Bundestagskandidaten: Jan-Niclas Gesenhues (Grüne)
Dritte Kraft werden

Das Thema Afrika verfolgt Jan-Niclas Gesenhues seit seiner Geburt. Einen Tag, bevor der 27-Jährige geboren wurde, am 11. Februar 1990, wurde Nelson Mandela aus dem Drakenstein-Gefängnis entlassen.

Freitag, 15.09.2017, 20:00 Uhr
Umweltpolitik und das Thema globale Gerechtigkeit, diese Themen kommen Jan-Niclas Gesenhues im Wahlkampf zu kurz.
Umweltpolitik und das Thema globale Gerechtigkeit, diese Themen kommen Jan-Niclas Gesenhues im Wahlkampf zu kurz. Foto: prf

„Meine Eltern haben mir viel von ihm erzählt, ich habe seine Biografie gelesen“, sagt der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis Steinfurt III.

Was er an dem Friedensnobelpreisträger so faszinierend findet? „Derjenige, der allen Grund gehabt hätte, tiefste Abscheu gegen das weiße Apartheidsregime zu empfinden, hat sich freigemacht von Rachegelüsten und plant mit seinen Peinigern ein neues Südafrika.“

Afrika, insbesondere das Land Mosambik, faszinieren den Vater einer neun Monate alten Tochter. Nach dem Abi am Gymnasium Martinum in Emsdetten hat Gesenhues dort ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.

Auch seine Masterarbeit an der WWU in Münster setzte dort an. Thema: „Energiearmut und der Stromsektor in Mosambik“. Zurzeit promoviert er, 150 Seiten sind geschrieben. „Mit dem Zugang zu Energie steht und fällt in Ländern wie Mosambik, Tansania und Kenia alles. Angefangen von der Stromversorgung für Gesundheitsstationen und Krankenhäuser, über den Kleinlandwirt, der so seine Produkte wie Milch weiter zu Joghurt und Käse verarbeiten kann“, sagt er.

Afrika, Klimaschutz und Energiepolitik, diese Leidenschaften hat Gesenhues in der Doktorarbeit gebündelt. Themen wie globale Gerechtigkeit kommen ihm im Bundestagswahlkampf viel zu kurz. „Wenn wir über das Thema Flüchtlinge und innere Sicherheit reden, wenn wir Fluchtursachen bekämpfen möchten, müssen wir uns viel mehr mit unserem Nachbarkontinent beschäftigen.“ „Länder wie Mosambik, Kenia oder Tansania haben riesiges Potenzial, was oft durch unsere Handels-, Agrar- und Fischereipolitik zunichte gemacht wird“.

Er nennt das Beispiel von exportierten Hühnerfüßen und Schweinsohren großer Fleischerzeuger in Deutschland, die billig auf afrikanische Märkte exportiert werden und den Bauern die Lebensgrundlage entziehen.

Gesenhues, Mitglied im Naturschutzbund, hat aber auch die hiesige Natur und Landwirtschaft im Blick: „Wir müssen das Artensterben stoppen. Meine Tochter soll noch einen Kiebitz oder eine Lerche in freier Wildbahn erleben.“ Das gehe nur mit nachhaltiger Landwirtschaft. Die Großlandwirte hier müssen nicht den Weltversorger spielen, sondern im Einklang mit der Natur den regionalen Markt versorgen. Nutztieren wie Kühen und Schweinen müsse Frischluftzufuhr, mehr Platz und Zugang zu Beschäftigungsmaterialien ermöglicht werden. Mit Preissteigerungen um die sechs Prozent für Fleisch könne, entgegen der Meinung von Großlandwirten, schon viel erreicht werden.

Da kennt sich Gesenhues aus: Neben dem Engagement an der Uni arbeitet er als Referent von Norwich Rüße – der Landtagsabgeordnete und Landwirt ist Sprecher für Naturschutz und Landwirtschaftspolitik der Grünen Landtagsfraktion.

Rechenspiele sind bei der Bundestagswahl üblich. Drittstärkste Kraft im Wettlauf mit der FDP und AfD müssen die Grünen werden, um sich als Kandidat für eine Regierungsbeteiligung in Stellung zu bringen, hofft der 27-Jährige. Holen die Grünen zwölf Prozent, würde es über einen Listenplatz mit einem Platz im Bundestag klappen.

Und wenn nicht? „Doktorarbeit weiter schreiben, vielleicht für ein paar Jahre in Mosambik arbeiten oder meine Fußballkarriere bei Borussia Emsdetten in der dritten Mannschaft intensiver verfolgen.“ Gesenhues hat noch viel Energie für Plan B.

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