Interview mit Kathrin Engels, Chefärztin im Maria-Josef-Hospital
„Mehr Zeit am Krankenbett“

Greven -

Kathrin Engels leitet seit August die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Grevener Maria-Josef-Hospital. Mit der neuen Chefärztin, die in Münster lebt, sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Freitag, 23.03.2018, 18:56 Uhr aktualisiert: 25.03.2018, 16:00 Uhr
Kathrin Engels ist neue Chefärztin am Maria-Josef-Hospital.
Kathrin Engels ist neue Chefärztin am Maria-Josef-Hospital. Foto: Günter Benning

Sie sind jetzt seit einem halben Jahr in Greven und waren vorher in Lüdenscheid. Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie gab es hier bisher nicht?

Engels: Das Fachgebiet gab es in diesem Krankenhaus vor vielen Jahren unter der Leitung von Dr. Wegmann. Bei der Aufteilung der drei Krankenhäuser der CKT ist alles, was Allgemein- und Viszeral-Chirurgie gewesen ist, in Emsdetten behandelt worden, die Unfallchirurgie und Orthopädie ist damals mit einem Schwerpunkt hier geblieben.

Das hat sich nun wieder geändert?

Engels: Ja, dies Konstrukt ist mit dem Konkurs der CKT und der Übernahme dieses Hauses durch die St. Franziskus-Stiftung aufgehoben worden. Unser neues Ziel ist es, hier die Chirurgie - wie es zeitgemäß ist - mit zwei Standbeinen anzusiedeln.

Erklären Sie mal, was eigentlich Viszeralchirurgie bedeutet?

Engles: Es leitet sich ab vom lateinischen Viscerum, das Organ. Grob gesagt ist der Hauptschwerpunkt die Bauchchirurgie. Aber Organe haben wir auch an vielen anderen Stellen des Körpers. Zum Beispiel die Schilddrüse, die Nebenschilddrüse, die Lymphknoten, auch Achselhöhle und Leiste. Auch die Venen- und Gefäßerkrankungslehre gehört zu meinem Bereich.

Dass Sie jetzt hier tätig sind, bedeutet für dieses Haus mehr Operationen?

Engels: Sicher, da geht der Weg hin. Im Moment steigen die OP-Zahlen kontinuierlich. Ziel ist es, dass wir unsere vier OP-Säle mit den Abteilungen, die wir im Hause haben, täglich auslasten. Das haben wir bald erreicht.

Das bedeutet für Patienten aus Greven, dass sie nicht mehr für derartige Operationen nach Osnabrück oder Münster fahren müssen?

Engels: Im Allgemeinen ja. Es gibt aber drei operative Eingriffe, die ich ausschließe für ein Haus in unserer Größenordnung. Das ist die Speiseröhren-Chirurgie,weil sie prinzipiell einen Zwei-Höhlen-Eingriff in Brust- und Bauchraum erfordert. Das ist die Bauchspeicheldrüsen-Chirurgie, die gehört in spezielle Zentren. Und das ist die Enddarm-Chirurgie – der ganz tiefe Dickdarm. Dafür haben wir Experten in unserem Mutterhaus. Das sind Patienten, die stelle ich der Allgemein- und Viszeral-Chirurgie des St. Franziskus Hospitals in Münster vor.

Den Austausch können sie ja schon zu Hause pflegen. Ihr Mann arbeitet als Viszeral-Chirurg am Franziskus. Erledigen Sie die Überweisung beim Frühstück?

Engels: Das geht sogar manchmal so (lacht).

Die Operationstechnik hat sich im Laufe der Zeit sehr geändert. Sie bemühen sich, vor allem minimal-invasiv vorzugehen. Was bedeutet das?

Engels: Bezogen auf den Bauchraum ist das am einfachsten zu erklären. Früher haben wir Operationen im Bauchraum durch einen mehr oder weniger langen Schnitt durch die Bauchdecke durchführen müssen. Das, was Schmerzen bereitet nach einer Operation, ist der Zugangsweg. Wir haben die sensiblen Nerven in unserer Bauchdecke, die Bauchhöhle vermittelt eher ein dumpfes Schmerzgefühl. Vor 30 Jahren sind kluge Operateure auf den Gedanken gekommen, den Zugangsweg zu minimieren. Wir pusten die Bauchdecke auf und haben gelernt, mit Blick auf einen Bildschirm im Bauch dasselbe zu tun, wie wir es früher am offenen Bauch gemacht haben.

Das heißt auch, die Verweilzeiten im Krankenhaus werden kürzer?

Engels: Das Entscheidende, das wir vor allem in der Darmchirurgie gelernt haben, ist: wir versorgen die Patienten durch unsere Anästhesisten mit einem Schmerz-Katheter und können sie viel früher aufstehen lassen. Alles heilt besser. Viel bewegen, normal trinken und essen, das ist nach diesen Operationen wichtig.

Oft sind Ihre Patienten schon älter. Wie stellen Sie sicher, dass sie, wenn sie früher nach Hause kommen, gut versorgt werden?

Engels: Ich werde sicher nicht einen 85-jährigen Patienten so früh nach Hause lassen wie einen 55-Jährigen. Ich bin glücklich, dass wir hier im Hause eine Frührehabilitation haben, so dass wir Patienten rasch nach einer Operation einfach zwei Stationen runter legen können. Was die Kollegen dort vor allem haben, ist mehr Manpower für Pflege und Krankengymnastik. Das ist für die Patienten wichtig.

Sie kommen aus einem 1000-Betten-Krankenhaus. In Greven sind es 191. Das ist sehr überschaubar. Wie ist ihre Arbeit im Vergleich?

Engels: Schön. Was ich schätzen gelernt habe, ist eine ganz enge Kommunikation zwischen den Kollegen. Eine sehr enge und hierarchisch flache Kommunikation zwischen den Berufsgruppen, was die Dinge sehr vereinfacht. Und ich empfinde eine wesentlich größere Nähe zu den Patienten, man hat auch mal ein bisschen mehr Zeit, am Patientenbett zu sitzen.

Wenn Sie mal einen Wunsch äußern dürften, was würden Sie bis zur Pensionierung verändern?

Engels: Ich möchte dauerhaft die Dickdarmchirurgie weiter ausbauen, einen Schwerpunkt auf die Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsen-Chirurgie gewinnen. Und ich möchte einfach mehr junge Kollegen ausbilden. Ein großes Ziel, auch von meinem anderen Chefarzt-Kollegen, ist es, vielleicht doch dieses Krankenhaus als Lehrkrankenhaus anbieten zu können. Das heißt, Studenten des letzten Studienjahres einbinden zu können. Das erfordert natürlich einen hohen Anspruch an die Lehre, wir müssen ja auch was bieten, damit wir damit Erfolg haben.

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