Greven vor 25 Jahren
Demo gegen den „Diktator“

Eine Demo von Menschen deutlich über der Lebensmitte? Die gab es vor 25 Jahren. Der Grund: Schlimme Vorwürfe gegen den Leiter eines Altenheims.

Sonntag, 22.10.2017, 13:00 Uhr
Da ging es zur Sache: Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter des MCH protestierten gegen den Heimleiter.
Da ging es zur Sache: Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter des MCH protestierten gegen den Heimleiter. Foto: WN Archiv

Eine Demo vor 25 Jahren? Da kann es doch nur um Atomkraft gegangen sein, gegen die junge, langhaarige Männer und Frauen demonstrieren. Falsch! Zumindest in Reckenfeld. Dort gingen die Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen einen „Diktator“, wie sie behaupteten. Es dabei um den damaligen Leiter des Matthias-Claudius-Hauses, Günter S.. Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter des Hauses gingen auf die Straße, warfen dem Mann Veruntreuung von Taschengeld der Bewohner, Verhinderung der freien Arztwahl, Nötigung in verschiedenen Formen, unterlassene Hilfeleistung und sogar Totschlag durch Unterlassung vor. Heimaufsicht, Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und andere Institutionen wurden eingeschaltet. Ergebnis: Günter S. wurde gekündigt, er wechselte in ein Altenheim im Bergischen Land. Und erst weit über zwei Jahre später fand die Geschichte vor einem Gericht ihr Ende. Das Verfahren gegen Günter S. wurde gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 1500 Mark eingestellt. Die meisten Vorwürfe waren bald vom Tisch, ein Fall der unterlassenen Hilfeleistung sei ein minderschwerer gewesen, sagte die Staatsanwaltschaft.

Eigentlich kennen sie nur noch die älteren Menschen. Vor 25 Jahren gab es noch jede Menge davon, in Greven standen insgesamt 13 Litfaßsäulen. Für den städtischen Kämmerer eine mehr oder minder lohnende Sache. 2000 Euro Steuern spielten die Rundlinge damals ein. Weitere 25 Jahre davor waren es aber noch 15 000 Mark. Und heute? Da gibt es die Dinger nicht mehr, wir haben ja Google, Facebook, Ebay und Co. . .

Früher konnten die Grevener die Uhr danach stellen, wann die Post verteilt wurde. Das war natürlich deutlich vor Mittag. Doch dann kam vor 25 Jahren der rollierende Dienst, die Bezirke wurden größer, und die Post kam bei einigen Menschen deutlich später. Und: Vermutlich musste die ein oder andere Kneipe in Greven Verdienstausfälle in Kauf nehmen, weil die Postler keine Zeit mehr hatten, dort auf ihr Dienstende zu warten.. .

Peter Beckmann

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