Apfelfest auf Hof Helmig
95 Prozent der Ernte erfroren

Greven -

Das Wort „Missernte“ ist nicht übertrieben: 95 Prozent der Ernte ist Apfelbauer Helmig erfroren. Trotzdem hatte er zum Erntedankfest auf seinen Hof geladen – und das goldene Oktoberwetter lockte die Apfelfreunde in Scharen.

Montag, 16.10.2017, 06:00 Uhr
Ein Sommertag im Herbst: Die Besucher und Anbieter genossen das Apfelfest auf Hof Helmig trotz der erschreckend schlechten Ernte bei strahlender Sonne in vollen Zügen.
Ein Sommertag im Herbst: Die Besucher und Anbieter genossen das Apfelfest auf Hof Helmig trotz der erschreckend schlechten Ernte bei strahlender Sonne in vollen Zügen. Foto: Monika Gerharz

Man mag es gar nicht glauben. Im vergangenen Jahr hat Alfred Helmig aus Apfel-Überschüssen 400 Kartons Apfelsaft gepresst. In diesem Jahr sind es ganze sechs. „95 Prozent der Ernte ist erfroren“, sagt er. „Um meine Kunden zu bedienen, musste ich Äpfel zukaufen.“ Und auch das ist in diesem Jahr nicht einfach. „Selbst Vollerwerbsbetriebe, die die Bäume mit Sprinkleranlagen vor Frost schützen, haben 50 Prozent Einbußen“, weiß der Nebenerwerbs-Obstbauer aus Schmedehausen.

Trotz dieser wenig erfreulichen Lage – am Sonntag wurde auf dem Hof Helmig, nun schon zum neunten Mal, das Apfelfest gefeiert. Die Luft duftete schwer nach süßem Apfelsaft, denn auch in diesem Jahr konnten Interessierte ihre Privaternte pressen und haltbar in Kartons verpacken lassen. Doch auch die Hobbygärtner klagten über eine magere Ernte – nur zehn bis 20 Prozent des Üblichen hatten sie geerntet.

Zwei Gründe gibt es dafür: In den vergangenen zwei Jahren gab es ausgesprochen viele Äpfel. Da ist es normal, dass die Bäume mal pausieren und weniger Äpfel liefern. Dass es zu einer wirklichen Missernte kam, liegt aber daran, „dass es im März zu warm war und die Bäume drei Wochen früher als sonst ausgetrieben haben“, weiß Helmig. Als dann im April noch einmal der Frost kam, erwischte er viele Sorten in der Vollblüte. Nur bei Klaräpfeln und Goldparmänen gab es eine gute Ernte. Auch bei anderen Fruchtsorten gab es Einbrüche. „Wir haben nur ein Viertel der Walnüsse wie sonst“, berichten Jutta und Karl Heinz Klein, die auf dem Apfelmarkt Marmeladen verkaufen.

Ist dieses schlechte Obstjahr eine Folge des Klimawandels? „Als Einzelereignis nicht“ sagen Dr. Jens Pallas und Christian Blom, beide Pomologen, die beim Markt für die Besucher Apfelsorten bestimmten. „So was passiert mal. Was man aber sagen kann: Die Obstblüte fängt seit Jahren drei Wochen eher an. Das ist schon ein Zeichen für den Klimawandel.“

Doch trotz dieser wenig erfreulichen Nachrichten: Alfred Helmig und seine Mitstreiter beim Apfelmarkt nutzten die Gelegenheit, zusammen mit ihren Kunden ein fröhliches Erntedankfest mit Verkaufsständen, Brot aus dem Holzofen, Kuchen, Wein und vielen anderen leckeren Produkten zu feiern. Schließlich lehren gerade schlechte Ernten, dass eine gute Versorgung mit gesunder Nahrung keine Selbstverständlichkeit ist. „Und außerdem lässt ein Wetterchen wie heute doch hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder besser wird“, gab sich ein Besucher angesichts des sommerlichen Oktobertags optimistisch.

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