Adventskalender: 13 Uhr im Schultaxi
Schul-Taxi nach Westerode

Greven -

Die Fahrt zur Schule und zurück ist für viele Kinder Stress pur in überfüllten Schulbussen. Ganz anders die Fahrten im Schultaxi – hier kennt man sich, hier darf man sich entspannen.

Mittwoch, 13.12.2017, 14:00 Uhr aktualisiert: 14.12.2017, 10:36 Uhr
Genießen die entspannten Fahrten mit dem Taxi: Lukas, Jan, Tim und Dylan. Im Hintergrund Ben Branse, der sich manchmal ein Taschengeld durch Autoputzen in der Firma seines Vaters verdient.
Genießen die entspannten Fahrten mit dem Taxi: Lukas, Jan, Tim und Dylan. Im Hintergrund Ben Branse, der sich manchmal ein Taschengeld durch Autoputzen in der Firma seines Vaters verdient. Foto: Monika Gerharz

Die Jungs diskutieren ihre Noten. Die letzte Arbeit war schwer, nicht alle haben ein Traumergebnis erzielt. „Peter, würde dein Sohn Ärger kriegen, wenn er eine Sechs schreibt?“, tönt es vom hintersten Sitz des Bullis. Peter Branse grinst und zwinkert tröstend in den Rückspiegel. „Kann immer mal passieren.“

Peter Branse kurvt mit seinem Taxi durch Westerode. Eben hat er einen Schwung Gesamtschüler und einen Grundschüler aufgesammelt. Ein Mädchen hat sich telefonisch abgemeldet – alle sind da für diese Fuhre. 18 Schüler fährt der Taxiunternehmer täglich in mehreren Schichten, je nach Stundenplan. An diesem Montag stehen neun Schülerfahrten im Kalender – neben Krankenfahrten und dem üblichen Taxibetrieb.

Im Bulli ist es richtig gemütlich bei diesem Sauwetter. „Und entspannend ist es im Vergleich zum Bus!“, lobt Lukas. Kein Gedrängel – jedes Kind hat seinen Sitz, ist angeschnallt, die Tornister sind gut verstaut. „Im Bus ist das anders. Wenn der eine Vollbremsung macht, kegelt alles übereinander“, weiß Lukas. Morgens fährt er mit dem Nordwalder Bus zur Schule. Doch am Mittag kommt er in den Genuss des Taxis – das Unterrichtsende ist in den einzelnen Klassen so verschieden, dass sich zu dieser Zeit der Einsatz eines Busses nicht lohnt. „Alle Unternehmen in der Kernstadt sind für die Schülerfahrten eingespannt“, weiß Branse. Aber nicht nur die Schulzentren werden bedient. „Wir fahren beispielsweise auch ein gehörloses Kind von Reckenfeld nach Osnabrück.“

12.39 Uhr. Der Bus rauscht durch eine Pfütze, hoch spritzt das Wasser an die Scheiben. „Wenn man die Wirtschaftswege fährt, muss man schon mal öfter den Wagen waschen“, grinst Branse und bremst vor einem Gehöft. Dafür hat er in seinem Taxi noch nie einen hässlich verklebten Kaugummi unter den Sitzen gefunden. Die Kids kennen ihn, sind nett und passen auf.

Die letzten Jungs steigen aus, zurück geht es am Stock­kamp vorbei zur Anne-Frank-Realschule. Einige Jungs warten schon aufs Schultaxi. „Schau mal, wo deine kleine Schwester bleibt, Jeremias“, bittet der Taxifahrer. Er kennt alle seine Pappenheimer mit Namen, zu Nikolaus gab‘s für jeden eine Tüte. Jetzt will er sicher sein, dass sein jüngster Fahrgast, eine Erstklässlerin von der Josefsschule, sicher durch den Trubel aus Bussen, Radfahrern und den Autos der abholenden Eltern zum Taxi kommt. Drei Minuten später schieben sich die beiden Kinder durch das Gewusel, Jael ruckt sich auf ihrem Kindersitz zurecht, den sie, unter den Arm geklemmt, mitgebracht hat – und beginnt mit den Jungs unter Gekicher eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Zahnspangen. Wieder wirft Peter Branse einen Blick in den Rückspiegel und bekennt amüsiert: „Es macht richtig Spaß, diese Frohnaturen durch die Gegend zu kutschieren.“

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