Carsten Averkamp und sein S-Pedelec
Das S steht für Speed

Reckenfeld -

Der Reckenfelder Carsten Averkamp fährt ein so genannte S-Pedelec. Das fährt bis zu 45 Stundenkilometer schnell. Damit fährt er jeden Tag zur Arbeit nach Münster und zurück.

Samstag, 26.05.2018, 17:16 Uhr aktualisiert: 26.05.2018, 17:20 Uhr
45 Kilometer in der Stunde – das ist der Spitzenwert, den Carsten Averkamp auf seinem S-Pedelec erreichen kann.
45 Kilometer in der Stunde – das ist der Spitzenwert, den Carsten Averkamp auf seinem S-Pedelec erreichen kann. Foto: Luca Pals

Den grünen Daumen habe die ganze Familie, meint Reckenfelder Carsten Averkamp: Seine Mutter nimmt bei den „Kunstvollen Gärten 2018“ teil (WN berichteten) und er selber, zweifacher Vater, hat sich dem Fahrradfahren verschrieben. Seine Einfahrt schmückt zwar ein dicker Land Rover Defender, der sei aber „mehr Hobby“ – hinter der Garage verbirgt sich das Schätzchen, um das es heute geht: Sein S-Pedelec. Das S steht für Speed.

Schwarzer Rahmen, dicke Batterie am Sattel, Seitenspiegel und fette Reifen aufgezogen – das fixe Gefährt kann bis zu 45 km/h fahren: Fahrradfahren bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Für den 43-Jährigen bedeutet das Rad noch viel mehr: Sein Weg zur Arbeit. Die liegt in einer Berufsschule. In Münster. Sein Arbeitsweg betrage schlanke 25 Kilometer: Erst nach Greven rein, über den Aldruper Damm, Gimbte wird links liegen gelassen, geht es weiter durch die Rieselfelder und am Dortmund-Ems-Kanal entlang. Averkamp: „Da hat man was fürs Auge.“ Auch wenn die Landschaft vorbei rausche.

Seitdem das Auto morgens kalt bleibt, scheppert der Wecker zwar früher, Averkamp sagt aber: „Wenn die Autos im Stau stehen, kann ich so an ihnen vorbei fahren.“ Manchmal brauche er nur zehn Minuten länger als mit dem Pkw: „Ich fahre morgens um 6.15 Uhr los, bin um 7.00 Uhr an der Schule. Der Unterricht beginnt um 7.45 Uhr.“ Damit seine Schüler den morgendlichen Sportgeruch nicht mit riechen müssen, zieht er sich noch fix um – raus aus der Sportkleidung, rein in die Jeans: „Ein bisschen kommt man schon ins Schwitzen.“ Zu Anfang habe er es mit einem „normalen“ Fahrrad probiert – zu anstrengend, dann mit dem Zug – „Ich bin kein Zugmensch.“ Im November des vergangenen Jahres bot ihm ein Kollege eine Probefahrt an. Seitdem ist der leidenschaftliche Mountainbikefahrer Feuer und Flamme für das Bike, kaufte es sich in Emsdetten und tritt – wenn Petrus nicht gerade völlig verrückt spielt – die 50 Kilometer hin und zurück mit dem Rad. Dann ist die Batterie leer, muss für den nächsten Tag aufgeladen werden.

Zur Erklärung: Ein normales E-Bike fährt bis 25 km/h. Diese Geschwindigkeit erreicht das S-Pedelec bis in den ersten Gang, im zweiten geht es dann bis 35 und im dritten rauf auf 45. Klar: Hier ist der normale Fahrradhelm Pflicht. Auf den Radweg darf Averkamp mit dem Bike nicht, es geht auf die Straße: „Viele Autofahrer hupen und stören sich“, meint der frühere Fahrzeugtechniker: „Sie denken, ich führe ein normales Fahrrad.“ Tatsächlich erwische er sich in 30er-Zonen schon dabei, vom Gas gehen zu müssen, ärgerte sich schon mal über die langsamen Autofahrer: „Der Mercedes unter den Fahrrädern“, so Averkamp. Noch eine Besonderheit: Mindestens 16 Jahre muss man für das Bike sein, ein Mofa-Führerschein ist Pflicht. Und: Das amtliche Kennzeichen darf auch nicht fehlen.

Und warum das ganze? „Wir alle können in kleinen Schritten etwas für den Klimawandel tun“, meint der Berufsschullehrer. Der Klimawandel sei stark zu spüren: „So viel Gewitter und schwüle Tage, wie zuletzt habe ich selten erlebt.“ Er sagt: „Ich habe selber zwei kleine Kinder. Ich möchte als Vorbild voran gehen.“ Das färbt auch auf die Familie ab: Frau Averkamp ist nur mit dem Rad unterwegs – kurze Wege im Reckenfelder Ort: Dafür braucht man das Auto nicht. Averkamp: „Als studierter Maschinenbauer weiß ich: Kurze Strecken killen das Auto.“

Kurz ist sein Ziel nicht. Er hat ausgerechnet: 10 000 Kilometer würde er jährlich mit dem Auto zur Arbeit fahren, mindestens 60 Prozent davon möchte er mit dem Fahrrad fahren – 6000 Kilometer. Bisher geschafft: 2376. Eine Stange Geld habe er zwar für das Fahrrad, welches per Handy im Kontakt steht, bei Diebstahl Alarm ausgelöst wird, ausgegeben. Aber er rechnet vor: „Ich habe 34 Kilowattstunden verbraucht. Umgerechnet sind das 3,5 Liter Diesel.“ Also: „Mein Opel verbraucht sechs Liter pro 100 Kilometer, das Rad 0,15 Liter.“ Schlanke 40 Mal weniger Verbrauch: Auf lange Zeit rechne sich das zu Beginn teure Fahrrad.

Neben der Umwelt meint Averkamp: „Geld sparen und was für die Gesundheit mache ich auch noch.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5766240?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker