DIEK in Gimbte
Gimbte bliff Gimbte

Greven -

Dorfinnenentwicklungskonzept – nicht jedem sagt dieses Wortungetüm auf Anhieb etwas. Im Grevener Ortsteil Gimbte ist das anders: Die Menschen dort nutzen die Chance, ihr Dorf selbst mitzugestalten. Im September entscheidet der Rat der Stadt - ein Zwischenstand.

Sonntag, 22.04.2018, 13:03 Uhr aktualisiert: 24.04.2018, 15:26 Uhr
Das Dorfinnenentwicklungskonzept in Gimbte ist ein spannender Prozess, finden (von links) Matthias Herding, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Olaf Pochert, Betreuer des Projekts, und Hinnerk Willenbrink, ein Gimbter, der zudem mit seinem Büro den Prozess begleitet.
Das Dorfinnenentwicklungskonzept in Gimbte ist ein spannender Prozess, finden (von links) Matthias Herding, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Olaf Pochert, Betreuer des Projekts, und Hinnerk Willenbrink, ein Gimbter, der zudem mit seinem Büro den Prozess begleitet. Foto: erh

Im Ortsteil Gimbte tut sich etwas – wieder einmal. Im September soll das Dorfinnenentwicklungskonzept (DIEK) vom Rat der Stadt verabschiedet werden. Das DIEK soll Gimbte fit machen für die Herausforderungen der Zukunft. Wie ist der Stand der Dinge? Wir sprachen darüber mit Hinnerk Willenbrink, waschechter Gimbter, der zudem mit seinem Büro Willenbrink Stadtentwicklung & Kommunikation gemeinsam mit dem Büro plan­invent aus Münster im Auftrag der Stadt Greven den Prozess begleitet, und mit Matthias Herding, Leiter Fachbereich Stadtentwicklung, sowie Olaf Pochert, der das Projekt im Rathaus betreut. Gimbte hat aktuell etwas über 900 Einwohner.

Dorfinnenentwicklungskonzept – ein Wortungetüm. Trotzdem: Die Abkürzung DIEK ist in Gimbte ein Begriff?

Hinnerk Willenbrink: Ja, in jedem Fall. Die Gimbter können mit der Abkürzung und deren Bedeutung etwas anfangen.

Matthias Herding: Die Gimbter wissen, dass sie sich aktiv einbringen können. Die hohe Beteiligung in den Veranstaltungen zeigt das ganz deutlich.

Das Aufstellen oder Entwickeln eines Konzepts bedeutete ja noch nicht automatisch dessen Umsetzung. Behindert das das Engagement?

Willenbrink: Das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen haben es in der Hand, den Ort mitzuentwickeln, in dem sie leben.

Herding: Analysieren, Ziele für die Zukunft definieren und Projektideen entwickeln, um Ziele zu erreichen. An dieser Linie orientiert sich das Aufstellen des Konzeptes. Das DIEK ist aber auch offen für Neues. Es ist ein dauerhafter Prozess, weit über die Erstellung des Berichtes hinaus.

An welchen Ideen wird beispielhaft gearbeitet?

Olaf Pochert: Ich nenne mal die Idee der Gimbte-App. Bei diesem Projekt arbeiten junge und ältere Menschen mit. Das gilt für viele andere Ideen auch: Es finden sich sehr unterschiedliche Bürger ein, um mitzugestalten.

Wie funktionieren die Arbeitskreise oder Projektgruppen?

Willenbrink: Wir haben zunächst drei Themenschwerpunkte gesetzt: Stärken – Schwächen – Ziele. Alle Schwerpunkte haben wir in unterschiedlichen Gruppen je zwei Mal behandelt. Daraus hat sich ein siebter Arbeitskreis entwickelt, der sich etwa mit Fragen der Koordination befasst. Die Anregungen und Ideen werden noch einmal konkretisiert. Für viele Projekte gibt es Paten oder Patengruppen. Daraus ist dann die Projektmesse entstanden, über die auch in dieser Zeitung ausführlich berichtet worden ist.

Das hört sich nach großem Engagement an. . .

Willenbrink: Ohne Zweifel – die Zahl der dafür ehrenamtlich von den Gimb­tern geleisteten Stunden ist sehr, sehr groß. Aber auch ein Hinweis dafür, wie sehr sich die Leute in Gimbte für dieses große Projekt engagieren. Viele Steckbriefe zu den Projekten dokumentieren, wie viel ehrenamtliche Arbeit in die aktuelle Diskussion einfließt.

Herding: Es steht nicht die einzelne Idee im Vordergrund, sondern das Gesamte. Ich war sehr positiv überrascht, wie viele Leute sich beteiligt haben. Viele junge Menschen haben einen starken Bezug zu ihrem Dorf. Sie setzen sich sehr für ihr Dorf ein. Das trägt auch den Prozess.

Sind schon Projekte oder Ideen verworfen worden?

Willenbrink: Nein, nicht wirklich. Es sind einige Dinge zusammengefasst worden. In die Gimbte-App beispielsweise kann auch das Thema Mobilität und Fahrgemeinschaften integriert werden. Da gibt es weitere Dinge. Alles, was aktuell keine Paten hat, bleibt in der Ideen-Box. Vielleicht ist es zu einem späteren Zeitpunkt interessant.

Herding: Nicht alles kann heute oder morgen umgesetzt werden. Zum Teil sind dicke Bretter zu bohren, vor allem die Finanzierung ist zu sichern. Manchmal öffnet beispielsweise ein neues Förderprogramm eine neue Tür.

„Fit für die Herausforderungen der Zukunft“ ist eine Aufgabe. Was bedeutet das?

Pochert: Zunächst einmal bedeutet das, dass es ein Bewusstsein für die Herausforderungen der Zukunft gibt. In den Arbeitskreisen wird abgewogen, überlegt, gegebenenfalls neu gedacht. Die Leute fühlen sich ernst genommen.

Willenbrink: Es wird eher auf den Weg geschaut, wie etwas zusammenpasst oder zusammenpassen kann. Das zeichnet auch Gimbte als Dorfgemeinschaft aus. Da wird auch überlegt, wie der Schützenverein oder der Fußballverein attraktiv und interessant bleiben können, damit auch sie eine Zukunft haben. Da wird überlegt, was der Generationswechsel für Konsequenzen haben kann und muss. Jeder ist fest eingebunden und kann sich einbringen. Die Aussteigerquote aus dem DIEK-Prozess ist übrigens sehr gering.

Gibt es schon Überlegungen zur Umsetzung?

Willenbrink: Ja, absolut. Die Gimbter wollen schon einen Bürgerverein gründen, der in der Folge die DIEK-Projekte in der Umsetzung begleiten kann. Es ist aber auch bekannt, dass im DIEK keine Wunschliste aufgestellt wird, die am Ende einfach abgearbeitet werden kann. Das ist in den Gruppen angekommen. Die Erwartungshaltung ist eher, wo kann ich noch etwas beitragen, damit dieses oder jenes auch umgesetzt werden kann.

Herding: Es ist ein Prozess aus der Bürgerschaft heraus. Der ist nicht aufgesetzt oder von oben vorgegeben. Das hat für die Menschen in Gimbte eine ganz andere Qualität.

Was passiert aktuell?

Willenbrink: Der Prozess ist sehr lebendig. Wir werden zum Beispiel beim Maibaum-Aufstellen am 29. April wieder einige Stellwände von der Stadt haben und einzelne Projekte noch einmal vorstellen. Die Gimbter können und wollen auf allen gemeinsamen Festen über das DIEK diskutieren. Gerade läuft auch eine kleine Umfrage im Ort unter Kindern und Jugendlichen, welche Probleme oder Wünsche sie berücksichtigt wissen wollen. Oder im Juni. Da erwarten wir die Landesjury für den Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft. Auch da wird das DIEK eine Rolle spielen. Wir haben auf Kreisebene Gold geholt. Jetzt wollen wir auch die Jury eine Liga höher überzeugen.

Das DIEK umfasst einen Planungszeitraum von rund zehn Jahren. Was sagen die Gimbter, wenn man sie fragt, wie ihr Dorf Ende der 2020-er Jahre aussehen wird?

Willenbrink: Gimbte bliff Gimbte. Dieser Aufkleber aus den 1980-er Jahren bringt es auf den Punkt. Die Dorfgemeinschaft macht es aus. Wir Gimbter feiern gemeinsam auf dem Dorfplatz oder im Schützenbusch. Und wir sind eigenverantwortlich für das, was im Dorf passiert. Und klar ist auch: Der bauliche Kern muss erhalten werden.

Herding: Die Welt verändert sich. Es gibt aber eine Kernidentität Gimbtes, vor allem ein Gemeinschaftsgefühl. Ein Prozess wie das DIEK bestärkt diesen Gedanken. Trotzdem muss es als Herausforderung wahrgenommen werden, diese Identität zu wahren. Aber es eröffnen sich auch neue Möglichkeiten dafür – wie zum Beispiel mit der Gimbte-­App.

Willenbrink: Es ist wichtig, das Gemeinschaftsgefühl zu erhalten und sich als Dorfgemeinschaft in der Veränderung selbst treu zu bleiben.

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