Funke und Rüther im Ballenlager
Zwischen Wahl und Wahnsinn

Greven -

Dürfen die das ? Ach, sie machen es einfach: Funke und Rüther. Seit 30 Jahren stehen die beiden Kabarett-Dinos nun zusammen auf der Bühne – wenn sie in Greven vom Leder ziehen, fachsimpeln sie quasi in ihrem Wohnzimmer.

Sonntag, 10.09.2017, 17:41 Uhr aktualisiert: 11.09.2017, 17:44 Uhr
Hinreißend, dieses Mienenspiel: Nicht nur mit schlagfertigen Pointen begeisterten Harald Funke (rechts) und Jochen Rüther im ausverkauften Ballenlager.
Hinreißend, dieses Mienenspiel: Nicht nur mit schlagfertigen Pointen begeisterten Harald Funke (rechts) und Jochen Rüther im ausverkauften Ballenlager. Foto: Stefan Bamberg

Verdammte Axt! Bald ist ja Wahl – und fast hätten wir’s vergessen. „Man merkt schließlich nichts davon“, stutzt der Hüne mit der Fliege. Spannung? Leidenschaft? Gar Aufbruchsstimmung? Nein, stattdessen: „Asymmetrische Demobilisierung“, konstatiert der kleine Mann mit der Krawatte, den Professorenblick aufgesetzt. Auf Deutsch heißt das: nix sagen, wenig machen – und am Ende gemütlich weiterregieren, weil sich keiner beschwert. „Das kann nur unsere Angie!“ Doch was sind die Alternativen? Harald Funke und Jochen Rüther überlegen noch. Und das Beste dabei: Sie überlegen laut am Freitagabend im restlos ausverkauften Ballenlager.

Da wäre einerseits dieser fesche Jungspund: „Ohhh! Der Liiiiiindner!“, schmachtet Rüther und klingt dabei sehr ironisch. Also eher nicht. Oder, genau, die kühne Sozialistin mit dem Stammplatz bei Plasberg und Illner: „Die Wagenknecht?“, spottet Funke. „Mein neuer Bildschirmschoner.“ Wie wär’s denn vielleicht mit diesen – wie hießen sie noch gleich? – ach ja: die Grünen. „Sind die etwa auch wieder dabei?“, wundert sich das Duo. „Diese Salatisten!“ Auch keine Option.

Aber Moment, einen gibt‘s noch – der jedoch ist wirklich so richtig gelackmeiert: Kanzlerkandidat für die SPD? Hallo, geht’s noch? „Sowas nennt man, glaub‘ ich, Menschenopfer“, stöhnt Funke. „O Schulz voll Blut und Wunden“, stimmt Kollege Rüther, jetzt ganz sakral, an. Nichts ist im Wahlkampf schlimmer als Mitleid.

Satirisches Fazit: Merkel oder einer von den anderen? Irgendwie Jacke wie Hose. Nur bitte nicht die Afd – schon aus lokal-praktischen Gründen: „Die wollen untherapierbare Alkoholiker in den Knast stecken!“, warnt Funke. Und dann: „Findet das nächste Grevener Schützenfest in der JVA statt.“

Puh. Doch Funke und Rüther dürfen sowas. Seit 30 Jahren stehen die beiden Kabarett-Dinos nun zusammen auf der Bühne – wenn sie in Greven vom Leder ziehen, fachsimpeln sie quasi in ihrem Wohnzimmer.

Und es gibt neben der Wahl noch so viel Gesprächsstoff: das eigene Auto, bei dem man vor lauter Technik-Gedöns nix mehr selber machen darf. Die unübersichtliche Patchwork-Family von nebenan. Oder der alltägliche Trash-TV-Irrsinn: „Kochshows? Ich kann gar nicht so viel glotzen, wie ich kotzen will.“

Vor allem sind die beiden brandaktuell: Weidels Talkshow-Flucht kommt genauso spontan ins Programm wie die frischesten Enthüllungen um „Stasi-Barbie“ und Diesel-Skandal.

Ein famoses Highlight ist der Gesamtschul-Rap, den Funke (als Hip-Hop-Gangster) und Rüther (am Cajon) vor der Pause raushauen: „Kevin, hör‘ auf, Ahmed zu hau‘n – und hol‘ den Referendar vom Baum!“ Dagegen war Michel, der seine Schwester am Fahnenmast hochzog, ein Waisenknabe: „Aber auch in Lönneberga stünde heute sofort das Jugendamt auf der Matte.“

Das kongeniale Gespann schwadroniert sich dem Ziel entgegen. Zuletzt noch auf der Funke-Rüther-Agenda: Ernährung, Gesundheitswahnsinn und Geschlechter-Klischees – thematisch fürwahr nicht die Neuerfindung des Rades.

Aber halt richtig gut gemacht.

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