Verhandlung vertagt
Wer misshandelte wen?

Greven/Rheine -

Hat ein Mann seine Freundin geschlagen oder war es gar umgekehrt? Das konnte vor dem Amtsgericht in Rheine nicht geklärt werden, weil die Freundin des Angeklagten nicht erschien.

Mittwoch, 17.01.2018, 22:56 Uhr aktualisiert: 18.01.2018, 17:00 Uhr
 
  Foto: nn

Wegen drei vorsätzlicher Körperverletzungen und einer Freiheitsberaubung stand jetzt ein 27-jähriger Mann aus Greven in Rheine vor dem Schöffengericht. Er soll seine nach kosovarischem Recht angetraute Ehefrau am 20. und 21. Mai 2016 aus Eifersucht schwer misshandelt und sie schließlich in der Wohnung in Greven eingeschlossen habe.

Laut Anklage rief die Frau aus dem offenen Fenster um Hilfe und wurde von Polizeibeamten befreit. Vor Gericht erschien sie allerdings nicht als Zeugin. Sie hatte vor dem Prozess bei Gericht angerufen und gesagt, dass sie kein Geld für die Fahrt habe und nach einem operativen Eingriff vor ein paar Tagen unter Schmerzen leide. Deswegen wurde die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt.

Nach der Anklageverlesung mit den schwerwiegenden Tatvorwürfen schüttelte der Angeklagte den Kopf und sagte: „In Wahrheit bin ich von ihr misshandelt worden“. Er beschrieb, wie sehr sie ihn wegen eines Fotos, auf dem er mit seiner Cousine zu sehen ist, unter Druck gesetzt habe.

Im Mai 2016 sei sie ins Frauenhaus gegangen und habe ihn kurz danach wieder angerufen. „Sie hat mir immer gedroht, mich anzuzeigen, weil ich unter Bewährung stand“, klagte er über Attacken. Tatsächlich habe die Frau immer wieder nach anderen Männern gesucht und mit diesen intime Kontakte gepflegt. Dem Gericht zeigte der Angeklagte eine Whatsapp-Nachricht, in der seine Frau mit drastischen Worten nach bestimmten Bedürfnissen einen Mann gesucht habe, weil ihr Freund sie verlassen habe. Auf Anfrage versicherte er, dass er mit ihr nichts mehr zu tun haben wolle.

Als Staatsanwalt und Richterin fragten, ob er mit der Frau nach deutschem Recht verlobt sei, antwortete er: „Gewesen“. Damit hat die Geschädigte bei der nächsten Verhandlung kein Aussageverweigerungsrecht, wie die Juristen konstatierten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5432707?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker