecke man manche Sicherheitslücke auf Anhieb.

Ludger Mussenbrock ist zu Hause, zeigt den Beamten, dass die Glasscheibe an seiner Haustür eingeschlagen ist. „Hier wohnt noch keiner. Ich baue derzeit um.“ Mussenbrock vermutet, dass es die Täter auf Werkzeug abgesehen hatten. „Ein Gelegenheitsdiebstahl“, glauben auch die Polizisten. Eine verlassene Baustelle, gegenüber eine fensterlose Wand – da ist das Risiko, erwischt zu werden, gering. „Wahrscheinlich hat keiner etwas gesehen“, sagen die Polizisten und drücken Mussenbrock einen Flyer in die Hand mit Tipps, wie er schon beim Umbau sein Haus sicherer machen kann. „Beratung von unseren Fachleuten gibt‘s kostenlos“, ermuntern sie dazu, sich gründlich zu informieren.

Die beiden Polizisten klingeln beim Nachbarn – und bekommen dort unvermutet eine wertvolle Information. „Ich habe vor einigen Wochen 13-, 14-jährige Jugendliche gesehen, die auf dem Dach des Nachbarhauses waren. Sie trugen Rucksäcke und Handschuhe, und ich habe gesagt: Wenn ich euch noch mal sehe, rufe ich die Polizei“, berichtet Halim Gülger. Ob die Jungs wiedergekommen sind, ob sie mit dem versuchten Einbruch zu tun haben, ist die Frage. Würde Gülger die Jungs wiedererkennen? „Ich glaube schon.“

Ralf Bornhausen und Hermann Pöpping nutzen die Gelegenheit, auch bei den Nachbarn nach Sicherheitslücken zu schauen – eine gute Sache, finden die Gülgers. Das Grundstück ist von keiner Seite offen zugänglich, ein abschließbares Tor grenzt es zur Straße ab. „Ich habe das wegen der Kinder gemacht“, sagt Halim Gülger. „Die Nachbarn sind davon nicht so begeistert.“ Sicherheitstechnisch ist der Zaun allerdings bestens, sagen die Polizisten und loben auch die gute Beleuchtung, die so angebracht ist, dass sie nicht leicht zu zerstören ist. Im Neubau des Zweifamilienhauses ist die Verriegelung der Fenster ganz ordentlich, im Altbau ließe sich das Fenster leicht aufhebeln. „Wenn jemand die Fenster erneuert, sollte er unbedingt auch auf den Sicherheitsaspekt achten“, raten die Polizisten dringend. Das kann allerdings ein paar Euro kosten. „Sicherheit ist teuer“, wissen die Beamten.

Eines allerdings gibt‘s gratis: Die Sicherheit durch eine aufmerksame Nachbarschaft. „Wir sagen den Leuten immer: Wenn Sie Unbekannte sehen, sprechen Sie sie an“, rät Hermann Pöpping. Das schreckt Leute, die eine Einbruchsgelegenheit ausbaldowern, schon im Vorfeld ab. Denn Aufmerksamkeit scheuen sie wie der Teufel das Weihwasser. Und gute Leuchten auch. Die beiden Polizisten wissen: „Licht schreckt immer ab.“

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