Mo., 16.04.2018

Freuynde + Gaesdte mit Vidocq in der Kulturschmiede Gangster wird zum Spitzel

Sehr dicht, mitten im Publikum: Die Freuynde & Gaesdte nach ihrer kurzen Aufführung in der Kulturschmiede.

Sehr dicht, mitten im Publikum: Die Freuynde & Gaesdte nach ihrer kurzen Aufführung in der Kulturschmiede. Foto: Günter Benning

Greven - 

Die Kulturschmiede wird zur Kaschemme. Teelichter auf den Tischen, gedimmte Scheinwerfer, das Publikum sitzt im Halbdunkel, auch oben auf der Bühne. Denn von dort ist die Aussicht am besten auf den Ganoven Eugene Francois Vidocq und seinen Leitkommissar Jean Henry.

Von Günter Benning

„Kaschemme, punkt Acht“. Wenn die Theater Company „Freuynde + Gaesdte“ auftritt, dann spielt der Ort immer eine Hauptrolle. Man hat sie schon im Wohnzimmer gesehen, im Konferenzraum, in einer Baumkrone und auf Holzplanken im Aasee. In Münster wird das Vidocq-Stück tatsächlich in einer Kaschemme aufgeführt, in die nur 27 Menschen passen. „Sehr dicht“, sagt Zeha Schröder, der Kommissar. In Greven waren es 90 Zuschauer und das hat die Schauspieler im voraus nervös gemacht. Aber dann? Schröder: „Man hat keinen Mucks gehört.“

Tatsächlich, das Bewerbungsgespräch, das der Kommissar Jean Henry an einem Faßtisch inmitten der Zuschauer mit dem Schwerenöter Vidocq (Johan Schüling) führte, fesselte das Publikum. Einerseits lag das an der souveränen schauspielerischen Leistung Schröders, der den Skeptiker in Staatsdiensten glaubhaft wiedergab. Andererseits lag das an der Schelmengeschichte des Vidocq, die von den Freuynden + Gaesdten der Biografie desselben entlehnt wurde.

Ein Mann, der zigmal dem Knast entkam, der sich laufend wegen seiner Liebesgeschichten duellierte, der in flagranti seinen Job im Puppentheater verlor, als er es hinter der Bühne mit der Frau vom Prinzipal trieb. Der Witz all dieser Geschichten wird gesteigert, weil man weiß, dass dieser Schwerenöter später zum Chef der Pariser Geheimpolizei aufstieg. Und eine erfolgreiche Detektei gründete.

Die Literatur hat ihm Denkmale gesetzt, seine Geschichte wurde serienweise verfilmt. Sein Film-Gesicht war zuletzt das von Gerald Depardieu.

Da sind die Ansprüche hoch, die der noch junge Vidocq-Darsteller Schüling nicht ganz erfüllen konnte. Sein Part klang eher schlaff, manchmal weinerlich. Da war nichts von der Ironie, die den Original-Vidocq zum Literatur-Helden machte. Die Produktionsleitung hatte Anke Winterhoff. Auch ganz praktisch: Sie kellnerte für Schauspieler und Publikum.



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