Mo., 12.03.2018

Weltfrauentag: „Dulabi“ groovt in der Bibliothek Sie planen den nächsten Coup

Die Damen von Dulabi bei einer Handpuppen-Romanze.

Die Damen von Dulabi bei einer Handpuppen-Romanze. Foto: Stefan Bamberg

Greven - 

Passend zum Weltfrauentag. Eine Show rund um Krimi, Mord, Liebe und andere Kleinigkeiten.

Von Stefan Bamberg

Am besten ist’s, wenn‘s vorm Einschlafen kracht und blutet. Findet nicht nur die Mimi, die ja ohne Krimi nie ins Bett geht. Sondern auch Celina Python und Götz E.: Und dabei ist’s ihnen – der lyrikaffinen Schlange und dem schwäbelnden Poeten – völlig wurscht, ob es eine makabre Erich-Kästner-Ballade ist. Oder eine fiese Heinrich-Heine-Moritat. Oder ob der Mörder wie immer der Gärtner war.

Um mal im Liedtext zu bleiben: Dieser Freitagabend mit dem Duo „Dulabi“ schlägt erbarmungslos zu. Zum Weltfrauentag tanzt die seit Wochen ausverkaufte Stadtbibliothek einen literarisch-feurigen Kriminaltango.

Mit Reinhard Mey, Hardrock, Oper – und zwei Künstlerinnen, die stets den nächsten Coup planen. „Raten Sie mit!“, ist etwa die Aufforderung zum Krimimelodien-Quiz: „Was läuft Sonntag im Ersten? Und Freitag? Eigentlich jeden Tag?“, flötet Heike Michaelis am Piano. Tatort, das war leicht – doch wer erkennt noch Miss Marple und den Alten? „Meine Damen, teilweise sind die Melodien etwas älter“, säuselt Saxofonistin Regina Fischer. „Aber wenn ich so in die Reihen schaue, passt das ja.“

Selbstironisch wittert eine Zuschauerin – in diesen Tagen, wo das Thema Gleichberechtigung eh schon auf dem Tisch liegt – auch noch Altersdiskriminierung. Insgesamt aber spielt heute alles Politische – von Equal Pay bis Gender-Debatte – eine Nebenrolle: „Das soll einfach ein Verwöhn-Abend sein“, sagt Mitinitiatorin Petra Freese, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt.

An dem neue Schurken bereits lauern: eher unfähige beim urkomischen „Ba-Ba-Banküberfall“. Danach aber ist die Erste Allgemeine Verunsicherung wirklich angebracht: die Ballade von Bonnie und Clyde. Schillers Räuber. Der nächste Gauner schleicht sich aus der – akustisch fabelhaft erzeugten – Dunkelheit heran: „Die Dreigroschenoper!“, flüstert es im Publikum, da ist Mackie Messer schon mordend unterwegs.

In der zweiten Halbzeit bettet das Duo strafrechtlich höchst relevante Kurzgeschichten ins berühmte James-Bond-Thema ein. Das einzige noch fehlende Verbrechen? „So eine richtige Menschenjagd!“, jubelt Celina.

Einen Wimpernschlag später läuten die Höllenglocken auf dem „Highway to Hell“ – nun greift Fischer gar zur E-Gitarre. Und wir verstehen spätestens jetzt, was mit „Multi-Instrumentalistin“ gemeint ist.

Das ist musikalische Champions League – obwohl der anschließende Ausflug in Puccinis „Tosca“ der einen oder anderen vielleicht ein kleinwenig zu abgespaced ist.

Über die sich anbahnende Handpuppen-Romanze jedoch freuen sich wieder alle: Blöd nur, dass Götz‘ Liebeserklärung als Plagiat auffliegt – „Something stupid“ haben Robbie Williams und Nicole Kidman schon mal gesungen. „Das melde ich der GEMA!“, droht Celina. Perfekte Überleitung zum Schlussakt, der „Prinzen“-Hymne an die Kleptomanie: Alles nur geklaut, nur gestohlen, nur gezogen und geraubt? Nix da: „Dulabi“ – dieses Lady-Duo ist ein echtes Original!



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