Interview mit Günter W. Denz
Mangel an Selbstverständlichkeit

Greven/Saerbeck -

Günter W. Denz, ehemaliger Grevener und jetziger Saerbecker, ist seit Jahren das Gesicht des Vereins Deutscher Sprache (VDS) in der Region um Greven und Saerbeck. Kürzlich wurde er in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Grund genug für ein Gespräch mit ihm über die deutsche Sprache.

Freitag, 13.04.2018, 21:03 Uhr aktualisiert: 13.04.2018, 21:10 Uhr
Günter W. Denz, vielen Grevenern noch als langjähriger Vorsitzender des TVE Greven bekannt, wurde kürzlich in seinem Amt als Vorsitzender des Vereins Deutscher Sprache in der Region 48 bestätigt.
Günter W. Denz, vielen Grevenern noch als langjähriger Vorsitzender des TVE Greven bekannt, wurde kürzlich in seinem Amt als Vorsitzender des Vereins Deutscher Sprache in der Region 48 bestätigt. Foto: Alfred Riese

Herr Denz, der Verein Deutsche Sprache fördert Deutsch als eigenständige Kultursprache, so steht es in den Statuten. Was heißt das konkret?

Günter W. Denz: Jedes Volk hat eine eigene, unverwechselbare Sprache, die fester Bestandteil seiner Kultur ist. Somit hat die deutsche Sprache fundamentale Bedeutung für die deutsche Kultur, sie ist eben einmalig, einzigartig, und man sollte sie daher fördern und weiterentwickeln.

Ist das alles nicht ein Kampf gegen Windmühlen in Zeiten der Globalisierung?

Denz: Das Wort „Kampf“ löst bei mir stets böse Erinnerungen aus. Daher vermeide ich es möglichst. Globalisierung sehe ich daher auch nicht als Gegner der deutschen Sprache an. Zur Förderung der deutschen Sprache kann die Globalisierung vielmehr bestens eingesetzt werden und zu ihrer Verbreitung beitragen. Es ist nämlich immer sinnvoller, sich für die deutsche Sprache einzusetzen, als auf dem Sofa zu sitzen und nichts zu unternehmen. Und das gilt für viele Bereiche: in der Kultur, im öffentlichen Leben, in sozialen Organisationen.

In vielen Bereichen der Wirtschaft, zum Beispiel bei den Leuten vom Marketing (oder was soll man da schreiben), wird ein extremes Denglisch gesprochen, was kaum noch verständlich ist. Was glauben Sie: Warum machen die das?

Denz: Gerade in der Werbung glaubte man, mit möglichst vielen englischen Begriffen wirkungsvoll werben zu müssen. Zu wie vielen Fehldeutungen die oft unverständlichen Formulierungen führten, kann man an zahlreichen Beispielen belegen (Come in and …., public viewing – Leichenschau in England, body bag – Leichensack in England). Einige Leute verwenden englische Wörter, weil sie glauben, es sei modern, andere wollen dadurch gebildeter erscheinen als sie sind, wieder andere meinen, ihre fehlerhaften Deutschkenntnisse verdecken zu können.

Lassen sich denn nicht viele Begriffe wirklich auch besser und treffender in einer anderen Sprache ausdrücken?

Denz: Sicher gibt es Fachausdrücke, die man in einer anderen Sprache gut formulieren kann. So sind zahlreiche Begriffe in den Wissenschaften aus dem Griechischen oder Lateinischen entlehnt worden.

Ist es nicht reichlich kindisch, wenn Begriffe wie Homepage, E-Mail oder anderes eingedeutscht werden? Es weiß doch jeder, was gemeint ist.

Denz: Krampfhafte Versuche, deutsche Wörter anstelle feststehender Bezeichnungen aus anderen Sprachen (Französisch, Englisch) einzusetzen, wirken teilweise auch so.

Wie sieht es mit der heutigen Jugend aus: Die jungen Menschen haben, wie auch schon früher geschehen, eine eigene Sprache entwickelt. Auch hier werden sehr viele englische Wörter genutzt. Machen die das, weil deutsch nicht cool ist? Oder ist das ein Mittel, sich von den Erwachsenen abzugrenzen? Und: Wie kommt man an

Denz: Die eigene Jugendsprache mit englischen Begriffen schließt nicht automatisch gute Kenntnisse der deutschen Sprache aus. Gewiss klingt manches englische Wort „cool“. Doch dient nicht Deutsch dennoch der allgemeinen Verständigung? Sicher wollen Jugendliche Eigenes entwickeln und sich dadurch von den Erwachsenen unterscheiden. Ein kleiner Protest, eine Form der Eigenständigkeit, der Entwicklung, aber auch eine Portion Großmannssucht spielen mit. Dieser Erscheinung will sich der VDS nicht entgegenstellen. Wir und speziell unsere Region Münster und Umland wollen nicht gegen etwas arbeiten, sondern uns vielmehr für die deutsche Sprache einsetzen, zum Beispiel mit unserem „Steinfurter Sprachpreis“ in Zusammenarbeit mit dem Schulamt für den Kreis Steinfurt und den Schulen in diesem Bereich.

Mit dem Zuzug von Flüchtlingen wird das Sprachgemisch in Deutschland, aber natürlich auch in anderen Ländern, immer größer. Können Sie damit leben oder versuchen Sie, dem entgegenzuwirken?

Denz: Vom VDS bieten wir Deutschkurse für Flüchtlinge an, wollen dadurch unseren Mitmenschen helfen und ihnen ein Leben in Frieden bei uns ermöglichen. Keine Spur von „gegen“.

Was halten Sie eigentlich von dem Gender-Sprech? Gemeint ist hier das Bürgerinnen-und-Bürger-Gerede. Halten Sie das für angebracht oder wird da nicht nur die Lesbarkeit von Texten erschwert?

Denz: Leute, die viel Zeit haben, sich mit unwesentlichen Dingen zu beschäftigen, sollen sich mit „Gender“ abgeben. Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt meines Denkens und Handelns.

Eine letzte Frage: Sie setzen sich für Deutsch als eigenständige Kultursprache ein und bekommen dafür sicherlich Beifall aus der rechten Ecke. Wie versuchen Sie, sich davon abzugrenzen?

Denz: Die deutsche Sprache soll als Kulturgut ins Grundgesetz aufgenommen werden, ist eine VDS-Forderung an unsere Politiker. Für unsere Nachbarstaaten ist das eine Selbstverständlichkeit. Bei uns Deutschen mangelt es teils an dieser Selbstverständlichkeit, an diesem Selbstbewusstsein. Schade! Beifall aus der rechten Ecke oder aus welcher Ecke auch immer lehne ich strikt ab. In meiner Haltung zur deutschen Sprache und zu meiner, unserer Heimat stehe ich mit bewusster Selbstverständlichkeit.

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