The Stokes im Ballenlager
Mehr als Rauf- und Sauflieder

Greven -

Irische Musik, das ist nicht nur Saufen und Raufen. Die Stokes zeigten im Grevener Ballenlager, dass es auch sehr schöne melodiöse Balladen auf der grünen Insel gibt.

Montag, 30.10.2017, 10:13 Uhr aktualisiert: 02.11.2017, 15:22 Uhr
Die Stokes im Freizeitlook haben irische Balladen im Gepäck.
Die Stokes im Freizeitlook haben irische Balladen im Gepäck. Foto: Stefan Bamberg

Achtung, die Künstler kommen. Aber nicht, wie man sich das so vorstellt – mit Nebelmaschine, Trommelwirbel und vielen blinkenden Lichtern. Diese drei Kerle, sie schluffen eher auf die Bühne. Als hätte jemand gefragt, wer aus dem Publikum denn heute gerne mal was vorspielen würde.

Freizeit-Klamotten, hin und wieder holen sie noch zwei Bierchen nach. Ach ja, und auf der Leinwand hinter ihnen präsentiert offenbar einer seine Fotos aus dem letzten Irland-Urlaub.

Castles, Felsen, grüne Berge, Schafe. „Hallo zusammen – ich werde Euch jetzt mal was auf der Tin Whistle zeigen“, sagt Roland Noack, einer der Drei, sehr freundlich. Einfach nett hier. Bei den „Stokes“ am Samstagabend in der Kulturschmiede.

Die Kulturinitiative macht – wie ihr Chef Egon Koling erklärt – „eine Reise um die Welt“. Neulich spanische Gitarren, jetzt also Irland. Jede Menge Abenteuerlust – und irgendwie doch sehr heimelig, fast schon familiär. Im Rhythmus schunkeln? Gerne.

Den ganz wilden Schwof aber? Nö, lass mal. „Dance, dance, wherever you may be, I am the Lord of the dance, said he“, stimmt die Band an. Das Publikum klatscht den Zweivierteltakt beschwingt mit – die theoretisch vorhandene Tanzfläche könnte man allerdings genauso gut gewinnbringend vermieten. Bleib sitzen, wenn Du ein Westfale bist.

Da beruhigt dieser Fakt: „Viele denken, Iren kennen nur Alkohol und Rauf- und Sauflieder“, scherzt Frontmann Kevin Sheahan. „Dabei gibt es so viele tolle Balladen und Liebeslieder.“

Stimmt – und mit Sheahan, Noack und Jörg Gleba sind sie besonders schön. Irish Folk aufs Wichtigste reduziert, mit Banjo, Akustik-Gitarre und diversen Flöten. Das hat sogar die Götter der Szene begeistert – Seàn Cannon (einer von den „Dubliners“) nahm die „Stokes“ mal mit auf Tour. Es ist überwiegend keine ekstatische Gaudi, an deren Ende die Leute Guinness-Gläser durch den Saal schmeißen – trotzdem lächelt das Folker-Herz: „I’ll tell me ma“ und „Dirty, old town“ – Hits im Doppelpack, klar, das kommt an.

Aber auch ein bisschen unbekanntere Folklore beim famosen „A nation once again“. Die Band widmet es nicht – wie im Original – Irland, sondern beschwört damit den Zusammenhalt in Europa.

Ein kleiner Seitenhieb zu den britischen Nachbarn inklusive: „Brexit – gut für die EU, doof für England“, finden die „Stokes“. Und spielen die Eurovisions-Hymne. Nicht nur deshalb ein starker Abend.

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