Neue Serie
Der Familien-Freizeit-Betrieb

Greven -

ie Wirtschaft der Region ist vielfältig. Sie reicht vom großen produzierenden Unternehmen über Logistikfirmen bis zu Kleinstbetrieben. In einer Serie stellt diese Zeitung die Bandbreite der lokalen Unternehmen vor. In der ersten Folge ist es der Kinderbauernhof Wigger.

Dienstag, 17.10.2017, 21:01 Uhr aktualisiert: 18.10.2017, 14:55 Uhr
Ein echter Familienbetrieb:  Marlies, Ludger, Dorothee, Henrik, Meike und Florian Wigger (von links) leben das Konzept Kinderbauernhof.
Ein echter Familienbetrieb:  Marlies, Ludger, Dorothee, Henrik, Meike und Florian Wigger (von links) leben das Konzept Kinderbauernhof. Foto: Privat

Vorsichtig bietet Paulina dem schwarzen wuscheligen Kaninchen eine Möhre an und strahlt über das ganze Gesicht, als der kleine Nager anfängt zu knabbern. Ihr jüngerer Bruder Simon steht noch etwas zurückhaltend im Kaninchen-Auslauf und beobachtet genau. Währenddessen fährt Hannes mit einem Kettcar rasant über den gepflasterten Hof. Mama Katrin gefällt das gut: „Wir treffen und jedes Jahr zum großen Familientreffen hier und genießen es. Die Kinder können ausgelassen toben und wir Erwachsenen genießen die Ruhe.“

Und damit fasst sie das Angebot des Kinderbauernhofs Wigger im Maestruper Brook auch schon gut zusammen. Was mal als reine Kinderbetreuung startete, ist heute ein umfassendes Freizeit-Unternehmen geworden.

Aber der Reihe nach. Denn die Geschichte ist lang. Die Hofstelle Wigger wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. „Damals noch unter dem Namen Wiger“, erklärt Ludger Wigger. Doch von der Landwirtschaft alleine könne man heute nicht mehr leben. Der 53-Jährige betrieb daher den Hof mit Schweinemast und Ackerbau als Nebenerwerb, während er als Abteilungsleiter in der Textilindustrie tätig war.

Doch nach dem Tod seines Vaters Franz Wigger 1999 änderte sich die Situation und die Idee zu einem Kinderbauernhof entstand. 2001 begann seine Frau Marlies Wigger mit der Kinderbetreuung als Tagesmutter. Schnell folgten Kindergeburtstage und schon 2002 kamen die ersten Schulklassen vorbei.

Auch bei schlechtem Wetter wollten die Wiggers den Schulklassen etwas bieten. Der große Saal entstand, der zusätzlich für Feiern mit oder ohne Wigger-Catering gemietet werden konnte. Von da an lagen im Hause Wigger häufiger Baupläne auf dem Tisch. Für Schulklassen-Übernachtungen gab es bald die „Stroh-Herberge“.

Leider haben Kinder heute zunehmend Allergien, so dass die Wiggers gleich den nächsten Bauplan hatten: das Gästehaus mit zehn Zimmer und 28 Betten entstand. „Wir bieten sowohl die günstige Übernachtung im Mehrbett-Zimmer mit Etagendusche als auch Einzel- und Doppelzimmer mit eigenem Bad“, erklärt der Unternehmer. Das Angebot wird gut angenommen. Die Gäste kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem benachbarten Ausland. Mit dem nächsten Bauplan wurde ein Nebengebäude umgebaut, und so fanden 2011 die Schmedehausener Kindertagesstätte ‚Die Langstrümpfe‘ eine neue Heimat.

Auch das Angebot für die Kinder wuchs: neben vielen Tieren zum Streicheln, Füttern oder auch Reiten – einem Hobby der Tierfreundin Marlies Wigger – und dem vielen Platz zum Toben, Spielen oder Stockbrotbacken sind die verschiedenen großen Kettcars im wahrsten Sinne des Wortes der Renner. Eine Indoorhalle bietet mittlerweile auch wetterfesten Kinderspaß wie beispielsweise ein Mais-Bad. Diese Angebote nutzt jedes Jahr auch die Abenteuerkiste, die hier seit Jahren regelmäßig in den Ferien Kinderfreizeiten anbietet.

Als der Nachbarhof zum Verkauf stand, lag wieder ein Plan auf dem Wiggerschen Tisch: Fünf Ferien- und eine Betriebsleiter-Wohnung entstanden. Aktuell wird das Angebot gerade um einen Aufenthaltsraum sowie eine Wohnung für zwei Tagesmütter mit ihren betreuten Kindern ergänzt. „Wir kommen eben immer wieder auf unsere Kernpunkte Kinderbetreuung und Freizeitangebot zurück“, schmunzelt Ludger Wigger.

Der Tag mit den meisten Besuchern ist jedes Jahr der 1. Mai. „Dann geht es nicht ohne die Mithilfe aller Familienmitglieder“, erklärt Ludger Wigger. „Das ist für alle eine Pflichtveranstaltung“, ergänzt Marlies Wigger lachend. Denn der Kinderbauernhof ist ein saisonales Geschäft und so wird in der Hauptsaison neben den fünf Mitarbeitern jede helfende Hand gebraucht.

 

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