Flughafenchef Rainer Schwarz setzt auf Geschäftskunden
Wirtschaft verleiht Flügel

Greven -

Der FMO steht gut da. Damit das so bleibt, will Flughafenchef Dr. Rainer Schwarz verstärkt auf Geschäftskunden setzen.

Freitag, 29.12.2017, 09:00 Uhr aktualisiert: 29.12.2017, 10:43 Uhr
Rainer Schwarz  ist seit Anfang 2017 Geschäftsführer des Flughafens in der Hüttruper Heide.
Rainer Schwarz  ist seit Anfang 2017 Geschäftsführer des Flughafens in der Hüttruper Heide. Foto: PF

Erster Eindruck: Mit dem Mann kann man reden. Gut reden. Heute keine Krawatte. Und kein Getue um den Prof. Dr., um akademische Ehren. Kein Chefbüro-Gehabe. Vielleicht weil er aus dem Ruhrpott stammt, wo die Menschen locker, jovial und auf Augenhöhe sind. In Essen geboren, bis zum Abi dort sozialisiert und danach geflüchtet in die weite Welt: Rainer Schwarz könnte bestimmt stundenlang von seinem Lebenslauf erzählen. Will er aber gar nicht. Wichtiger ist dem promovierten Diplom-Kaufmann und Honorarprofessor sein Job in Greven: Prof. Dr. Rainer Schwarz ist Geschäftsführer der Flughafen Münster/Osnabrück GmbH. Er ist 61, sehr berufserfahren und macht einen top-fitten Eindruck.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Rainer Schwarz, wie er den Flughafen unserer Heimatregion wieder auf die Gewinnerstraße bringen will: Unternehmens-Kunden, Geschäftsflieger, die starke Wirtschaft hier vor Ort, auf die setzt man am FMO. Zusätzlich zum gewünschten Wachstum im eigentlichen Kerngeschäft Tourismus ist die Ausrichtung auf Geschäftskunden eine klare, eine neue Strategie.

Diese Strategie basiert auf dem, was Schwarz in vielen Berufsjahren an Erfahrungen gesammelt hat. Er ist gut rumgekommen.

Rainer Schwarz ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Münster-Handorf. „Das Münsterland ist eine schöne Gegend, ich fühl‘ mich wohl hier“ – ein Kompliment aus dem Mund des Mannes, der in München, Potsdam und sonst wo gelebt hat.

Der Job hier in der Region hat ihn gereizt: „Am FMO sind Managementaufgaben gefragt. Es ist eine spannende Aufgabe, hier kann ich was bewegen“, sagt er. Nur auf Extra-Nachfrage räumt Schwarz ein, dass der „FMO sehr gebeutelt“ wurde und dass er „mit Platz für vier Millionen Passagiere objektiv zu groß ausgebaut ist.“

Aber: Die FMO-Probleme scheinen lösbar. Wie man am und vom Flughafen hört, krempelt Schwarz den Laden gehörig um. Intern, leise und ohne große Ankündigungen. Potenzial für eine gute Zukunft sieht Schwarz vor allem in den Geschäftsreisenden, den Mitarbeitern vieler Firmen in der Region, die schnelle Flugverbindungen vom FMO in die Welt nutzen. „Der Flughafen liegt in einer wirtschaftlich sehr starken Region. Hier gibt es schon eine sehr ordentliche Wirtschaftsstruktur.“

Diese Analyse ist Grundlage für einen echten Flughafen-Chef-Satz: „Geschäftsreisende sind der Backbone des FMO. Da wollen wir mehr draus machen.“ Wer die Manager-Phrase „Backbone“ einfach ersetzt durch „Rückgrat“, der liegt richtig.

Zurück zum Geschäft: Was der Firmen-Flieger braucht, „davon gibt es hier schon einiges“, sagt Rainer Schwarz. Und weist darauf hin, dass es in Greven eine „fast lane“, eine Schnellstraße für Geschäftsreisende bei der Sicherheitskontrolle gibt. Service, Service, Service . . . das ist es, was Firmenkunden wollen. Übrigens, bemerkenswert: „Prozentual gesehen, natürlich nicht in absoluten Zahlen, hat der FMO den höchsten Anteil an Statuskunden bundesweit.“

Zudem möchte Flughafenchef Rainer Schwarz durch Eigenrecherchen und in Kooperation mit der IHK eine solide analytische Basis schaffen: „Wir erheben jetzt die Bedürfnisse und den Bedarf der Firmen in der Region. Wir werden ganz gezielt die Reisestellen der Mittelständler in der Region ansprechen“, sagt Schwarz. Dazu gehört auch, die Wünsche nach neuen Zielen abzufragen, die Firmenkunden ab FMO gerne erreichen möchten.

Am „Name-Dropping“ – noch so ein englisches Einsprengsel – am platt gesagt „Raushauen“ neuer Flugziele möchte sich Rainer Schwarz gar nicht gerne beteiligen. Sagt man aber vorsichtig Wien, sagt Schwarz wenigstens nicht Nein. Es ist eine neue Form von Bescheidenheit, die am FMO Einzug gehalten hat. „In etwa einem halben Jahr wissen wir, wo wir stehen“, sagt der Chef im Hause. Dazu beitragen wird, dass er einen Kundenbeirat einrichten möchte, natürlich mit speziellem Blick auf die Wirtschaft: „Wir möchten mit den Geschäftsleuten zu einem wesentlich engeren Austausch kommen.“

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