Katharina Meier arbeitete als Köchin auf der „Sea Cloud II“
Kiefernstraße – Zürich – Barbados

Reckenfeld -

Katharina Meier aus Reckenfeld war drei Monate als Köchin auf einem Luxusliner in der Karibik unterwegs. Was nicht überrascht: Sie hat viel zu erzählen.

Samstag, 14.04.2018, 10:03 Uhr aktualisiert: 15.04.2018, 18:46 Uhr
Katharina Meier arbeitete als Köchin auf der „Sea Cloud II“: Kiefernstraße – Zürich – Barbados
Foto: Katharina Meier

Auf den letzten Seiten schlägt das Fernweh brutal zu. Beim Arm-in-Arm-Schnappschuss mit den beiden Kolleginnen, kurz vor der Partynacht auf Antigua. Bei diesem strahlend weißen Dreimaster, der wie ein Piratenschiff aussieht. Und den Stränden, die man auf irgendwelchen Facebook-Flitterwochenfotos schon mal gesehen hat. Katharina Meier klappt das Album zu und atmet einmal tief durch: „Im Moment denke ich öfter: ‚Ich will zurück!‘“ Na klar, sie freut sich, dass sie wieder bei ihrem Freund ist. Darüber, Zeit mit Schwester Antonia, Mama Angela und Papa Thomas zu verbringen. Und ja, sogar ein bisschen über Reckenfeld – irgendwie. Zwei Wochen in der Kiefernstraße? „Da ist man dann wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen“, schmunzelt die 24-Jährige. Früher dachte sie mal, sie würde vielleicht hier bleiben. Wobei das jetzt doch schon länger her ist: Mit 20 ist Katharina nach Zürich gezogen, nach ihrer Ausbildung zur Köchin in Münster. Und gerade in diesem Jahr war die Heimat so weit weg wie noch nie. Die Chance ergab sich eher plötzlich, über einen, der wen kennt, der wen kennt – wie oft in diesem Job: „Ich wollte schon immer unbedingt mal auf ein Kreuzfahrtschiff“, erzählt Katharina.

Und dann ging es vergangenen Sommer ganz schnell – das Angebot: drei Monate, ab Dezember, in der Karibik. Der Arbeitsplatz: die berühmte Sea Cloud II“, der segelnde Luxusliner. Die Route: Überfahrt von Gran Canaria, dann sechsmal: Barbados – Tobago Cays – Grenada – Union Island – Bequia – Îles des Saintes – St. Lucia – zurück nach Barbados.

Reckenfelder Schiffsköchin an Bord der „Sea Cloud II“

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  • Foto: Stefan Bamberg

Obwohl: Ein Zurück gibt es eigentlich nicht. „Es ist alles neu, es gibt kein Probe-Arbeiten, man kennt vorher keinen“, erklärt Katharina. „Entweder man kommt dort klar oder eben nicht.“

Danach fragt auch keiner, so lange den Passagieren das Essen schmeckt. Maximal 90 fahren mit, um sie kümmert sich eine internationale 46-köpfige Mannschaft, vier Köche, eine Bäckerin – alles andere als Massenabfertigung also.

Und so erwarten die meisten auch nicht viel weniger als die Reise ihres Lebens – neun Nächte mit dem Flair eines täuschend echten Seeräuberschiffs kosten bis zu 9000 Euro pro Nase. Es gibt dort Piratenabende, an denen die komplette Crew verkleidet Matrosenlieder singen muss. Ausflüge zu Rum-Destillerien auf Grenada. Und ganz viel zu essen: Die sechs Mahlzeiten am Tag, sie sind kein Klischee.

Und die nörgelnden Touris, denen selbst das zu wenig ist, wohl auch nicht – oder? Katharina Meier lacht: „Es gibt ganz sicher auch nette Kreuzfahrer.“ Ein Ehepaar aus Bochum hat ihr am letzten Abend das Du angeboten – und ihr neulich sogar eine Dankeschön-Mail geschrieben.

Klar ist aber: Mit Urlaub hat die Arbeit als Schiffsköchin – oder offiziell: Chef de Partie – wenig zu tun. Von Anfang Dezember bis Ende Februar hat sie durchgearbeitet, ohne komplett freien Tag. Aber natürlich gibt es auch die Momente, in denen man die Welt sieht: „Ich hatte mich vorher ehrlich gesagt nie mit der Karibik beschäftigt“, sagt Katharina. Das Erste, was ihr auffiel: „Die Farben sind einfach der Wahnsinn.“ Und die Menschen irgendwie fröhlicher: „Die Lebenseinstellung der Leute ist sehr positiv. Sie nehmen Fremde so herzlich auf, wie ich es mir hier auch wünschen würde.“

Doch, Stichwort Herzlichkeit: Auch in ihrem Kollegenkreis hat Katharina Freundschaften geschlossen. Dass sie den 30. Geburtstag ihres Freundes verpasst hat, war hart. Auch Weihnachten so weit weg von zu Hause. „Aber die Crew wird in der Zeit Deine Ersatz-Familie.“ Und: Ihre Lieben daheim haben ihr die Abwesenheit großzügig nachgesehen. „Mein Freund kommt auch aus der Gastronomie“, lacht sie. „Und Mama ja auch.“

Vor allem in diesen Expertenkreisen kann sie jetzt von 1,70 Meter langen Schwertfischen erzählen. Von fußballgroßen Kakaofrüchten. Von exotischen Obstsorten, die hierzulande keiner kennt. Katharina Meier sagt, dass sie noch nie drei so anstrengende Monate erlebt hat. Trotzdem: „Als ich vom Schiff gegangen bin, habe ich geheult.“

Am 1. Mai tritt sie ihre neue Stelle in einem namhaften Schweizer Hotel an – und schaut, falls sie mal die Abenteuerlust packt, vielleicht einfach auf ihren Rucksack: Aus jedem Hafen hat sie sich einen Anstecker mitgenommen.

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