Mariengrundschule
100 mal Ja – 37 mal Nein

Greven -

Ein Dilemma: Die Mariengrundschule kann 100 Kinder aufnehmen, erhielt aber 137 Anmeldungen. Nun stellen sich Eltern die bange Frage: Wer wird angenommen, wer nicht? In der kommenden Woche sollen die Eltern darüber in Kenntnis gesetzt werden, welche Kriterien den Ausschlag geben.

Donnerstag, 25.01.2018, 19:56 Uhr aktualisiert: 25.01.2018, 20:00 Uhr
Marita Lödde-Wilken und Cosimo Palomba haben das Schulgesetz intensiv studiert.  
Marita Lödde-Wilken und Cosimo Palomba haben das Schulgesetz intensiv studiert.   Foto: oh

Das Wort Ablehnung – geht für sie gar nicht. „Ich lehne kein Kind ab, ich kann hier nur leider nicht jedes Kind aufnehmen“, sagt Marita Lödde-Wilken, Leiterin der Mariengrundschule. „Das ist mir ganz wichtig zu betonen. Es geht hier um Kinder. Da sind die Befindlichkeiten hoch.“

Und doch führt kein Weg daran vorbei: 37 Kinder, die an der Grundschule St. Marien (Platz für 100 Kinder) angemeldet wurden, werden dort nicht aufgenommen. Die bange Frage, die sich Kinder und deren Eltern seit Wochen stellen: Wer darf – und wer nicht?

Schule, Stadt und Schulaufsicht haben dies in den zurückliegenden Wochen intensiv besprochen und viele rechtliche Details geklärt. Inzwischen steht der Fahrplan. In der kommenden Woche sollen die Eltern informiert werden – ganz bewusst nicht via Zeitung. „Mir ist wichtig, es persönlich zu erklären und die Betroffenheit direkt aufzunehmen. Ich will es so präzise und objektiv wie möglich darlegen“, sagt die Pädagogin, die deshalb vorab nichts preis geben will.

Nur soviel steht fest, wie der Beigeordnete Cosimo Palomba erläutert: „Es geht nicht nach dem Nasenprinzip.“ Am Schulgesetz gehe kein Weg vorbei. Das sieht als einzige verbindliche Vorgabe vor, dass ein Kind Anspruch auf einen Platz an der nächstgelegenen Grundschule hat. Heißt: Wer näher an der Mariengrundschule als an einer anderen wohnt, hat gute Karten. Um die Verteilung der Plätze zu regeln, sind auch Kriterien wie die Konfessionszugehörigkeit, Geschwisterkinder an der Schule oder weitere Vorgaben möglich. Welche letztlich zum Tragen kommen, erfahren die Eltern bald. Die Stadt hat zwischenzeitlich den Schulweg jedes einzelnen der 137 Kinder exakt ermittelt. „Das ist die Grundlage für alle weitere Entscheidungen“, sagt die Schulleiterin.

Warum werden an der Mariengrundschule nicht einfach mehr Eingangsklassen gebildet? „Wir müssten dann sechs erste Klassen bilden. Das können wir räumlich nicht schaffen“, betont Lödde-Wilken. Schon jetzt fehlten (trotz just eröffnetem Anbau) Räume für vier Klassen, die provisorisch in Containern unterkommen müssten. Auch die eigentlich angedachte Lösung, mit Schuleinzugsbezirken zu arbeiten, hat sich zwischenzeitlich wegen rechtlicher Hürden zerschlagen. Das hat für zusätzliche Unruhe in der Elternschaft geführt, wie Palomba bereitwillig einräumt. Die nach seiner Einschätzung durchaus nachvollziehbare Kritik mancher Eltern an dieser Rolle rückwärts nehme man sehr ernst. Aber: Auch Schulbezirke hätten nichts daran ändern, dass nicht alle Kinder aufgenommen werden können. Nun wolle man einen transparenten und gerechten Weg einschlagen. Lödde-Wilken: „Es ist total schwierig. Jeder hat jeweils gute Gründe dafür, dass sein Kind unsere Schule besuchen soll. Jeder Einzelfall tut mir total leid.“ Sie wisse, dass Eltern in „großer Sorge“ und zum Teil „tieftraurig“ seien.

Palomba argumentiert, dass es exzellente Alternativen gebe. „Wir haben in Greven ausschließlich sehr gute Grundschulen.“ Und an jeder einzelnen seien die Kinder, die an der Marienschule nicht zum Zuge kämen, hochwillkommen.

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