Morgens um acht im Schulsekretariat
Wenn der Sturm losbricht

Greven -

Schüler bahnen sich den Weg durch den frostigen Morgennebel, die Fahrradständer füllen sich, das Licht in den Klassen wird angeknipst, leises Stimmengewirr erfüllt das Gesamtschulfoyer im Erdgeschoss. Ein Stockwerk höher schließt Ramona Exeler um Punkt 7.37 Uhr die Tür zum Sekretariat auf.

Freitag, 08.12.2017, 14:03 Uhr aktualisiert: 08.12.2017, 15:55 Uhr
Für ein so entspanntes Foto ist erst nach 8 Uhr Zeit. Davor ist es im Sekretariat der Gesamtschule trubelig. Den stressigen Tagesauftakt managen Christa Nieße (links) und Ramona Exeler souverän und meistens lächelnd.
Für ein so entspanntes Foto ist erst nach 8 Uhr Zeit. Davor ist es im Sekretariat der Gesamtschule trubelig. Den stressigen Tagesauftakt managen Christa Nieße (links) und Ramona Exeler souverän und meistens lächelnd. Foto: Oliver Hengst

Das Telefon klingelt, noch in der Winterjacke nimmt sie den Anruf entgegen (eine Krankmeldung), schreibt eine Notiz und wünscht „Gute Besserung!“ Kaum, dass der Dienst beginnt, bricht der Sturm los. Wie gut, dass inzwischen auch Christa Nieße eingetroffen ist. Die nächsten 20 Minuten werden trubelig. Schnell noch ein paar Türen aufschließen – und los geht die wilde Fahrt.

Der erste Schüler, ein Fünftklässler, braucht Hilfe: „Ich habe meinen Mensa-Chip verloren. Meine Mama hat schon einen neuen beantragt.“ Ramona Exeler kramt einen Aktenordner hervor und forscht nach dem passenden Schreiben. Der Junge soll schließlich nicht hungern müssen.

Währenddessen nimmt Christa Nieße fortlaufend Anrufe entgegen. Eltern melden kranke Schüler ab, kranke Lehrer melden sich selbst ab (wobei das meistens noch früher am Tag passiert). Nieße legt auf – und fragt sich selbst: „Was wollte ich jetzt nochmal machen?“ Eine Antwort bekommt sie nicht. Das Telefon klingelt schon wieder. „Eine Lehrerin ruft an, sie steht im Stau. Ich eile mal eben rüber in die Klasse und sage Bescheid“, sagt Nieße zur Kollegin.

Derweil stehen schon die nächsten „Kunden“ im Türrahmen. Eine Besucherin hat einen Termin mit einer Lehrerin, in einem Klassenzimmer sind die Heizkörper kalt, Vertretungslehrer müssen mit Material versorgt werden, immer wieder haben Schüler etwas zu klären. Nieße und Exeler managen den stressigen Tagesauftakt souverän, in der Regel mit einem Lächeln im Gesicht. Fällt das schwer? „Eigentlich nicht. Es gibt Zeiten, da denkt man mal, es geht nicht. Aber unsere Schüler können ja nichts dafür, wenn es hier stressig wird“, sagt Ramona Exeler. Lächelnd. „Bewundernswert, oder?“, sagt Schulleiter Ingo Krimphoff im Vorbeigehen. „Das sind die guten Seelen unseres Hauses. Ohne die würde hier gar nichts laufen“, meint eine Kollegin, klemmt sich einen Stapel Papier unter den Arm und rauscht davon. „Das haben sie sich verdient“, ergänzt eine Lehrerin, die mitbekommt, wem heute das Interesse der Presse gilt. Jeder hier weiß: Die beiden Sekretärinnen sind viel mehr als das, sie sind Kümmerer im besten Sinne. Auch Schüler mit Unwohlsein oder Wehwehchen stranden bei ihnen. „Neulich war eine Schülerin da, die hatte Schüttelfrost. Der haben wir erst mal einen Tee gekocht. Auch das kommt vor“, sagt Exeler. Haben sie auch mal selbst Zeit für einen Tee oder Kaffee? Zumindest vor acht Uhr nicht. „Meiner wird sowieso immer kalt“, sagt Christa Nieße.

Weiter geht‘s. Die nächsten Schüler haben Fragen zu ihrem Schulplaner. Ein Mädchen muss zu Hause anrufen, weil es etwas Wichtiges hat liegen lassen. So geht das in einem fort. „Die Tür steht eigentlich immer auf, die Kinder sollen ja sehen, dass wir da sind“, sagt Exeler. Nur in Ausnahmefällen wird die Tür mal geschlossen, etwa wenn (nachmittags) Bankgeschäfte eine besondere Konzentration erfordern. Da kann man die sonst übliche Lautstärke nicht gebrauchen. „Es ist oft so, dass wir das selbst gar nicht mehr hören. Meistens sprechen uns eher die Kollegen darauf an: Was ist das hier laut bei Euch! “, sagt Exeler, während sie Mails checkt und mit einer Lehrkraft Details zum Elternsprechtag klärt.

Die Zeit vor Unterrichtsbeginn – sie ist eindeutig die stressigste des Tages. Dann steppt im Schulsekretariat der Bär. Die erste Pause ist auch sehr trubelig, die große ebenfalls. „Da verteilt es sich aber ein bisschen, weil die Schüler da erstmal nach draußen wollen.“

Acht Uhr, der Trubel legt sich langsam. Zeit, sich nun der „eigentlichen“ Arbeit zuzuwenden? Denkste. Das Telefon klingelt. Und Schüler stehen im Sekretariat. „Müsst Ihr nicht längst im Unterricht sein“, fragt Exeler die Mädchen. Natürlich lächelnd.

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