Emsausbau
Und jetzt ab durch die Mitte

Greven -

Jetzt wird ein Durchbruch gegraben. An der Ems wird dafür gesorgt, dass bei Hochwasser die Fluten aus der Stadt abfließen können.

Mittwoch, 15.11.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 15.11.2017, 15:35 Uhr
Rechts und links haben die Baggerfahrer schon ganze Arbeit geleistet und sich bis zur Spundwand in der Deichmitte vorgearbeitet. Durch diese werden die Rohre hindurchverlegt.  
Rechts und links haben die Baggerfahrer schon ganze Arbeit geleistet und sich bis zur Spundwand in der Deichmitte vorgearbeitet. Durch diese werden die Rohre hindurchverlegt.   Foto: Oliver Hengst

„Wenn jetzt Hochwasser kommt, steht der ganze Niederort unter Wasser“, scherzt jemand auf der Baustelle. „Nee, Quatsch. Natürlich nicht“, man sorge schon vor, schiebt er eilig hinterher. Und übergibt an den Kollegen, der sich auskennt. Der heißt Dieter Hegger und arbeitet für die Firma Helming. „Da muss schon extremes Hochwasser kommen“, sagt er. „Da habe ich eigentlich keine Bauchschmerzen.“ Bedenken, dass das Durchstoßen des Deiches in irgendeiner Weise problematisch werden könnte – die hat er nicht. Und daher, sagt er, müsse sich auch niemand anderes sorgen.

Polier Hegger knabbert gerade mit seinem Bagger am Emsdeich – und ist schon weit gekommen. Genauer gesagt bis zur Spundwand in der Mitte. Sie ist das Ziel, durch diese Stahlsperre müssen die Bauarbeiter hindurch. In den kommenden Tagen wird die Spundwand aufgeschweißt, um Platz für zwei Rohre zu schaffen. Durch die soll künftig Wasser aus dem Regenrückhaltebecken auf der Stadtseite der Ems (nahe Hallenbad) kontrolliert in die Ems abgeleitet werden, um so ein Absaufen der Innenstadt (wie 2014) zu verhindern. Die Rohre dieser sogenannten Notentlastung haben einen Durchmesser von stolzen 1,40 Meter. Der Durchlass in der Spundwand ist auf 5 mal 1,80 Meter ausgelegt. „Den brennen wir uns da rein“, sagt Hegger. Es werde aber sofort wieder provisorisch mit Stahlplatten verschlossen, weil zunächst andere Bauabschnitte fertiggestellt werden müssen. Vor allem der sogenannte Übergabeschacht aus massivem Beton, der gerade im Emsvorland entsteht. Die ganze Aktion werde wohl um die 14 Tage in Anspruch nehmen, schätzt Hegger.

Der Schacht, erläutert Klaus Rading, im Rathaus für Abwasserfragen zuständig, muss fertig sein, bevor die Leitungen gelegt werden können. Von ihm hänge der Zeitplan ab. Das Wasser wird in diesem Schacht ankommen, darin ein paar Meter herunterfallen und unterhalb des Emsspiegels in das Flussbett eingeleitet. Das Ganze funktioniert ohne Pumpen, allein die Schwerkraft bugsiert das Wasser dahin, wo man es hinhaben will. „Wir wollen es so einfach wie möglich halten“, sagt Rading. „Wenn der Notfall eintritt, soll es ohne Strom funktionieren.“

Wenn die Ems Hochwasser führe, werde man die Schieber schließen, damit kein Wasser Richtung Stadt laufen könne. Wenn es einen Starkregen gebe, werde man die Schieber öffnen, damit das Wasser Richtung Fluss läuft.

Das Prinzip: Hochwasser gebe es im Winter, Starkregen im Sommer. „Wir gehen nicht von einem gleichzeiteigen Hochwasser und einem Starkregen aus“, sagt Rading. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies eintrete, sei noch viel geringer als ein Starkregen, wie ihn Greven 2014 erlebte.

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