Di., 13.03.2018

Archivtag im Ballenlager Vom Aktenschrank zur Festplatte

Archivare im Rathaus (v.l.): Anna Lindenblatt, Michael Pavlicic, LWL-Referentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Bürgermeister Peter Vennemeyer und LWL-Archivamtsleiter Dr. Marcus Stumpf.

Archivare im Rathaus (v.l.): Anna Lindenblatt, Michael Pavlicic, LWL-Referentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Bürgermeister Peter Vennemeyer und LWL-Archivamtsleiter Dr. Marcus Stumpf. Foto: Günter Benning

Greven - 

Immer mehr Akten sind digital. Wie die Archive damit umgehen, diskutieren 260 Archivare an zwei Expertentagen in Greven.

Von Günter Benning

Von der Geburt bis zum Tod, für alles gibt es Urkunden. „Aber immer mehr Akten werden rein digital erzeugt“, sagt Dr. Marcus Stumpf, der Leiter des LWL-Archivamtes. Für die Mitarbeiter der kommunalen Archive ist das eine Riesenherausforderung. Beim 70. Westfälischen Archivtag, der am Dienstag und Mittwoch in Greven stattfindet, geht es für 260 Archivare um Lösungen. Ob Aktenberg oder Datenspeicher – alles sollte ewig halten.

Anna Lindenblatt, Grevens Stadtarchivarin, hat mit ihren Kollegen die Großveranstaltung im Ballenlager und im Rathaus organisiert. Im Rathauskeller schraubt sie ein Aktenregal auf. Tief gestaffelt befinden sich darinnen schwarze Kartons voller Schätze. Was zum Anfassen. „Ich habe zum Beispiel meine Amtskette aus dem Stadtarchiv bekommen“, sagt Bürgermeister Peter Vennemeyer. Es war eine schöne alte, die moderne gab er zur Aufbewahrung.

Ketten kann man anfassen, Urkunden und Pläne auch. „Aber anders als Pergament und Papier sind digitale Formate und Speichermedien nicht für eine dauerhafte Aufbewahrung geeignet“, sagt Archiv-Chef Stumpf. Wer könne heute etwa noch etwas mit Disketten anfangen?

Für das Archivamt, um das NRW von anderen Ländern beneidet wird, wie LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger lobt, geht es darum, die vielen Archive im Land auf einen technischen Nenner zu bekommen. Software, die auch in 100 Jahren noch gelesen werden kann, Datenformate, die man zwischen den Systemen austauschen kann. Seit 2016 stellt die LWL.IT-Serviceabteilung das Modul DiPS.kommunal zur Verfügung, mit dem Langzeitarchivierung in den Kommunen möglich sein soll.

„Dafür haben wir die Mittel deutlich erhöht“, sagt Kulturdezernentin Rüschoff-Parzinger. Was wohl auch notwendig war, wie bei einem Pressegespräch der stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung Michael Pavlicic erklärt: „Seit den 80er Jahren wurde nämlich nichts mehr erhöht.“

Pavlicic selbst ist Leiter eines kleinen Archivs in Bad Lippspringe. In der Welt der Archivdaten hat sich für ihn so einiges geändert. Zum Beispiel hätten sich schon vor Jahren die Schutzfristen für Personendaten geändert. Sterbedaten sind jetzt schon nach 30 Jahre öffentlich zugänglich, Heiratsdaten nach 80 Jahren und Geburtsdaten noch 110 Jahren.

Dass Archivarbeit sich auch aus Sicht der Kunden ändern müsse, ist für Marcus Stumpf klar: „Die kennen nur den Google-Schlitz.“ Nämlich die Möglichkeit, mit wenigen Stichworten zu interessanten Ergebnissen zu kommen. Davon ist die Sucharbeit in vielen Archiven weit entfernt. Für digitale Angebote müssen komplizierte rechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden, weiß Archivar Pavlicic, „sonst gibt es Ärger mit den Datenschützern.“



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