Erinnerung an Nazi-Opfer
Der Galgen im Rathaus

Greven -

Die Azubis der Grevener Verwaltung erinnern an Nazi-Opfer. Auch mit drastischen Ausdrucksmitteln.

Donnerstag, 02.11.2017, 21:12 Uhr aktualisiert: 02.11.2017, 21:20 Uhr
Ein Galgen, der erschreckt: Laura Hartken (links) und Lea Lüttig bekleben das Ausstellungsstück mit Info-Tafeln.
Ein Galgen, der erschreckt: Laura Hartken (links) und Lea Lüttig bekleben das Ausstellungsstück mit Info-Tafeln. Foto: meg

Ein Galgen im Rathaus-Foyer, baumelnde Stricke, Markierungen für die Füße? Das lässt stutzen, das erschreckt. Und diese Reaktion ist gewollt. „Wir möchten die Menschen emotional ansprechen“, sagen Lea Lüttig und Laura Hartken. Die beiden angehenden Verwaltungswirtinnen haben zusammen mit 17 weiteren städtischen Auszubildenden die Aktion Stolpersteine organisiert und die begleitende Ausstellung im Rathaus konzipiert. Beides erinnert an die polnischen Zwangsarbeiter Franciszek Banas und Waclaw Ceglewski, die im August 1942 in den Bockholter Bergen erhängt wurden – wegen „verbotenen Umgangs“ mit deutschen Frauen. „Dafür reichte eine Zigarette zu Weihnachten“, weiß Sandra Hörnemann, Azubi-Betreuerin bei der Stadt.

Bisher haben sich die Stadt-Azubis, bei ihrer jährlichen Ehrenamtsaktion meist in sozialen Projekten engagiert. In diesem Jahr geht es um Stadtgeschichte im Nationalsozialismus am Beispiel der getöteten jungen Polen – und auch um die Rolle der Stadtverwaltung im Dritten Reich. „Der Galgen ist vom Amtsschreiner gemacht worden“, wissen die beiden jungen Frauen. Das Ausstellungsstück wurde zur Erinnerung bewusst von einem städtischen Mitarbeiter gefertigt – vom angehenden Straßenwärter Marc Elbers.

Seit Januar arbeiten die 19 jungen Leute an den Projekt, das am heutigen Freitag um 13.30 Uhr mit der Verlegung der Stolpersteine zum Gedenken an Banas und Ceglewski auf dem Marktplatz seinen Höhepunkt hat. Die jungen städtischen Mitarbeiter haben sich in der Villa ten Hompel in Münster informiert, die Forschungsarbeiten von Christoph Le­claire zum Thema studiert, im Stadtarchiv gestöbert und aus all diesen Informationen eine Ausstellung konzipiert, die ab Montag für drei Wochen im Rathaus zu sehen sein wird. Jetzt sind sie gespannt, was Kollegen und Bürger sagen. Und sie haben etwas Entscheidendes gelernt – dass nämlich Geschichte nicht in Büchern, sondern direkt vor der eigenen Haustür geschieht. „Die Bockholter Berge sind ja gleich ums Eck.“

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