Dr. Heinz-Ulrich Eggert und das vergessene Jugendzentrum
Spurensuche in den Fuestruper Bergen

Greven -

In den Fuestruper Bergen gab es bis in die 30er Jahre ein katholisches Jugendzentrum. Dr. Heinz-Ulrich Eggert hat darüber ein Buch geschrieben.

Mittwoch, 06.12.2017, 20:00 Uhr
Dr. Heinz-Ulrich Eggert 
Dr. Heinz-Ulrich Eggert  Foto: oh

Eine Radtour wie jede andere, dachte er zunächst. Bis er sich erinnerte, dass er hier, in den Fuestruper Bergen, in den 50er Jahren schon einmal war. Da packte Dr. Heinz-Ulrich Eggert die Neugier. Er stieg vom Rad und suchte im Dickicht nach der Christopherus-Kapelle – und fand nur noch Überreste. „Meine nostalgische Stimmung war schlagartig verflogen“, sagte Eggert am Montagabend im Rathaus. Dorthin war er eingeladen worden zum Archivgespräch des Stadtarchives Greven. „Für uns ist der Vortrag von Herrn Dr. Eggert der Anlass, die Archivgespräche aus den 90er Jahren wieder aufleben zu lassen“, sagte Grevens neue Stadtarchivarin Anna Lindenblatt.

Eggert nannte das, was sich aus der ersten Annäherung an das Thema im Sommer 2013 ergeben hat, „eine hochspannende Angelegenheit.“ Die Ergebnisse seiner rund drei Jahre währenden Forschungen liegen inzwischen in Buchform vor („Auf nach Fuestrup!“). Darin nachzulesen: die Geschichte eines vergessenen Jugendzentrums in den Fuestruper Bergen. Denn die Kapelle war nur ein Teil der Anlage. Ein Landheim der katholischen Kirche war Treffpunkt von Gläubigen, die aus den muffigen Pfarrheimen ins Freie drängten. Dort fanden Lager, Gottesdienste unter freiem Himmel und allerlei Spiel und Spaß in unberührter Natur statt. In der Ems wurde gebadet. Auch arme Kinder aus Münster wurden auf Kosten der Kirche in die Fuestruper Bege gefahren, damit sie dort einen unbeschwerten Tag verbringen konnten.

Später brannte das Landheim nieder, vermutlich durch Brandstiftung. Viele machten die SA dafür verantwortlich. Denn die christlichen Jugendverbände, die das Zentrum als Treffpunkt nutzten, bekamen recht schnell massive Probleme mit den an die Macht drängenden Nazis, wie Eggert schilderte.

Wichtige Helfer bei seiner Schatzsuche fand er im Stadtarchiv Greven. Vor allem Angelika Haves lobte Eggert mehrfach als „Glücksbotin“. Sie fand im Archiv manches hilfreiche Dokument. Auch die Bevölkerung der Bauerschaft half Eggert bei der mitunter mühseligen Spurensuche.

Dr. Heinz-Ulrich Eggert studierte Geschichte und Anglistik an der WWU in Münster und der University of Kent at Canterbury, war als Lehrer am Wilhelm-Hittorf-Gymnasium in Münster tätig und promovierte 2005.► Heinz-Ulrich Eggert: „Auf nach Fuestrup!“ Katholische Jugendverbände im Bistum Münster: Der Fall des vergessenen Jugendzentrums in den Fuestruper Bergen (1929–2017). Aschendorff-Verlag, 19.80 Euro.

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