So., 29.04.2018

Mysteriöse Geschichte einer Fundsache Ein Wiedersehen nach vier Jahren

Unglaublich: Viele „normale“ Menschen, aber auch Taschendiebe stecken ein geklautes Portemonnaies einfach in den Briefkasten, nachdem sie das Geld heraus genommen haben. Die Post kümmert sich dann darum, dass der Eigentümer sie wieder bekommt.

Unglaublich: Viele „normale“ Menschen, aber auch Taschendiebe stecken ein geklautes Portemonnaies einfach in den Briefkasten, nachdem sie das Geld heraus genommen haben. Die Post kümmert sich dann darum, dass der Eigentümer sie wieder bekommt. Foto: Peter Beckmann

Greven - 

Mit 16 Jahren hat Michael Meyer seine Geldbörse verloren – mit Papieren und Bankkarte. Jetzt, vier Jahre später, hat die Post ihm das Portemonnaies mit Inhalt zugeschickt. Wo es in der Zwischenzeit gewesen ist? Das ist leider nicht bekannt.

Von Peter Beckmann

Ganz ehrlich, es macht doch immer wieder Spaß, ein bisschen auf Bahn, Post und Telekom einzuprügeln, wenn mal wieder etwas in die Hose gegangenen ist. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist dabei relativ groß. Ob das allerdings auch bei dieser Geschichte der Fall war, ist reine Spekulation.

Fangen wir doch einfach von vorne an. Der Grevener Michael Meier (Name von der Redaktion geändert) freute sich, dass er nun endlich mit 16 Jahren Mofa fahren durfte. Er hatte den Führerschein bestanden und kaufte sich von dem mühsam zusammengesparten Taschengeld einen Roller. Damals war er 16 Jahre alt.

Dann, eines Tages, war sein Portemonnaies weg. Viel Geld war nicht drin. Aber sein Führerschein und der Fahrzeugschein für sein Roller und eine Bankkarte befanden sich in der Geldbörse. Er suchte überall – aber es war zwecklos, das Portemonnaies blieb verschwunden. Ein teurer Verlust. Neuer Fahrzeugschein, neuer Führerschein, neue Bankkarte – das alles bedeutete viel Gerenne und hohe Kosten und war besonders für den Jugendlichen finanziell sehr schmerzhaft.

Portemonnaie vier Jahre auf Reisen

Aber das alles war bald vergessen, das Leben nahm seinen Gang. Michael wurde erwachsen. Dann, vier Jahre später, kam der Tag, als ein Briefumschlag im Briefkasten der Familie lag. Fein säuberlich an Michael Meier adressiert. Als er den Umschlag aufriss, traute er seinen Augen nicht. In dem Brief lag sein altes Portemonnaies, und darin waren der Fahrzeugschein, der Führerschein und die Bankkarte. Das Portemonnaies sah aus wie neu. Dabei ein Schreiben des „Service Center Briefermittlung“ der Deutschen Post.

Die teilten kurz mit, dass es Aufgabe des Servicecenters sei, „einen Empfangsberechtigten für unanbringliche Briefsendungen und Fundgegenstände“ zu ermitteln. Das war es dann auch schon. Kein Wort darüber, wie die Post an das Portemonnaies von Michael Meier gekommen ist. War es von Jemanden an Meier geschickt worden und die Adresse stimmte nicht oder war unleserlich? Oder hatte jemand das Portemonnaies einfach in einen Briefkasten geworfen? Und, die wichtigste Frage: Warum hat es vier Jahre gedauert, bis das Portemonnaies wieder bei seinem Besitzer angekommen ist?

Von Greven nach Marburg

All diese Fragen blieben unbeantwortet und boten reichlich Gelegenheit zu Spekulationen. „Typisch Post“, meinte ein Kumpel von Michael. „Die Patte lag bestimmt vier Jahre bei der Post in irgendeiner Ecke bis sie dann zufällig aufgetaucht ist“, so seine Spekulation.

Aber: Die Wahrheit ist doch viel interessanter. Dabei ruht die Hoffnung auf Rainer Ernzer. Der ist Pressesprecher der Post und verspricht, sich zu kümmern. Doch: Auch er kann nicht viel zur Lösung der mysteriösen Geschichte beitragen. „Klar ist, dass die Geldbörse am 18. April aus Greven in Marburg aufgetaucht ist, dort am 19. April bearbeitet und an die Adresse des Eigentümers geschickt wurde“, erklärte Enzer. Wie, wann oder warum die Geldbörse bei der Post in Greven aufgetaucht ist, sei nicht mehr nachzuvollziehen.

Nur so viel: „Es passiert oft, dass die Leute, wenn sie eine Geldbörse, einen Schlüssel oder etwas anderes finden, das einfach in den Briefkasten werfen nach dem Motto ,Die Post macht das schon`. Und das tun wir ja auch.“ Dafür gebe es in Marburg ein Servicecenter der Deutschen Post. Und dort lande alles, was in irgendeiner Form nicht zustellbar sei.

Mysteriöse Geschichte einer Fundsache

„Zum einen werfen die Leute unglaublich viele Fundstücke in die Briefkästen, zum anderen gebe es viele Briefe oder Pakete, die nicht zugestellt werden könnten, weil die Anschrift nicht leserlich oder der Empfänger unbekannt verzogen ist“, erklärt Ernzer. Die Postmitarbeiter in Marburg seien vereidigt, und somit vom Briefgeheimnis befreit. „Nur sie dürfen Briefe öffnen um zu ermitteln, wer der Empfänger ist.“

Tja, und diesen Weg hat auch das Portemonnaies von Michael Meier durchlaufen. Warum und wie die Geldbörse vier Jahre verschwunden war und erst jetzt wieder aufgetaucht ist, bleibt aber wohl ein Mysterium.

Michael hat das Portemonnaies übrigens seiner Schwester geschenkt. „Ich habe längst ein Neues und die Geldbörse sieht ja noch aus wie neu.“

Aber: Er würde schon gerne wissen, welche Wege das Portemonnaies gegangen ist.



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