Bundestagskandidaten: Kathrin Vogler, Linke
Sie wird immer mutiger

Emsdetten -

Sie stammt aus Emsdetten. Fährt normales Fahrrad statt E-Bike. Und will sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Freitag, 15.09.2017, 07:17 Uhr
Kathrin Vogler, die Abgeordnete der Linken aus dem Münsterland.
Kathrin Vogler, die Abgeordnete der Linken aus dem Münsterland. Foto: prf

Auf einem kleinen roten Fahrrad braust sie zum Termin. Kein E-Bike. „Ich bin froh, wenn ich mich zwischen der Schreibtischarbeit bewegen kann.“ Überhaupt verstehe sie den Hype um E-Mobilität nicht so ganz. Das sagt eine Atomkraftgegnerin, die als engagierte Frau auf Demonstrationen ihre Meinung vertreten hat. Heute sitzt Kathrin Vogler als Linke aus dem Münsterland im Bundestag. Sie ist gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, sitzt in den Ausschüssen für Gesundheit sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (stellvertretendes Mitglied). Zudem engagiert sich die 53-jährige Emsdettenerin als Obfrau im Unterausschuss zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln.

Hier will sie natürlich auch nach dem 24. September die Fäden ziehen. Die studierte Soziologin hat nur eine Sorge: Dass sie – wie so oft in der Vergangenheit – nur die Erststimme erhält, weil Leute ihre Power schätzen, während sie die Zweitstimme anderen überlassen: „Ich finde es toll, dass ich soviel Zuspruch bekomme, aber für die Linke ist die Zweitstimme entscheidend.“ Schließlich würden sich die Ziele ihrer Partei klar von den anderen absetzen – auch wenn Kathrin Voglers Karriere einen Zwischenstopp bei der SPD eingelegt hat. Von der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft) wechselte Vogler 1983 zur SPD, wo sie acht Jahre Mitglied war: „Ich wollte etwas bewegen, umsetzen, da schien mir die SPD geeignet zu sein“.

Näher an ihren Zielen dran ist heute die Linke, in die Kathrin Vogler 2005 eintrat. Seit September 2009 sitzt Vogler im Bundestag und kämpft – auch für mehr Öffentlichen Personen-Nahverkehr.

Statt immer mehr Strom zu verbrauchen, würde sie lieber Busse und Bahn voranbringen. „Ich bin da eher vorsichtig, was Elektro-Autos angeht.“ Neue Nahverkehrskonzepte müssten her. Studenten, Schüler, Bewohner von Sozialwohnungen sollten kostenlose Tickets für den ÖPNV bekommen.“

Sie kennt sich aus mit dem Leben der Menschen hier, denen es nicht so gut geht, zählte zu den Sieben, die eine Woche lang im Rahmen eines TV-Projektes in der Politiker-WG in Duisburg-Marxloh gewohnt haben. Und sie wollte nicht nur hier anpacken, nicht nur quatschen.

Gehandelt hat sie auch, als in Emsdetten das Krankenhaus geschlossen wurde. Kathrin Vogler kämpfte für den Erhalt. Ob es am Ende nur eine große Krankenkasse für alle geben soll? Die Frau mit den kurz geschnittenen Haaren lächelt verschmitzt und blickt ernst durch ihre dunkle Brille: „Ich würde da einen Schritt weitergehen. Uns schwebt eine solidarische Gesundheitsversicherung vor, angekoppelt an die Pflegeversicherung. Da darf es nicht um Profit gehen, die Bedürfnisse der Bevölkerung gehören in den Fokus. So etwas ist Aufgabe des Staates.“ Sie wolle die Krankenkassen und alle Sozialversicherungswege zusammenführen. Da könne man sparen.

Mit Blick über den innenpolitischen Tellerrand möchte sie die zivile Friedenspolitik ins Zentrum der Außenpolitik stellen. „Die Deutschen sollen ihre Verantwortung in der Welt übernehmen – aber niemals mit militärischen Mitteln.“ Zurück ins Land. Wie geht´s weiter mit der Digitalisierung? Da setzt Vogler auf neue Verordnungen in der Arbeitswelt, damit Neuerungen wie 3D-Drucker entlasten, aber eben nicht auf Kosten der Arbeiter und nur zugunsten der Unternehmer. Vogler: Wir müssen bei zunehmender Digitalisierung die Entgrenzung von Arbeit und die zunehmende Arbeitsverdichtung im Blick haben.“

Abschließend ist Vogler optimistisch, dass sie viel bewegen kann. „Ich werde mutiger, weil ich erkenne, dass man die Dinge verändern kann.“

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