Der FMO im Aufwind
Was für ein Jahr!

Greven -

Der FMO befindet sich im Aufwind: 2017 verzeichnet der Flughafen ein Passagierplus von 22 Prozent – so viel wie kein anderer deutscher Airport.

Freitag, 29.12.2017, 07:00 Uhr
Sonnenaufgang am FMO: Das Jahr 2017 lief für den Flughafen sehr gut, vor allem dank Germania und Lufthansa.
Sonnenaufgang am FMO: Das Jahr 2017 lief für den Flughafen sehr gut, vor allem dank Germania und Lufthansa. Foto: Gunnar A. Pier

Was für ein Jahr! Der Aufstieg des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) vom Branchen-Verlierer zum Airport mit dem bundesweit stärksten Passagierwachstum hat fast schon etwas Beängstigendes. Auf rund 785 000 Fluggäste war der FMO 2016 hinabgerauscht; in diesem Jahr werden es bekanntermaßen rund 175 000 Passagiere mehr sein.

Plus 22 Prozent also: Woher die kommen, ist hinreichend beschrieben. Maßgeb­lich durch das erweiterte Angebot der Germania und das Aufsatteln bei Lufthansa.

Die Frage, die sich nun stellt, liegt auf der Hand. Wie geht es 2018 weiter? Die Antworten sind insofern aufgeladen, da sie nicht nur etwas mit Statistik, sondern auch mit Erwartungen zu tun haben. Und mit einem bangen Gefühl. Hat der FMO die Wende geschafft? Kann er auch 2018 wieder punkten? Kurzum: War der Erfolg 2017 eine Eintagsfliege oder der Anfang von etwas Neuem?

Klar ist, sagt FMO-Sprecher Andrés Heinemann, „erneut 22 Prozent bei den Passagierzahlen draufpacken wird nicht gelingen“. Wichtig für 2018 seien eine gute Fluggast-Zahl und so etwas wie eine frohe Botschaft. Bei ersterem legt er sich natürlich nicht fest. Die interne Zielmarke lautet angeblich: „Ei­ne Zahl mit einer neun vorne.“ Und die positive Nachricht? Wäre zum Beispiel die Stationierung einer dritten Germania-Maschine 2019.

Apropos Germania, die ist inzwischen das, was die selige Air Berlin einst war: eine Hausmarke am FMO. Die Airline ist mit dem abgelaufenen Jahr in Greven zufrieden. „Von den Passagieren sind wir sehr gut angenommen worden“, sagt Claus Altenburg, der sich „Director Sales & Route Development“ nennt. Griechenland sei sehr gut gelaufen, ebenso die Kanarischen In­seln und Antalya. Nur Palma war ein Wermutstropfen, die Konkurrenz war sehr stark. 2018 wird Germania wieder zwei (kleinere) Airbusse in Greven stationieren – und über den Winter dort belassen.

Wobei: Stärkster Carrier ist in Greven nach wie vor die Lufthansa, deren Drehkreuzverbindungen nach Frankfurt und München derart brummen, dass der Kranich im kommenden Jahr sein Angebot auf der München-Strecke um 25 Prozent aufstockt. Mehr Kapazitäten haben auch Pegasus (20 Prozent) und Sun Express (75 Prozent) angekündigt. Wobei der Absturz der Niki-Airline dem FMO ei­nen Verlust von fast 50 000 Fluggästen bescherte. Das Business ist halt ständig im Fluss.

Langsam wachsen. Das ist die Strategie von FMO-Chef Prof. Rainer Schwarz. Sie hat klare Eckwerte. Die Schallmauer von einer Million Fluggäste will er 2020 durchbrechen, die schwarze Null soll unmittelbar folgen. Jährlich rund 1,2 Millionen Passagiere braucht der Flughafen, um profitabel zu sein, hat die Unternehmensberatung „PwC“ ermittelt. Um dorthin zu gelangen braucht der Airport Billig-Airlines. „Ei­ne Million Passagiere können wir konventionell erreichen“, sagt Heinemann. Fürs Mehr wäre das Engagement ei­ner Ryanair, Wizz Air, oder Eu­rowings nötig.

Und neue Ziele? Wien und Berlin sind die Champions beim Wünsch-Dir-was. Beide Destinationen haben Potenzial, beide sind aber nur schwer an den Markt zu bekommen. Berlin, so ist zu hören, eher noch als Wien; hier sind Lufthansa und ihre Töchter quasi Monopolisten – warum da noch Greven ins Programm aufnehmen?

Nach dem jüngsten Gesellschafterbeschluss ist der FMO 2020 entschuldet. Das und die Tatsache, dass der Flughafen wieder in der Szene wahrgenommen wird, hat ei­ne alte Debatte neu entfacht. Um die Verlustabdeckung für die Eigentümer reduzieren zu können, war 2015 über eine Trennung von Betrieb und Besitz und damit über eine Privatisierung der Flughafen GmbH diskutiert worden. Dass damals kein Investor anbiss, lag nahe.

Der Kreis Steinfurt ist mit 30 Prozent Anteilen nach Münster zweitstärkster Ei­gentümer – und hat dementsprechend beim Schuldentilgen tief in die Tasche greifen müssen. Kreis-SPD und -CDU überlegen nun, den alten Plan wieder aufwärmen. Ein schuldenfreier und wieder florierender Flughafen wäre womöglich eine att raktive Braut.

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