Immer mehr Grundschüler
Grundschulen unter Druck

Greven -

Wird es bald keine freie Grundschulwahl mehr geben? Die zunehmende Kinderzahl in Greven fordert jedenfalls neue Lösungen.

Montag, 30.10.2017, 08:13 Uhr aktualisiert: 30.10.2017, 08:20 Uhr
Rein rechnerisch führten Schuleinzugsbereiche mit diesen Grenzen zu Schülerzahlen, die zu den Kapazitäten der fünf Grevener Grundschulen passen würden.  
Rein rechnerisch führten Schuleinzugsbereiche mit diesen Grenzen zu Schülerzahlen, die zu den Kapazitäten der fünf Grevener Grundschulen passen würden.   Foto: Stadt Greven

„Wir haben das Glück, dass wir uns mit den Problemen einer wachsenden Stadt beschäftigen dürfen“, sagt Frank Hänel. Eines dieser „Probleme“: weiter stark steigende Kinderzahlen. Kinder, die in die Kitas drängen und bald darauf natürlich auch in die Schulen.

Umfassten Jahrgänge früher um die 350 Kinder, sind inzwischen 400 die Regel. Mittelfristig dürften sie gar auf rund 420 anwachsen. Das lässt die Sorge wachsen, dass künftig nicht mehr alle Kinder einen Wunschplatz an ihrer Schule bekommen. Denn aktuell gibt es für die Grundschulen keine Schulbezirke, es herrscht freie Schulwahl.

Die will man, das betonte der Beigeordnete Cosimo Palomba nun im Schulausschuss, auch keineswegs aushebeln. Aber man müsse sich vorbereiten für den Fall, dass die Anmeldzahlen an einzelnen Schulen deren Kapazitäten übersteigt. Oder, wie es Fachbereichsleiterin Beate Tenhaken ausdrückt: „Wir wollen nicht steuern, wenn es keinen Steuerungsbedarf gibt. Es ist sicher wünschenswert, dass der Fall gar nicht eintritt. Aber wir müssen handlungsfähig sein.“

Vor allem in den Grundschulen rechts der Ems (Martini- und Marien-Schule) sind künftig Anmeldeüberhänge denkbar, ja sogar wahrscheinlich. Legt man die Zahlen der vergangenen Jahre zugrunde, kommen die Schulen an die Grenzen dessen, was sie leisten können. Um zu verhindern, dass anderenorts im Zweifel Klassen leer bleiben, schlägt die Stadtverwaltung vor, so genannte Schuleinzugsbereiche für die fünf Grevener Grundschulen zu bilden. Ob ein Kind aus dem „richtigen“ Bezirk kommt, soll ein Kriterium sein, das im Zweifel über die Aufnahme mitentscheiden soll. Aber: Es wäre nicht das einzige und nicht das wichtigste Kriterium.

Die Grenzen der Bezirke sind so gewählt worden, dass rein rechnerisch die Zahl der Kinder aus den jeweiligen Bezirken zu den Kapazitäten „ihrer“ Schulen passen. Ob die Anmeldewirklichkeit mit dieser Rechnung in Einklang zu bringen ist, bliebe natürlich abzuwarten.

Wie Palomba betonte, bliebe es dabei, dass alle Eltern das Recht hätten (wie auch bisher) ihr Kind an der Schule ihrer Wahl anzumelden. Wenn dort genug Plätze zur Verfügung ständen, könnten diese Kinder auch aufgenommen werden. Die Bezirks-Grenzen würden erst dann greifen, wenn mehr Kinder angemeldet würden, als Plätze zur Verfügung stehen.

Marita Lödde-Wilken, Leiterin der Mariengrundschule, nannte die Schuleinzugsbereiche „ein Instrument, das Transparenz schafft“. Gleichwohl wünscht sie sich, es nicht anwenden zu müssen. „Vielleicht haben wir Glück und es verteilt sich passend.“ Denn Schülern und ihren Eltern mitteilen müssen, dass sie nicht aufgenommen werden können – das macht keine Schule gerne. Auch Schulleiter-Kollegin Marion Birgoleit (Luther-Schule) bekennt: „Das hört sich erst mal gut an.“ Dennoch warb sie dafür, in diesem Jahr noch keinen Beschluss zu fassen, sondern das Thema „erstmal sacken zu lassen“. Man habe in Gesprächen mit Eltern durchaus eine „Verunsicherung“ feststellen müssen. „Das ist ein sehr sensibles Thema.“ Das weiß auch Michael Zweihaus (SPD), der dennoch darauf verwies, dass für viele Eltern die nächst gelegene Schule erste Wahl sei - und das ganz unabhängig von den jeweiligen Konzepten und Schwerpunkten der Einrichtungen. Für ihn durchaus nachvollziehbar: „Es haben ja nicht alle Eltern einen dicken SUV, mit dem sie ihr Kind quer durch die Stadt fahren können.“

Beschlossen wurde in dieser Sitzung nichts – aussitzen will man aber auch nichts. Im November steht das Thema deshalb erneut auf der Tagesordnung des Ausschusses. Dann soll auch ein Beschluss gefasst werden, so dass die Neuregelung zum 1. Januar 2018 in Kraft treten würde – also bevor die Schulen die jeweiligen Aufnahmebescheide verschicken, was üblicherweise im März passiert.

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