Reformationsgottesdienst
„Vergnügt, erlöst, befreit“

Greven -

Kein Platz war frei. Und die große Feier der evangelischen Kirchengemeinde zum Reformationstag war ein Fest über konfessionelle Grenzen hinaus.

Donnerstag, 02.11.2017, 15:21 Uhr aktualisiert: 08.11.2017, 09:57 Uhr
Festgottesdienst  zum Reformationsjubiläum im Ballenlager Der kreativste aller Sitzplätze im Ballenlager.
Festgottesdienst  zum Reformationsjubiläum im Ballenlager Der kreativste aller Sitzplätze im Ballenlager. Foto: Stefan Bamberg

So ähnlich könnte es gewesen sein, als er 1522 endlich am Start war, der erste Bestseller in deutscher Sprache. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. „Meine Damen und Herren“, appelliert Pfarrerin Anke van de Pol. „Bitte schauen Sie zu zweit rein.“

Damals ging‘s um Martin Luthers Bibelübersetzung, am Dienstag um ein Programmheft. Ballenlager – um zehn Uhr gab es nur noch Stehplätze. „Wow! Eine Stadt feiert Reformation“, staunt van de Pols Kollege Uwe Völkel.

„Make it big, make it loud – shout it all around the world!“, pfeffert der Gospelchor „Mixed Voices“ der Gemeinde später um die Ohren – als hätten sie was geahnt. Steh auf, mach laut – Grevens und Reckenfelds Protestanten feiern mit einem fetten Festgottesdienst 500 Jahre Reformation.

Reformationsgottesdienst

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  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg
  • Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum im Ballenlager "Make it loud, shout it all around the world". Die Mixed Voices machen Party.

    Foto: Stefan Bamberg

Aber – und das ist vielleicht die wichtigste Nachricht – sie feiern nicht allein. „Zum Geburtstag lädt man die Verwandtschaft ein“, lacht etwa Martinus-Pfarrer Klaus Lunemann. „Und: Die Verwandtschaft ist gekommen.“

Für die neuapostolische Gemeinde ist Jürgen Heinke da – der Mann, dem die Protestanten an der Königsstraße ihren XXL-Luther quasi vor die Kirchentür stellten: „Die Statue war für uns ein Zeichen der Verbindung. Wir genießen es, Teil der Ökumene in Greven zu sein.“

Ditib-Imam Ramazan Tupal lächelt zumindest sehr freundlich.

Die Unterschiede schätzen und trotzdem Gemeinsamkeiten suchen – der einstige Kirchenspalter Luther taugte im Jubiläumsjahr offenbar als Zusammenbringer der Konfessionen.

Findet auch Jörn Witthinrich: „Ich habe das Gefühl, wir waren uns noch nie so nah.“ Mit einer Prise Selbstironie blickt er in seiner Predigt zurück auf „das ganze Bohei um den Reformator“: auf Luther-Kreisverkehre, Luther-Playmobilmännchen, ja sogar Luther-Badeenten.

Was aber bleibt, wenn die ertrunken sind? „Dank Luther feiern wir einen gnädigen Gott – keinen mehr, vor dem man sich fürchten muss“, betont Witthinrich. Kostprobe: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ – der Chor groovt zum bekannten Hanns-Dieter-Hüsch-Vers.

„Aber unser Glaube darf keine Wellness-Oase sein“, mahnt der Pfarrer. „Wir Christen müssen Nervensägen bleiben.“ Sich nicht wegducken, Haltung zeigen in diesen schwierigen Zeiten – trotz eigener schwieriger Zeiten.

Denn natürlich weiß Witthinrich ums kirchliche Sexappeal-Problem: „Immer mehr Menschen finden ohne Gott ihr Glück.“

Ein rappelvolles Ballenlager – vermutlich wird das einmalig bleiben.

Und doch ein Ansatz im Luther-Style: „Er hat den Glauben mitten ins Volk gebracht“, erklärt Uwe Völkel. „Darum sind wir hier genau richtig.“

Das sieht auch Bürgermeister Peter Vennemeyer so, der die städtischen Glückwünsche überbringt: „Eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, wird dringend gebraucht.“ Die Jubiläumsfestivitäten hätten neue Energie freigesetzt. Und Protestant Vennemeyer nebenbei laut lachen lassen – sein Lieblingswitz geht so: „Margot Käßmann tauft einen ICE der Deutschen Bahn auf den Namen Martin Luther. Sagt der Zug: ‚Hier stehe ich – ich kann nicht anders!‘“

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