Grill sucht dringend Mitarbeiter
Selbst gemacht statt Eimer auf

Greven -

Steffi und Carsten Ehlers haben eigentlich einen gut laufenden Grill. Aber bald müssen sie den zweiten freien Tag pro Woche einlegen, weil ihnen Mitarbeiter fehlen.

Montag, 11.12.2017, 11:10 Uhr
Eimer auf und fertig? Nicht ihr Ding. Steffi und Carsten Ehlers haben in ihrem Stern-Grill viel zu tun. Der Arbeitstag beginnt früh am Morgen und endet erst spät abends.
Eimer auf und fertig? Nicht ihr Ding. Steffi und Carsten Ehlers haben in ihrem Stern-Grill viel zu tun. Der Arbeitstag beginnt früh am Morgen und endet erst spät abends. Foto: Oliver Hengst

Morgens um elf – da haben Carsten und Steffi Ehlers alle Hände voll zu tun. Und nicht erst dann. Im Stern-Grill fängt der Tag um acht Uhr an. Auf Putzarbeiten folgen ab etwa 10 Uhr Vorbereitungen für den Mittagstisch. Schnitzel panieren, Salate zubereiten, Saucen kochen. Viel Arbeit, die sich auf die Schultern von sechs Vollzeit- und drei Teilzeitkräften verteilt. „Wir machen alles frisch. Hier kommt kein Pulver zum Einsatz“, sagt Ehlers, der wie seine Frau den Koch-Beruf von der Pieke auf gelernt hat.

Eine offenbar aussterbende Gattung. Die Gastronomie hat ein Image-Problem. Der Arbeitsmarkt ist quasi leer gefegt. Gerne würden die Ehlers‘ Fachkräfte oder ungelernte Arbeitskräfte einstellen. Aber sie finden niemanden. „Wir suchen seit acht Jahren“, sagt Ehlers, der den Grill seit 2016 am neuen Standort betreibt. Drei Vollzeitkräfte würde er vom Fleck weg engagieren. Wenn es sie denn gäbe. Bewerbungen gebe es so gut wie gar nicht – und wenn dann doch mal ein Tag Probearbeit vereinbart werde, kämen die Leute oft doch nicht oder würfen rasch das Handtuch.

Die Art der Tätigkeit und die unbequemen Arbeitszeiten schrecken offenbar viele ab. Und die Bezahlung? Man entlohne „deutlich übertariflich“, betont der Betreiber, und deutlich über Mindestlohn. „Weit über 10 Euro“, sagt Ehlers und wendet die Schnitzel in der vorbereiteten Panade. Und doch will niemand den Job machen. Eine Mitarbeiterin, die just aus persönlichen Gründen gekündigt hat, kurzfristig ersetzen? Ein Wunschtraum.

Ergebnis der Misere: Der Stern-Grill wird ab dem Jahreswechsel nur noch fünf, statt sechs Tage in der Woche öffnen. Dem bislang üblichen Ruhetag am Montag schließt sich ein freier Dienstag an. „Diese Entscheidung haben wir nicht freiwillig getroffen“, sagt Carstens Vater Volker Ehlers, der mit seiner Frau als Inhaber und Verpächter der Immobilie fungiert. Er nennt die massiven Probleme, Arbeitskräfte zu finden, „ungewollte Erschwernisse“. Dabei läuft das Geschäft eigentlich prima. „Wir sind hochzufrieden“, sagen Carsten und Steffi Ehlers. Sprich: Der Laden brummt.

Umso wichtiger wäre personelle Verstärkung. Doch der Markt ist leer gefegt. Auch, weil immer weniger junge Leute eine Koch-Ausbildung absolvieren. Die IHK weiß: bezirksweit gab es im Jahr 2010 noch 766 Azubis (316 Köche), im Jahr 2015 nur noch 527 Azubis (218 Köche).

Auf gelernte Kräfte wagt Ehlers gar nicht zu hoffen. „Das wäre, als würde man die Leute vom Mars holen.“ Fachkräfte, die bereit sind, aus der klassischen Gastronomie in eine „Pommesbude“ zu wechseln, gibt der Markt schlicht nicht her. Selbst dann nicht, wenn das Konzept des Grills „deutschlandweit einmalig“ ist, wie Auto-Narr Ehlers betont. Er hat von traditionsreichen Restaurants in Greven und Münster gehört, dass sie ebenfalls zusätzliche Schließungstage einlegen.

Ginge es allein nach Ehlers, müsste das nicht sein. Sauberkeit, Freundlichkeit und Qualität – Mitarbeiter müssten diese Prinzipien mittragen. Nicht mehr, nicht weniger. „Die Schnittstelle an der Theke ist extrem wichtig“, sagt Volker Ehlers.

Was für die „Stern-Grill“-Familie nicht in Frage kommt: an der Qualität zu sparen. „Wir kaufen uns keine Zeit ein, indem wir vorgefertigte Produkte verwenden“, sagt Carsten Ehlers. Eimer auf und fertig? Nicht sein Ding. Nie gewesen.

Genug geplaudert: Die Schnitzel sind fertig paniert, der frische Salat für die Burger geschnitten, die Saucen abgeschmeckt. Es geht auf 11.30 Uhr zu, die Tür öffnet sich, die ersten Hungrigen des Tages wollen bedient werden. Bis gegen 22 Uhr wird der Kundenstrom wohl anhalten. Wie an fast jedem Tag. Aber künftig eben nur noch fünf Mal die Woche.

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