Ratsmitglied verlässt den Schulausschuss
Reilings letzte Sitzung

Greven/Reckenfeld -

Ernst Reiling verlässt den Schulausschuss – aus Frust. Das bedeute aber keineswegs seinen Rückzug aus der Politik, versichert dar Ratsherr von Reckenfeld direkt.

Donnerstag, 23.11.2017, 17:00 Uhr
Ernst Reiling (Reckenfeld direkt) will sich künftig auf Reckenfelder Themen konzentrieren und räumt daher seinen Sitz im Schulausschuss.  
Ernst Reiling (Reckenfeld direkt) will sich künftig auf Reckenfelder Themen konzentrieren und räumt daher seinen Sitz im Schulausschuss.   Foto: Maximilian Fitting

„Es ist Frust, eindeutig Frust.“ Am Tag danach begründet Ernst Reiling, Vorsitzender der Fraktion „Reckenfeld direkt“, warum er am Vortag im Schulausschuss – quasi in einem Nebensatz – verkündet hatte, dass dies seine letzte Schulaussitzung sei, an der er als Mitglied teilnehme.

Künftig wolle er seine „volle Konzentration auf Reckenfeld legen“, sagte Reiling im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ziehe sich aus dem Schulausschuss zurück, und nur aus diesem – ein Abschied auf Raten sei das nicht. „Sonst freuen sich zu viele“, fügt er an. Wer ihm als Vertreter der Fraktion nachfolgt, werde am kommenden Montag besprochen. Laut Reiling spricht vieles für Rolf Grieskamp.

Reiling ist vor allem unzufrieden, weil es in Greven kein Schulangebot gibt, das zum Bedarf passt. 61 Grevener Kinder, die die Hauptschule in Emsdetten besuchen (ein Wert, der kürzlich im Bezirksausschuss Reckenfeld öffentlich gemacht wurde), seien „eine Ohrfeige für uns alle“. Der Verwaltung wirft er vor, sich des Themas nicht mit der nötigen Kraft anzunehmen. „Die Verwaltung des Ist-Zustandes ist unerträglich.“ Der Bürgermeister verweise immer wieder auf einen „heiß gelaufenen Motor“, sprich: auf eine chronisch überlastete Verwaltungsmannschaft, deren Ressourcen nun mal endlich seien. „Das kann man aber nicht immer als Entschuldigung vortragen.“

In anderen Kommunen laufe es besser, sagt Reiling und nennt konkret Havixbeck und Billerbeck. „Die machen richtig, was wir falsch machen.“ Ihm sei sehr wohl bewusst, dass er von der Verwaltung als unbequemer Nerver empfunden werde. Doch das stört ihn nicht weiter. „Ich bin Vertreter der Bürger.“ Wenn er aber auf konkrete Fragen nur ausweichende oder unvollständige Antworten der Verwaltung erhalte, sei dies auf Dauer frustrierend. Das gelte auch für das Thema Ortsmitte Reckenfeld. Hier habe er den Bürgermeister mehrfach vergeblich nach Fördermöglichkeiten gefragt. Von Fachleuten habe er sich dann sagen lassen, dass es diese sehr wohl gebe.

In der Ausschusssitzung am Mittwochabend hatte Reiling den Begriff „Ist-Zustand“ als „Unwort, das ich nicht vergessen werde“ gebrandmarkt und einen „Ruck“ gefordert. Man müsse sich fragen, ob man sich „entweder sofort der Zukunft öffnen oder weiter einem Ist-Zustand hinterherlaufen“ wolle. „Wir müssten uns eigentlich alle darüber schämen, das wir 60 Kinder abgeben nach Emsdetten und nicht in der Lage sind, unsere eigenen Kinder hier zu beheimaten, das sage ich bewusst so.“ Reiling ist aktuell unzufrieden darüber, dass sein Antrag, die Schulentwicklungsplanung an ein externes Planungsbüro zu vergeben, nicht zum Tragen kommt. Die Ansiedlung neuer Unternehmen ziehe Effekte nach sich, die Greven von anderen Städten unterscheide. Daher brauche es eine individuelle Untersuchung. Er rechne damit, „dass künftig nicht nur 60, sondern wesentlich mehr Kinder betroffen sein werden, die es uns zu verdanken haben, dass sie sich eine Schule außerhalb suchen müssen.“ Aus der besonderen Situation Grevens erwachsen für Reiling besondere Verpflichtungen, nämlich dem Wachstum der Bevölkerung eine entsprechendes Angebot an bezahlbarem Wohnraum und Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten zur Seite zu stellen. „Das sehe ich nicht und das ist auch der Grund dafür, dass ich meine Kraft nicht vergeuden möchte.“

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