Josefskirchen-Neubau
Die flexible Kirche

Sie planen gemeinsam: Das Architektenpaar Manfred Frericks und Inés Croce-Frericks (e4Architekten) aus Münster hat den Wettbewerb für das neue Josefszentrum in Greven gewonnen. Unser Redaktionsmitglied Günter Benning sprach mit Manfred Frericks über die gestalterischen Probleme bei den Planungen.

Mittwoch, 06.12.2017, 07:00 Uhr
Animationen des Josefszentrums: Links der Kirchenraum mit großen Fensterflächen, die zu öffnen sind. Rechts oben die Ansicht von außen. Die Glocken hängen, wo heute der Turm steht. Rechts unten die Übersicht der Räume, rechts befinden sich die Zentrumsräume. Der Kirchenraum ist durch zwei Räume zu vergrößern.
Animationen des Josefszentrums: Links der Kirchenraum mit großen Fensterflächen, die zu öffnen sind. Rechts oben die Ansicht von außen. Die Glocken hängen, wo heute der Turm steht. Rechts unten die Übersicht der Räume, rechts befinden sich die Zentrumsräume. Der Kirchenraum ist durch zwei Räume zu vergrößern. Foto: Manfred Frericks

Sie haben den ersten Preis im Architektenwettbewerb um das Josefsviertel geholt. Sind Sie eigentlich unbelastet an die Planungen gegangen? Sie wussten ja sicher um die emotionale Befrachtung des Themas.

Frericks: Ja, ich wusste es, im Kolloquium wurde darüber gesprochen. Aber die ganze Vorgeschichte habe ich nicht verfolgt.

Die Herausforderung, noch mal eine Kirche zu bauen, ist in diesem Zeiten vermutlich hoch gewesen?

Frericks: Allerdings, das war für uns ein besonderes Vergnügen, und es hat viel Spaß gemacht, sich mit dem Entwurf zu beschäftigen. Ich glaube, das kommt vielleicht einmal im Leben vor.

In den 50er und 60er Jahren, als die Josefskirche gebaut wurde, gab es regelmäßig Kirchenneubauten. Allerdings unter anderen Voraussetzungen. Was waren ihre Vorgaben?

Frericks: Im Kolloqium wurde ganz klar betont, dass der Kirchraum im Vordergrund steht. Wir haben uns darauf konzentriert, wie wir den Ort, den wir dort heute haben, wiederfinden können. Es soll eine große, den Ort prägende Kirche abgerissen werden. Mit dem großen Satteldach des Kirchraumes möchten wir ein Stück der vorhandenen Identität wieder zurückgeben.

Wie schafft man das sakrale Gefühl, das für eine Kirche nötig ist?

Frericks: Die Herausforderung bestand darin, dass wir einen Kirchenraum gestalten sollten, der gleichzeitig flexibel ist. Wenn man an einen flexiblen Raum denkt, dann ist der erst mal relativ neutral. Ein Kirchenraum darf aber nicht neutral sein. Er muss ein sakrales Element haben, damit der Besucher ihn als Kirchraum erkennt. Wir haben jetzt einen offenen Raum – mit Glaselementen auf beiden Seiten. Und gleichzeitig haben wir den sakralen Charakter betont, indem wir beispielsweise Elemente des sakralen Raumes an der Giebelwand platziert haben, das Tabernakel, den Altar und die Orgel.

Jetzt sagen ja manche, die alte Kirche war groß, die neue wird klein. Aber der Raum ist vergrößerbar?

Frericks: In der Ausschreibung stand, dass der Kirchraum durch die beiden angrenzenden Säle erweiterbar sein muss. Das war uns aber nicht genug. Deswegen haben wir den Eingangshof so geplant, dass wir uns im Prinzip – vor allem in den Sommermonaten – auch nach draußen bewegen können. Man kann die Glaswand wegschieben und den geschützten vorgelagerten Kirchhof hinzunehmen.

Gleichzeitig mit der Kirche haben Sie ein Pfarrzentrum geschaffen. Kirche und Zentrum, so nah zusammen, ist das ungewöhnlich?

Frericks: Ja, das haben wir auch noch nie gemacht. Wir haben schon ein Pfarrzentrum gebaut, aber nicht in Verbindung mit dem Kirchraum. Das war auch der Grund, warum wir die Gruppenräume so gelegt haben, dass sie dazu gehören, aber auch einen eigenen Eingang im Norden bekommen. Da kann man ungestört die Gruppenräume aufsuchen, ohne durch das große Foyer zu müssen.

Also ist der Zwiespalt gelöst, auf der einen Seite Räume, in denen Halligalli sein darf, auf der anderen Seite ein Raum der Stille und Andacht?

Frerichs: Dafür haben wir auch die Außenbereiche gestaltet, der Kirchraum hat zwei Außenbereiche, die Gruppenräume haben davon getrennte Auenbereiche.

Ein Grund dafür, die alte Josefskirche aufzugeben, war die schlechte Energiebilanz. Wie sieht es bei Ihrem Entwurf aus?

Frericks: Die Energiebilanz ist sicherlich wesentlich besser, weil das Volumen anders ist. Auf der einen Seite kann man Räume getrennt beheizen, was in der jetzigen Kirche nicht möglich ist. Außerdem ist das Gebäude aufgrund der Energieeinsparungsverordnung ganz anders gedämmt.

Wie geht es jetzt weiter?

Frericks: Da warte ich auf den Bauherrn. Ich kenne es von anderen kirchlichen Projekten, da findet jetzt noch eine Kennenlernrunde statt.

Letzte Frage: Sie haben auf den Turm verzichtet. Warum?

Frericks: Weil für uns der Turm viel zu prägnant war in dieser städtebaulichen Situation. Allerdings haben wir ein sehr hohes Gebäude durch das Spitzdach geschaffen. An der Außenwand hängen auch zwei kleine Glocken der alten Josefskirche. Wir wollten keinen Turm, der alles andere erdrückt.

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