Schuleinzugsbereiche
Kinder erhalten Absage

Greven -

Die Grevener Grundschulen sind unterschiedlich stark ausgelastet – die Marienschule ist „überbucht“, die Martini-Grundschule hat noch viele Plätze. Sür Ausgleich soll die Einführung von Schuleinzugsbereichen sorgen.

Freitag, 24.11.2017, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2017, 13:58 Uhr

Früher als gedacht ist Greven in die Situation geraten, dass nicht alle Anmeldewünsche an den Grundschulen erfüllt werden können, das Kinder abgelehnt werden müssen. Die Einführung von Schuleinzugsbereichen, die der Schulausschuss am Mittwoch einstimmig, gleichwohl mit Bauchrummeln beschloss, sollte die Stadt eigentlich für die Fall rüsten, dass dieser Fall irgendwann mal eintritt. Nun ist es schon zum kommenden Schuljahr soweit. Schulleiterinnen stehen schwierige Gespräche mit Eltern bevor, denen sie erklären müssen, warum es gerade sie trifft.

Auslöser des Dilemmas sind steigende Schülerzahlen. Bislang passten Nachfrage und Kapazitäten der einzelnen Schulen stets zusammen, in 2018 erstmals nicht. Betroffen vor allem: die Martinigrundschule, die aktuell nur 67 Anmeldungen verzeichnete, und die Mariengrundschule, bei der 135 Anmeldungen eingingen, die aber nur 100 Kinder aufnehmen kann.

Rathaus-Mitarbeiter Frank Hänel warb für die Schulbezirksgrenzen: „Auch ohne diese muss entschieden werden, und in der Regel nach den gleichen Maßstäben.“ Man habe „erstmals ein Anmeldergebnis, das so nicht funktioniert. Das Gebäude gibt eine Fünfzügigkeit nicht her“, sagte er über die Mariengrundschule. Exakt 40 der dort angemeldeten Schüler wohnen in einem anderen Schulbezirk. Ihnen wird man nach dem Votum des Schulausschusses nun einen Platz an einer anderen Schule anbieten.

„Eltern sind in großer Sorge, die fragen uns jetzt schon, wie es weitergeht“, berichtete Marita Lödde-Wilken, Leiterin der Marienschule. „Ich kriege natürlich mit, dass die Eltern in Aufruhr sind. Die Geduld der Eltern wird bis März auf eine harte Probe gestellt. Es ist schwierig, das irgendwie gerecht zu machen. Die Bezirke sind keine optimale Lösung, aber ich sehe auch keine andere Möglichkeit,“ sagte sie. Den jetzt schon schwierigen Gesprächen dürften spätestens im Frühjahr noch viele weitere folgen. Denn klar sei schon jetzt: „Auch Geschwisterkinder werden betroffen sein.“

Marion Birgoleit, die die Martin-Luther-Schule leitet, wies auf weitere Schwierigkeiten hin: Alle Schulen müssten (eigentlich) mit gleichen Voraussetzungen an den Start gehen. „Wir haben kein Tandem-Modell, wir haben zu wenig OGS-Plätze.“ Daher sei absehbar, dass Eltern, die genau danach suchten, aber mit ihrem Kind an einer Schule „landen“, die das nicht bieten kann, enttäuscht seien.

Ernst Reiling (Reckenfeld direkt) mahnte an, dass jede Grundschule einen pädagogischen Schwerpunkt ausbilde, „damit jede Schule ein Gesicht hat“. Konkret regte er Montessori- und Europaschulen an. Dr. Michael Kösters-Kraft bekannte: „Der Elternwille stößt an Grenzen.“ Er mahnte Eltern, keine „soziale Separation“ vorzunehmen – eine Anspielung darauf, dass der unterschiedlich hohe Anteil von Migrantenkindern an den jeweiligen Schulen ein Auswahlkriterium für manche Eltern ist. Letztlich stimmte er – wie alle anderen Ausschussmitglieder – für die Bezirksgrenzen. Jürgen Diesfeld (CDU) verwies auf ein „Grummeln im Bauch“. Man müsse ordnend eingreifen, jedoch sei „der Eingriff in den Elternwillen schwerwiegend.“ Mangels Alternative stimme man jedoch zu, allerdings besteht die CDU darauf, die Regelung jährlich neu zu verhandeln.

Auch Moritz Hauschild (Linke) rang um die richtigen Worte, denn Merkels „alternativlos“ wollte er dann doch nicht bemühen. „Wenn wir andere Mittel hätten, würden wir sie nutzen.“

Dass es aus seiner Sicht durchaus andere Mittel gäbe, verdeutlichte der neue Vorsitzende des Stadtelternbeirates, Maarten Willenbrink: „Die Eltern fragen sich, warum soll da eingegriffen werden? Es gibt Alternativen, die im Schulgesetz geregelt sind.“ Ohne Schulbezirke können (und müssen) die Schulen nach anderen Kriterien entscheiden: Geschwister, Schulweg, Kindergartenbesuch in der Nähe, Verteilung der Geschlechter und Nationen. Welche davon zum Tragen kämen, liege in der Verantwortung der jeweiligen Schulen, verdeutlichte Hänel. Was die Sache nicht einfacher macht.

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