Stadtentwickler Matthias Herding
Millionen-Projekte im Visier

Greven -

Einige Großprojekte hat Matthias Herding vor der Brust. Der 39-Jährige ist der neue Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung im Rathaus.

Samstag, 14.04.2018, 07:03 Uhr aktualisiert: 14.04.2018, 07:10 Uhr
Matthias Herding in seinem noch karg eingerichteten Büro im Rathaus.
Matthias Herding in seinem noch karg eingerichteten Büro im Rathaus. Foto: Günter Benning

Sein Büro ist karg. Grauer PVC-Boden, graue Tür, winziger Besprechungstisch. „Ich bin noch nicht ganz eingerichtet“, sagt Matthias Herding (39), Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung im Rathaus. Vielleicht lohnt sich derzeit mehr auch nicht. Das erste richtig große Projekt, das Herding angehen muss, ist der Komplett-Umbau dieses Betonbaus, für dessen Stil sich im Französischen der verständliche Name „Brutalisme“ entwickelt hat.

Mit Frau – einer Fotografin – und zwei Kindern wohnt Herding in Münster: „Acht Minuten mit dem Zug entfernt.“ Aber gebürtig ist er aus Ochtrup. Auch das eine Ex-Textilstadt. Sein Vater, sagt er, habe noch als Textiler gearbeitet.

Er selbst hat Geografie und öffentliches Recht studiert, Schwerpunkt Stadtplanung und Städtebau. Dann war er einige Jahre im Stadtplanungsamt Düsseldorf tätig, bei einem Büro für Stadt- und Raumentwicklung in Dortmund und dann wieder im Düsseldorfer Amt. Übrigens – was ein bisschen seine Heimatverbundenheit zeigt – immer als Fernpendler. Die ICs um 6.01 und 6.30 Uhr ab Münster sind ihm gut bekannt.

Von Düsseldorf in die Kleinstadt. Geht das? „Sicher“, sagt Herding, „denn auch dort war ich zuletzt zuständig für den Bereich Umweltbelange in der Stadtplanung und Erneuerung.“ Das lief quartiersbezogen, etwa für den Stadtteil Garath mit 20 000 Einwohnern.

Wer eine neue Stelle antritt, guckt sich um. Herdings erster Familienausflug führte zum Niederort. „Da haben wir im Sommer Eis gegessen und uns gedacht, hier bewegt sich was.“

Die Kleinteiligkeit der Innenstadt findet er ansprechend. Aber der Stadtplaner sieht auch viele offene Flanken und Unfertiges. In Greven, findet er, „gibt es ein großes Potenzial, wo ich Ideen entwickeln möchte“.

Man wird Matthias Herding nicht in die Klage einstimmen hören, dass sein Fachbereich völlig überlastet sei. Mit all den großen Aufgaben: Rathausumbau, Rathausstraßen-Umgestaltung, Entwicklung weiterer Gewerbegebiete, Planung von neuen Wohngebieten.

Aber er sagt schon, dass das Wachstum der Stadt „eine große Herausforderung bleibt“. Je nachdem, welcher Prognose man folgt, könnten im Jahr 2030 rund 40 000 Menschen in Greven wohnen. Eine Challenge – aber auch eine Chance.

Bei den neu nach Greven kommenden Bürgern sei vor allem die Gruppe der 30- bis 50-Jährigen und der 0- bis 16-Jährigen groß.

Das heißt: Vor allem Familien zieht es in die kleinen Stadt am Rand der großen Stadt. Mit allen Konsequenzen für die Infrastruktur an Schulen, Sporteinrichtungen, Arbeitsplätzen und Innenstadtgestaltung.

Gerade die wellenartigen Bewegungen in der Bevölkerung fordern Herding heraus. Wer heute 40 ist und Kinder im Haus hat, wohnt in 20 Jahren allein Zuhause. Eine Entwicklung, die in vielen Wohngebieten der Stadt nachzuvollziehen ist. Der Stadtplaner spricht da von „Mindernutzung“ des verfügbaren Raums. Die Antwort darauf heißt Nachverdichtung. Und die Konflikte, die entstehen, wenn in bestehenden Wohngebieten kleinere Doppelhäuser oder Mietwohnungen Lücken füllen, hat Herding bereits am eigenen Leib gespürt.

Der Bebauungsplan an der Steenbergstraße war so eine Nagelprobe. Andere können folgen.

Für ihn ist es wichtig, dass Bürger in die Planungen eingebunden sind. Damit hat er sich in seinen Dortmunder Lehrjahren befasst. Darum findet er auch das Konzept des integrierten Stadtentwicklungsprojekts gut, in dem die Bürgerbeteiligung eine große Rolle spielt.

Die nächsten Jahre wird sich Herding nicht langweilen. Für das Rathaus werden sechs bis sieben Millionen Euro verbaut werden. Dazu kommt die zentrale Energieversorgung durch regenerative Quellen – für die es 19 Millionen Euro Zuschüsse vom Land gab.

Auch der Umbau der Rathausstraße muss in den nächsten drei Jahren in Angriff genommen werden. Ganz zu schweigen vom Ausbau der Gewerbeflächen, etwa im Bereich der Mergenthaler Straße.

Manche Leute, sagt Herding, würden mit Greven noch den „Mythos Schlafstadt“ verbinden. Soviel kann er nach etwas über 100 Tagen im neuen Amt sagen: „Das ist eine Zielsetzung, die wir nicht unbedingt verfolgen.“

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