Am sechsten Verhandlungstag wird die Luft für die Diebesbande dünner
„Dann haben wir geklaut“

Saerbeck/Münster -

Am sechsten Verhandlungstag belastete ein 22 Jahre alter Zeuge trotz widersprüchlicher Angaben, den Angeklagten und sprach von Angst. Demnach sollen in seiner Heimat Familienangehörige vom Bruder des 46-Jährigen aufgesucht und unter Druck gesetzt worden sein. Wenn er seine Aussage nicht zurückziehen werde, dann bekäme er Probleme.

Freitag, 15.09.2017, 18:00 Uhr
Schwerer Bandendiebstahl  lautet die Anklage, für den sich seit Juni dieses Jahres die beiden 46 und 48 Jahre alten Angeklagten aus Rumänien vor dem Landgericht verantworten müssen .
Schwerer Bandendiebstahl  lautet die Anklage, für den sich seit Juni dieses Jahres die beiden 46 und 48 Jahre alten Angeklagten aus Rumänien vor dem Landgericht verantworten müssen . Foto: dpa

Überall Scherben. Sie waren auf allen Etagen. Unter Tränen berichtete die 52 Jahre alte Zeugin vom Diebstahl ihres Goldschmucks und Bargeld im Gesamtwert von 20 000 Euro und den psychischen Folgen der Tat. „Wir hatten vor, das Haus zu verkaufen.“

Die Zahnärztin war im Juli 2015 eines von über 20 Opfern einer Diebstahlsserie geworden, die sich unter anderem von Lengerich, Tecklenburg, Ibbenbüren, Mettingen, Saerbeck bis ins Sauerland zog. Schwerer Bandendiebstahl lautet die Anklage, für den sich – wie berichtet – seit Juni dieses Jahres die beiden 46 und 48 Jahre alten Angeklagten aus Rumänien vor dem Landgericht verantworten müssen. Der 46 Jahre alte Angeklagte, der schon zum Prozessauftakt signalisierte, keine Angaben machen zu wollen, schweigt weiter. Doch die Luft für ihn könnte dünner geworden sein.

Der Zeuge, der selbst verdächtigt wird, an den Serieneinbrüchen beteiligt gewesen zu sein, sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Nach seinen Angaben reiste er 2015 nach Deutschland ein, um Arbeit zu finden. Unterkunft fand er über Monate beim 46-Jährigen. Mit Arbeit klappte es nicht. Das Geld für ein Ticket nach Rumänien fehlte. „Dann haben wir geklaut,“ so der Zeuge.

Den Ablauf schilderte der Zeuge wie folgt: Ohne festen Plan seien sie von Gelsenkirchen aus über Hunderte von Kilometern von einem Ort zum anderen gefahren. An einem „lohnenswerten“ Objekt seien sie zu dritt ausgestiegen. Und wenn auf Klingeln nicht geöffnet wurde, dann seien sie durch die Fenster, die auch mal eingeworfen wurden, eingestiegen. „Wir haben alles nach Schmuck und Geld durchsucht.“ Elektrische Geräte habe er selbst nicht mitgenommen. Ob durch die Mittäter, blieb offen. Nach der Tat sei der 46-Jährige angerufen worden. „Dann kam ein Auto, was uns abholte.“ Der Schmuck sei dann in die Wohnung des 46-Jährigen gebracht worden, der ihn dann, so vermutet der Zeuge - bei einem Pfandleiher eingelöst haben soll. „ Ich habe nie Geld bekommen. Auch kein Geld für Tickets nach Rumänien.“ Der Goldschmuck soll nichts wert gewesen sein, sei ihm gesagt worden. Stattdessen sei er beschimpft und auch mal geschlagen worden.

Auf Fragen des Gerichts sah der Zeuge in dem 46-Jährigen so etwas wie einen Bandenchef. „Ja, so ungefähr. Er bestimmte alles und kommandierte hinein.“

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Der Prozess wird fortgesetzt.

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